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Quak-Quak-Quakenbrück

20.06.2007 | 08:40 Uhr

Ein Dorf aus dem Osnabrücker Nordkreis stellt den Basketballsport in Deutschland auf den Kopf. Die verspotteten Kleinen haben auf dem Weg ins Finale Berlin und Köln ausgeschaltet. Jetzt wollen sie auch den Titel

Quakenbrück. Wallenhorst, Bramsche Alfhausen, Badbergen. Stationen entlang der B68 von Osnabrück Richtung Norden. Es klingt provinziell. Ist es auch. Das Ziel heißt Quakenbrück, die von Bauernhöfen gesäumte Heimat von knapp 13 000 Seelen und einem Dutzend Profi-Basketballern: den Artland Dragons.

Als der TSV Quakenbrück in der Saison 2002/03 mit 30 Siegen aus 30 Spielen den Aufstieg in die Basketball-Bundesliga feierte, sprachen sich Vertreter anderer Klubs intern gegen die Aufnahme des Neulings in die höchste nationale Klasse aus. Denn mit Standorten, die nach Kleinkleckersdorf klingen, würde der Stellenwert des Basketballs in Deutschland sinken. Doch die kleinste Bundesliga-Stadt der Republik ist durch die Erfolge der Dragons zu einem medialen Großereignis mutiert.

Dass die Artländer in dieser Saison das Pokalfinale erreichten, war nur der erste Paukenschlag. Als Tabellenachter der regulären Saison haben sie sich nun sogar bis ins Best-of-Five-Finale gegen den Favoriten aus Bamberg vorgekämpft. Finanzprotz Alba Berlin haben sie im Viertelfinale mit einem Sweep (3:0 Siege) eleminiert, danach musste der amtierende Meister aus Köln dran glauben. Und auch im ersten Endspiel setzten die Dragons beim 70:69 in Bamberg ihre märchenhafte Erfolgsgeschichte weiter fort.

Bevor am heutigen Donnerstag (19.30 Uhr/Premiere) das zweite Duell um die Krone steigt, kommt aber erst einmal Reinhard Scholz, Bürgermeister der Samtgemeinde Artland, mächtig ins Schwitzen. Denn für den Fall des Finaleinzugs hatte er den Korbjägern einen Saison-Abschluss-Empfang auf dem Rathausbalkon versprochen. Und weil das aufgrund von Platznot ein unschönes Gedränge geben würde, legt Scholz nun selbst Hand an und zimmert einen Zusatzbalkon.

Als Entenhausen des deutschen Basketballs wurde Quakenbrück verspottet, doch gerade aus diesem Umfeld schöpft die Mannschaft einen Teil ihre Stärke. Hier sorgt die familiäre Atmosphäre dafür, dass sich auch die ausländischen Spieler mit ihrem Klub, dem Dorf und den Einwohnern identifizieren. "Wir lieben die Arroganz unserer Konkurrenten. Die Kölner dachten, sie müssen uns schlagen, weil sie aus Köln kommen und wir nur aus Quak-Quak-Quakenbrück", erklärte Jan Rohdewald, einer von zwei Deutschen im Team der Dragons, nach dem Finaleinzug.

Trainer Chris Fleming hat diesen Vorteil als einer der Ersten erkannt. Von 1994 bis 2000 trug der Amerikaner selbst das Trikot des TSV, anschließend wechselte er auf den Trainerstuhl. "Klar, hier kennt jeder jeden und bekommt alles mit. Ich sage gern: Hier kann niemand weglaufen", unterstreicht der 37-Jährige. Er muss es wissen, denn als der Spieler Fleming in Quakenbrück anheuerte, war der Klub gerade in die 2. Regionalliga aufgestiegen.

Der Trainer wohnt direkt über der Geschäftsstelle des Vereins, eine Etage über ihm hat Manager Marko Beens sein Heim eingerichtet. Und da die Spieler meist im gegenüberliegenden Cafe? Cassellius anzutreffen sind, wirkt es fast, als lebten die Artland Dragons in einer überdimensionalen Wohngemeinschaft.

Diese kaum für möglich gehaltene Sozialromantik ist für die Quakenbrücker der Schlüssel zum Erfolg. Denn trotz der finanziellen Unterstützung durch einen lokalen Unternehmer, der früher selbst Junioren-National- und Bundesliga-Spieler war, sind sie aus wirtschaftlicher Sicht ein klarer Außenseiter.

Das aber wird die Spieler nicht stören, wenn sie heute Abend gegen Bamberg einen weiteren Schritt auf dem Weg zur Sensations-Meisterschaft gehen wollen. Mit 3000 Zuschauern ist die Artland Arena natürlich ausverkauft. So wie bei jedem der bisher 68 Heimspiele seit der Eröffnung.

"Wir lieben die Arroganz unserer Konkurrenten"

Von Christian Schwarz

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