Ringer Ewald holt Silber: "Mein Glück ist aufgebraucht"

Eigentlich hielt sich Marcel Ewald hinter den Kulissen nur noch für die mögliche Hoffnungsrunde und eine vage Aussicht auf Bronze warm. Doch plötzlich hatte der Freistil-Ringer bei den Europaspielen wieder die Chance auf den "größten Erfolg" seiner Karriere.

Baku.. Weil sich zwei Gegner prügelten und anschließend disqualifiziert wurden, fand sich der 31-Jährige trotz einer Niederlage im Halbfinale wieder - und sicherte mit Silber das bislang beste Ergebnis für die deutschen Mattenkämpfer in Baku.

"Unverhofft kommt selten oft", sagte Ewald schmunzelnd mit einem gesunden Maß an Selbsteinschätzung und hielt die schwere Medaille in der rechten Hand. "Lottospielen darf ich nicht mehr, mein Glück ist aufgebraucht."

Vor mehr als 6000 Fans in der Ringerhochburg musste sich der Karlsruher zwar im Finale in der Gewichtsklasse bis 57 Kilogramm dem zweimaligen Weltmeister Wiktor Lebedew aus Russland geschlagen geben. Die Begeisterung über den Ort seines Erfolgs konnte dies aber nicht schmälern. "Wegen mir könnten hier in Baku immer wieder Turniere stattfinden", schwärmte Ewald. Vor neun Jahren betrat er dort bei den Militärweltmeisterschaften internationales Parkett, 2010 gelang ihm in der Heydar-Aliyev-Arena EM-Platz drei.

"Das ist der Lohn jahrelanger harter Arbeit nach vielen Rückschlägen", sagte ein aufgekratzter Jannis Zamanduridis, Sportdirektor im Deutschen Ringer-Bund, auf der Tribüne. Ewald habe "nun das Glück des Tüchtigen, welches er konsequent genutzt hat." Mehrfach wurde das Kraftpaket in seiner Karriere von schweren Verletzungen gestoppt, zweimal verpasste er Olympia.

Nun geht der Fokus für ihn auf die Sommerspiele 2016 in Rio de Janeiro mit der ersten Qualifikations-Möglichkeit bei der WM in Las Vegas im Herbst. "Meine Frau unterstützt mich mit Voll-Motiviation Richtung Rio", erklärte Ewald. Beide erwarten im November das zweite Kind. "Meine Frau kommt zufällig auch noch aus Rio."

Und auch ein anderes Familienmitglied lag ihm am Herzen - sein Zwillingsbruder und Trainingspartner Christoph, der in der Heimat zuschaute. "Wir haben im Bauch schon miteinander gerungen, wer zuerst auf die Welt kommt. Ich habe um eine Minute gewonnen", scherzte er über die frühere Nummer zwei Deutschlands. "Mein Erfolg ist sein Leid, er steht immer in meinem Schatten."