Riesch triumphiert im Gesamtweltcup
20.03.2011 | 21:43 Uhr 2011-03-20T21:43:00+0100Lenzerheide Kugel gewonnen, Freundin verloren: Maria Riesch triumphiert erstmals im Gesamtweltcup. Ihre Vertraute Lindsey Vonn zeigt sich als schlechte Verliererin. „Es enttäuscht mich“, sagte Riesch zu Vonns Verhalten.
. Am Ende reichte die Energie nicht mehr für die große Party. Maria Riesch ließ einen der emotionalsten Tage ihrer Karriere lieber im Familienkreis ausklingen. Sie hatte am Samstag zwar nichts mehr dazu tun müssen, um zum ersten Mal die große Kristallkugel zu gewinnen, aber es gab dafür reichliche Termine als beste Skirennläuferin.
Drei Punkte Vorsprung
Um halb acht Uhr früh hatte Maria Riesch von der Absage des Riesenslaloms beim Finale in Lenzerheide erfahren und stand wegen ihres Drei-Punkte-Vorsprungs gegenüber Lindsey Vonn, den sie am Freitag im Slalom herausgefahren hatte, als dritte deutsche Gesamtweltcup-Siegerin nach Rosi Mittermaier (1976) und Katja Seizinger (1996, 1998) fest. Danach fand sie gerade noch Zeit, um mit Viktoria Rebensburg, die die Riesenslalom-Wertung gewann, ein Gläschen Sekt zu trinken, ehe der Trubel richtig los ging. „Der Gesamtweltcup ist das große Überragende für mich“, sagt Maria Riesch. Ihn endlich gewonnen zu haben, „ist eine Befreiung.“
Die 26-Jährige aus Garmisch-Partenkirchen hat in den vergangenen drei Jahren WM-Titel, zweimal Olympia-Gold und vier kleine Kristallkugeln für den Sieg in einer Disziplinwertung geholt – und nun die große Kugel und damit „den letzten Diamanten in die Krone gesetzt“, wie Sportdirektor Wolfgang Maier findet.
Am Samstagmorgen spazierte Riesch von einer Kamera zur nächsten, von einem Mikro zum anderen. Dazwischen musste sie viele Hände schütteln und Gratulationen entgegen nehmen von Konkurrentinnen. Nur eine war nicht dabei: Die geschlagene Lindsey Vonn. Die Amerikanerin ließ sich erst zur Ehrung der drei Erstplatzierten im Gesamt-Weltcup blicken.
Dabei begegneten sich die beiden Konkurrentinnen zum ersten Mal, aber nur Maria Riesch wahrte die Form, als sie Vonn umarmte; die aber blieb stumm. In einer Mitteilung des US-Skiverbandes ließ sie wissen: „Ich fühle mich am Boden zerstört.“ Sie kritisierte obendrein die Verantwortlichen des Internationalen Skiverbands, den Riesenslalom abgesagt und ihr damit die Chance geraubt zu haben, Maria Riesch noch abzufangen.
Vonns Verhalten trübte ein wenig die Freude
Das Verhalten der Rivalin, mit der sie seit vielen Jahren gut befreundet ist, trübte ein wenig die Freude. „Es enttäuscht mich natürlich schon, denn ich hatte die letzten drei Jahre oft das Nachsehen und habe immer sportlich fair gratuliert.“ Das knappe Ergebnis, die Absage des Rennens, das habe doch, findet Maria Riesch, „mit der persönlichen Ebene nichts zu tun. Jeder will gewinnen, aber muss man halt auch die Leistung von jemand anders respektieren können.“
Später beim Empfang des gemeinsamen Ausrüsters hatte es noch einmal eine Gelegenheit gegeben, das Versäumte nachzuholen und damit auch die Freundschaft zu retten. Aber da stellte sich Vonn bewusst in eine andere Ecke, größer hätte die Kluft kaum sein können. Danach gingen die beiden auseinander, ohne ein Wort geredet zu haben. Riesch sieht „keine Möglichkeit mehr, sich da groß auszusprechen“ und befürchtet, dass Vonn nun nicht zu ihrer Hochzeit Mitte April kommt.
Seit Jahren ist Lindsey Vonn zu Weihnachten Gast der Familie Riesch, noch vor zwei Jahren verbrachten die beiden Sportlerinnen gemeinsam einen Urlaub in Mexiko, aber diese Saison war das Verhältnis nicht mehr so ungetrübt. „Für Lindsey zählt halt nur der Sieg und sonst nichts“, sagt Maria Riesch. „Das finde ich ein bisschen schade.“

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