Reise mit Frühbucher-Rabatt

Mönchengladbach..  Wer von Lucien Favre vollmundige Ankündigungen erwartet, wird vermutlich solange enttäuscht bleiben, wie der Schweizer seinen Beruf als Fußballtrainer ausübt. Der 57-Jährige ist mit seiner bescheidenen Art bei Borussia Mönchengladbach bisher gut gefahren. Als am Samstag das 3:1 über die Dortmunder Borussia in trockenen Tüchern und von der Schalker Nullnummer gegen Freiburg zu hören war, da war es für Favre selbstverständlich, dem Übermut und hohen Erwartungen entgegen zu treten. „Wir kennen die Tabelle”, sagte der Schweizer und zog dabei die Augenbrauen hoch.

Sechs Spieltage vor dem Saisonende ist den Fohlen angesichts zwölf Punkten Vorsprung auf den Fünften Schalke die Teilnahme an der Champions League kaum noch zu nehmen. Und wenn doch, „dann höre ich auf mit Fußball”, meinte Granit Xhaka. Auch der überragende Patrick Herrmann glaubt fest an die Teilnahme in der Königsklasse - ob nun als Dritter im Direktverfahren oder über den Umweg in der Qualifikation, entscheidet sich vermutlich am 9. Mai im Heimspiel gegen die derzeit zwei Punkte schlechteren Leverkusener.

Sich per Frühbucherrabatt einen Platz im europäischen Fußballadel zu sichern, macht es den Entscheidern vom Niederrhein zudem leichter, sich personell auf die neue Saison vorzubereiten. „Die Konkurrenten scheinen sich etwas schwerer zu tun”, meinte Sportdirektor Max Eberl mit einem breiten Grinsen.

Ein zentraler Bestandteil dieser Planungen ist Patrick Herrmann. „Wir sind sehr früh in Führung und machen dann ein Super-Tor. Fantastisch, das war ein Topkonter”, schwärmte Favre von Herrmanns Solo vor dem 2:0. Ob der BVB denn nicht mit einer Verpflichtung des 24-Jährigen dessen Vertragsunterschrift in Gladbach bis 2019 habe verhindern wollen, wurde Dortmunds Trainer Jürgen Klopp hernach gefragt. Das schnöde „Nö” klang ein bisschen so, als wolle er sich nicht eingestehen, derzeit die unattraktivere Borussia zu sein. Denn selbst wenn der Gegner mehr Ballbesitz
hatte, weil die Gladbacher tief verteidigten, sind die einst aus Dortmund bekannten Konter das Rezept, das die Fohlen zu einem der unterhaltsamsten Teams der Liga macht.