Sanchez flirtet wieder mit dem Bergtrikot
27.06.2012 | 12:58 Uhr 2012-06-27T12:58:00+0200Die ganz großen Berge sind rar bei der zeitfahrlastigen 99. Tour: Nur vier Anstiege der höchsten Kategorie, je zwei in den Alpen und den Pyrenäen, bietet die Streckenführung.
Lüttich (Belgien) (SID) - (SID) - Die ganz großen Berge sind rar bei der zeitfahrlastigen 99. Tour de France: Nur vier Anstiege der höchsten Kategorie, je zwei in den Alpen und den Pyrenäen, bietet die Streckenführung - im Vorjahr waren es noch neun. Der Kreis der Anwärter auf der rotgepunktete Bergtrikot dürfte 2012 demnach größer sein als zuletzt. Seit 2011 gibt es die doppelte Punktzahl nur noch bei den Bergankünften, ein Vorteil für die Kletterer unter den Klassementfahrer, ein Nachteil für Ausreißer. Favorit auf das "maillot à pois rouges" ist Vorjahressieger Samuel Sanchez. - Die Favoriten für das Bergtrikot im Überblick:
Samuel Sanchez (Spanien/Euskaltel): Großartiger Bergfahrer mit Nachteilen im Zeitfahren. Die Tour 2012 bietet daher kein ideales Streckenprofil für den Olympiasieger - angesichts von über 100 Kilometern im Kampf gegen die Uhr hat der Asturier keine realistische Chance auf den Gesamtsieg. Kann sich damit auf den erneuten Gewinn des gepunkteten Trikots konzentrieren.
Cadel Evans (Australien/BMC): Der Tour-Sieger von 2011 ist eigentlich kein absoluter Kletterspezialist, dazu fehlt ihm die Explosivität am Berg. Will er aber in Gelb fahren, muss er vorne über die Berge - und sammelt Punkte.
Pierre Rolland (Frankreich/Europcar): Platz elf, Etappensieg im Radsport-Mekka von L'Alpe d'Huez, bester Jungprofi - Rolland war eine der Entdeckungen der Tour 2011. Als Helfer des in Gelb fahrenden Kapitäns Thomas Voeckler zeigte Rolland unerwartete Stärke im Hochgebirge. Ausreißerkönig Voeckler wird das Feld kaum mehr ziehen lassen, dies könnte die Chance des Domestiken sein.
Bradley Wiggins (Großbritannien/Sky): Siehe Evans - für den Superzeitfahrer geht es vor allem um die Gesamtwertung. Ist er dort vorne, sollte er auch im Rennen um das Bergtrikot Chancen haben, gezielt auf das Jersey wird er aber sicher nicht fahren. Mit acht Kilogramm weniger Gewicht als noch 2011 mittlerweile auch im Hochgebirge ein Topmann.
Robert Gesink (Niederlande/Rabobank): Bergauf eine Klasse besser als bergab - um den 26 Jahre alten Niederländer muss man in den Abfahrten oft genug Angst haben, in Sachen Radbeherrschung zeigte er schon manche Schwäche. Kann er Stürze vermeiden, ist Gesink sowohl in der Gesamtwertung als auch für den Bergpreis ein Kandidat.
David Moncoutié (Frankreich/Cofidis): Nicht stark genug für einen vorderen Platz im Gesamtklassement, so dass ihn das Feld im Gebirge auch mal ziehen lässt. Gewann zuletzt viermal in Folge die Bergwertung bei der Vuelta, bei der Tour aber bisher nicht dazu imstande. Mit 37 Jahren hat er vielleicht die letzte Chance, Bergkönig der Tour zu werden.
Jelle Vanendert (Belgien/Lotto): Als Nobody rückte er im Vorjahr nach dem Verletzungsaus von Kapitän Jürgen Van den Broeck ins Rampenlicht, übernahm das Bergtrikot mit dem Etappensieg auf dem Plateau de Beille und trug es fünf Tage lang - bis zur viertletzten Etappe. Ob Vanendert eigene Interessen verfolgen kann, hängt vor allem von Van den Broecks Abschneiden ab.
