Säbel-Gold schönt deutsche Fecht-Bilanz

Die 28. Fecht-EM ist vorbei. Die Deutschen reisen mit je einmal Gold, Silber und Bronze aus Montreux ab. So recht zufrieden stellt das keinen. Die Deutsche Presse-Agentur beleuchtet Plus/Minus und weitere Details.

Montreux..  Was war gut, was war schlecht?

Premieren-Gold bei einer EM für die Säbel-Weltmeister - das war top. Auch Einzel-Silber für Max Hartung belegt: Die deutschen Säbel-Asse sind Weltklasse. Es gab indes auch Enttäuschungen wie Rang 23 von Florett-Star Peter Joppich oder Platz 19 für Degen-Olympiasiegerin Britta Heidemann.

Muss man sich Zukunftssorgen um das deutsche Fechten machen?

"Nicht mehr und nicht weniger als in den vergangenen zehn Jahren", meint Sportdirektor Sven Ressel. Beim Nachwuchs gebe es "einen erkennbaren Aufschwung". Die teilweise erfreulichen EM-Ergebnisse der Jüngeren untermauern diese These - aber nicht restlos.

Wegen der harten Qualifikationskriterien könnte es in Rio eines der kleinsten deutschen Olympia-Fechtteams überhaupt geben. Wie ist der Stand der Dinge?

Ressel wehrt ab. Das Ganze sei zum jetzigen Zeitpunkt "überhaupt noch nicht absehbar. Wir werden alles dafür tun, dass wir mit einem schlagkräftigen und nicht zu kleinen Team dabei sind." Im Herrenflorett, im Herrensäbel und sogar im Herrendegen sei man "auf einem guten Weg". Allerdings gibt es ausgerechnet mit dem Säbel als derzeit bester deutscher Waffe - die Herren sind Welt- und Europameister - keinen olympischen Team-Wettbewerb.

Wie sind die Prämissen für die WM Mitte Juli in Moskau? Wo sind die Schwachpunkte, wo gibt es Medaillenchancen?

Damensäbel ist seit langem die deutsche Waffe, mit der es am meisten hapert. Immerhin gab es in Montreux mit EM-Platz sechs einen kleinen Schritt nach vorn. Im Damenflorett dominieren Italien und Russland zu sehr, als dass an positive Überraschungen gedacht werden könnte. "In allen anderen Disziplinen haben wir das Potenzial, um Finalplatzierungen und Medaillen zu erkämpfen", glaubt Ressel. Ziel: zwei Medaillen und viele Punkte für die Olympia-Qualifikation.

Nach Rio droht eine Zäsur, wenn Protagonisten wie Heidemann, der zweimalige Europameister Jörg Fiedler und der viermalige Einzel-Weltmeister Joppich aufhören. Was kommt danach?

Ressel: "Sicherlich ein kleiner bis mittlerer Schnitt. Wir haben schon einige Zeit jüngere Fechter im Blick, die wir behutsam aufbauen und konkurrenzfähig machen, um dann 2020 wieder gut dabei zu sein." Wegen der WM 2017, die nach Leipzig vergeben wurde, hofft Ressel darauf, dass die langjährigen nationalen Stars "eventuell noch ein Jahr dranhängen". Er hätte aber auch nichts dagegen, "wenn wir uns mit neuen Athleten präsentieren, um frühzeitig den Prozess der Erneuerung zu starten".