Schalke 04 liegt nur kurz am Boden

Frankfurt..  Eine Dreiviertelstunde nach dem Abpfiff schlenderte Roberto Di Matteo ganz allein durch den Kabinengang. Im Frankfurter Stadion ist diese Fläche zwischen den Umkleideräumen der beiden Mannschaften groß und auch an kalten Tagen warm geheizt – ein Ort der Begegnung. Der Trainer des FC Schalke 04 aber wirkte in sich gekehrt. Fünf Minuten vorher hatte er gesagt: „Wir müssen das jetzt abhaken und uns auf Mittwoch vorbereiten.” Bei Di Matteo hatte das Umschalten schon begonnen: Die 0:1-Niederlage bei Eintracht Frankfurt war am Samstag.

Mittwoch ist Madrid.

Für Schalke war es aus vielen Gründen äußerst ärgerlich, dass die hübsche kleine Erfolgsserie von fünf ungeschlagenen Spielen in der Bundesliga ausgerechnet beim letzten Auftritt vor dem Hinspiel im Achtelfinale der Champions League gegen Real Madrid unterbrochen wurde. Die Königlichen, das weiß man seit dem 1:6 vor fast einem Jahr nur zu genau, sind ohnehin eine Herkulesaufgabe, der man am liebsten mit größtmöglicher Stabilität entgegengetreten wäre. Nun aber offenbarte das Siegtor des Frankfurters Lucas Piazon aus der 64. Minute doch wieder eine Verwundbarkeit auch im Alltag.

Die nächste Chance nicht genutzt

Naheliegend war, dass man sich am Samstag erst einmal damit beschäftigte, welche Auswirkungen das auf die Bundesliga hat: „Wir haben mal wieder eine Chance verpasst, uns oben festzusetzen”, klagte Mittelfeldspieler Marco Höger mit Blick auf die anderen Ergebnisse. Einige Mitbewerber im Kampf um den dritten und vierten Tabellenplatz hatten am Nachmittag verloren. Schalke zog am Abend nach. Bitter und ärgerlich waren Vokabeln, die die Königsblauen dazu gebrauchten.

Besiegelt wurde das Ergebnis durch das Kopfballtor von Piazon. Doch mit entscheidend für die Schalker Niederlage war noch ein zweiter Grund, der in einer wirklich guten Spielphase der Gelsenkirchener zu suchen war: In der ersten Halbzeit, als Schalke das Mittelfeld mit schnellen Bällen in die Tiefe überbrückte, fand sich im Angriff keiner, der die zumeist von Tranquillo Barnetta geschlagenen Zuspiele verwerten konnte. Manager Horst Heldt betonte extra, sein Urteil „ohne Übertreibung” zu fällen, als er zu dem Schluss kam: „Zur Halbzeit kann es 4:1 für uns stehen.” Selbst eine 1:0-Führung hätte dem Spiel einen anderen Verlauf gegeben.

Auf jeden Fall hatten die in Frankfurt als Defensivkünstler angekündigten Schalker eine zeitlang gezeigt, dass sie auch anders können. Eintracht-Trainer Thomas Schaaf, gemeinhin als Freund der offensiven Auseinandersetzung bekannt, sagte anerkennend: „Man hat gut sehen können, wie schnell diese Mannschaft da hinten rauskommt.” Auch Sportsfreund Di Matteo stellte heraus, wie gut seine Auswahl in der ersten Halbzeit gespielt habe: „Da hat uns nur der letzte Pass gefehlt - und eben das Tor.”

Es sind diese unvollendeten Ansätze, die Schalke nun mitnimmt ins Spektakel gegen Madrid: Unvollendet im Angriff, wo der in der Champions League spielberechtigte Klaas-Jan Huntelaar helfen soll – nach seiner Erkältung trainierte der Torjäger am Sonntag erstmals wieder. Unvollendet in Frankfurt aber auch in der Abwehr, wo eine Unachtsamkeit zur Niederlage führte. Beim Frankfurter Siegtor war Schalkes junger Torwart Timon Wellenreuther einen Schritt zu spät gekommen. Niemand im königsblauen Lager nahm den 19-Jährigen aber dafür in die Verantwortung, da die Flanke von Timothy Chandler zuvor abgefälscht war. „Der Torwart konnte da nichts machen“, sagte Trainer Roberto Di Matteo.

Giefers Einsatz bleibt fraglich

Noch steht nicht fest, ob Fabian Giefer bis Mittwoch einsatzfähig ist. Zwar trainierte er am Sonntag erstmals nach seiner Adduktorenzerrung wieder auf dem Platz, aber das Pensum war noch sehr dosiert.

Di Matteo weiß, dass viel an Vollendung wird zusammenkommen müssen, damit gegen Real Madrid ein anderes Ergebnis steht. Anders als das 0:1 in Frankfurt, anders als das 1:6 vor einem Jahr, für das er damals ja noch nicht die Verantwortung trug. „Ich hoffe”, sagt er, „dass wir aus der Vergangenheit gelernt haben und uns als Mannschaft und individuell verbessert haben.”