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Schäuble dreht der WM den Geldhahn zu

26.09.2007 | 20:19 Uhr

RADSPORT. Weil der belastete Italiener Paolo Bettini starten soll, friert Berlin Zuschüsse ein.

STUTTGART. Nur eine Stunde nach Hanka Kupfernagels Zeitfahrsieg ist der goldene deutsche Auftakt der Straßenrad-WM in Stuttgart vom Dopingsumpf eingeholt worden. Im Team der Gastgeber entbrannte wieder die Diskussion um die Teilnahme von Erik Zabel, Innenminister Wolfgang Schäuble fror den Bundeszuschuss ein, und das ZDF droht mit WM-Boykott.

Im Mittelpunkt der schwersten Vorwürfe steht der Italiener Paolo Bettini. Der Olympiasieger 2004 und Weltmeister 2006 soll Lieferant von unerlaubten Mitteln für den geständigen und von T-Mobile inzwischen entlassenen deutschen Profi Patrik Sinkewitz gewesen sein. Dies berichtet das ZDF, dem dazu eine Protokollnotiz vorliegt. Die genaue Quelle wollte der Sender nicht preisgeben.

Der 33-jährige Titelverteidiger lehnte beim Abflug der italienischen Mannschaft aus Mailand jede Stellungnahme zur Verbindung mit Sinkewitz ab.

ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender schloss einen TV-Boykott der WM wie bei der Tour de France nicht aus: "Wenn diese zweifelhaften Vorgänge nicht eindeutig geklärt werden, dann halten wir uns alle Optionen offen. Das schließt den Ausstieg aus der Berichterstattung ein."

Schon vor den neuen schweren Vorwürfen ließ Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble die Auszahlung des WM-Bundeszuschusses in Höhe von 150 000 Euro stoppen, weil der Weltverband UCI Bettini starten lassen will, obwohl dieser bislang die "Ehrenerklärung gegen Doping" nicht unterzeichnet hat. Allerdings kündigte er angeblich über den italienischen Verband seine Bereitschaft dazu an und sprach von einem Missverständnis.

In dem beim ZDF vorliegenden Protokoll wird Sinkewitz wörtlich mit der Aussage zitiert: "Ich hatte also italienische Fahrer, die dieses Testogel ... besorgt haben. Man kann die Namen auch nennen, Bramati und Bettini."

Auch Zabels Start umstritten

Sinkewitz und Bettini waren Teamkollegen in den Profimannschaften Mapei und Quick Step, bevor der Deutsche 2005 zu T-Mobile wechselte. Der 26-jährige Fuldaer war am 8. Juni bei einer unangemeldeten Trainingskontrolle positiv auf Testosteron getestet worden und hatte am 31. Juli Doping mit Testogel-Gel gestanden. Er will sich den Ermittlern als Kronzeuge zur Verfügung stellen, um eine Minderung der normalen Zweijahressperre zu erreichen.

Gegen den Start Zabels in Stuttgart sprachen sich inzwischen auch zwei seiner Mannschaftskollegen aus. Die beiden Zeitfahrer Sebastian Lang und Bert Grabsch, die am Donnerstag die Medaillen-Hoffnungen des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR) tragen, kritisierten offen die Nominierung des Milram-Sprinters durch den Bund Deutscher Radfahrer (BDR), weil dies die Glaubwürdigkeit des Antidopingkampfes erschüttere.

Zabel hatte im Frühsommer ein Doping-Geständnis abgelegt, doch BDR-Präsident Rudolf Scharping hatte sich persönlich für einen WM-Start Zabels eingesetzt. Scharping hatte zuletzt mehrfach betont, dass er ein persönlicher Freund Zabels sei und den Start des Sprinters bei der WM in Stuttgart in keiner Weise für verwerflich halte. (sid/NRZ)

DIETER HENNIG OLIVER GÖRZ

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