Ruder-Bundestrainer Holtmeyer fordert bessere Förderung

Was wir bereits wissen
Der Deutschlandachter will am Wochenende Ruder-Europameister werden. Für Bundestrainer Holtmeyer muss sich künftig auf dem Weg zu Titeln etwas ändern.

Dortmund.. So wie es Maximilian Munski bald macht, hat es Ralf Holtmeyer am liebsten. Der 28 Jahre alte Ruderer zieht aus Hamburg ins Ruhrgebiet, lässt das Studium der Erziehungswissenschaften in der Hansestadt ruhen. Der Bundestrainer und Chef des Deutschlandachters darf so egoistisch sein und freut sich, wenn seine Athleten den sportlichen Erfolg vor alles andere stellen, im Training auf dem Dortmund-Ems-Kanal sich ganz auf die Titelverteidigung bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio konzentrieren. „So können wir intensiver trainieren als nur am Wochenende“, sagt Holtmeyer, „als Entscheidungsgrundlage für die Nominierung ist das auch besser.“

Rudern Deutschlands beste Ruderer sind aus dem ganzen Land zusammengezogen und im Leistungszentrum im Dortmunder Norden beheimatet. Hier will Holtmeyer den Grundstein gelegt haben, um an diesem Wochenende bei der Europameisterschaft in Posen wieder Großbritannien zu besiegen. Nachdem der Deutschlandachter 2012 auf dem Londoner Dorney Lake zum vierten Mal Olympia-Gold gewonnen hatte, revanchierte sich das britische Boot bei den letzten Weltmeisterschaften. Holtmeyer will mit seinem Paradeboot Anfang September bei der WM in Frankreich die Nummer eins der Welt werden: „Wir sind gut. Die Briten sind jedoch sehr stark, denn die machen noch mehr. Da zählt der Sport ja auch mehr.“

Rudern erlebe wenig Akzeptanz in der Gesellschaft

Dem Bundestrainer reicht die Sportunterstützung hierzulande nicht aus. „Für so ein großes Land wie Deutschland denke ich immer, es wäre mehr drin“, kritisiert der 59-Jährige. Bereits nach Olympia in London hatte Hockey-Trainer Markus Weise ein Milliardenprogramm der Bundesregierung gefordert, um die Erfolge der deutschen Athleten in der Zukunft zu sichern. „Ich kenne ein, zwei Statements von ihm“, sagt Holtmeyer, „da sind wir sehr deckungsgleich. Wir Deutschen lieben den Erfolg – aber nicht so sehr den Weg dorthin.“

Rudern Holtmeyer bemängelt vor allem die Akzeptanz in der Gesellschaft: „Die olympische Sportart Rudern ist in England zentraler Gegenstand des Bildungssystems. Seit Trimming 130 hat sich im Deutschen Sportbund ideell nicht viel getan – und das war eine Sache aus den 80er Jahren.“ Der Sportunterricht in der Schule fiele zu häufig aus, Integration und Persönlichkeitsentwicklung kämen so zu kurz. Für Leistungssportler sei später die Studienordnung oft ein Hindernis, wenn Klausuren nicht verlegt würden. Daher verwundere es kaum, dass sich Schwimm-Weltmeister Markus Deibler im Alter von nur 24 Jahren auf seinen Beruf konzentriert und die Karriere beendet hat: „Zeit ist das wichtigste Gut. Wenn sie im Studium sind und noch eine Freundin haben, sagt die vielleicht auch: Ach, du machst das jetzt schon jahrelang, kannst du nicht mal da absagen?“

Jungs aus dem Achter haben zumindest genug Geld für die Miete

Um seine Familie zu sehen, muss Malte Jakschik nur eben von Dortmund nach Castrop-Rauxel fahren. Der 21 Jahre alte Lokalmatador ist jüngstes Mitglied im Achter und weiß schon jetzt: „Die Briten haben ein anderes System, das wird mehr als Profisport ausgelegt.“ Dank der Sporthilfe „kann ich trotzdem auf gute Ernährung achten und muss mir keine Sorgen machen, wie ich die nächste Miete bezahle.“ Zwischen den Trainingseinheiten auf dem Kanal (7.30 und 15 Uhr) fährt der Maschinenbaustudent zur Uni nach Bochum. „In den letzten Semestern habe ich noch einige Kurse belegt“, sagt Jakschik, „im Jahr vor Olympia wird das deutlich weniger.“ Für Olympia-Gold nähme er das in Kauf – mit 22 Jahren wäre es dann sicher auch noch etwas zu früh, um nur noch ans Berufliche zu denken.