Probleme

Arrigo Sacchi gehört ganz sicher zu den einflussreichsten Trainern des 20. Jahrhunderts. Noch heute prägen seine Ideen und Vorstellungen von Fußball und moderner Taktik die Arbeit vieler Trainer in Italien und ganz Europa.

Während sich der Sport seit seiner großen Zeit, in der er Ende der 80er und Anfang der 90er den AC Mailand zum besten Team der Welt machte, erheblich weiterentwickelt hat, kann gleiches von der geistigen Leistungsfähigkeit Sacchis leider nicht behauptet werden. Jedenfalls sorgte der 68-Jährige, der inzwischen Nachwuchskoordinator des italienischen Verbandes ist, jetzt für große Empörung, als er die Probleme des italienischen Fußballs im wesentlichen auf zwei Punkte reduzierte. Auf zu viele Spieler ausländischer Herkunft und zu viele Schwarze in den italienischen Jugend-Nationalteams.

Natürlich wollte er später alles nicht so gemeint haben. Wirklich glaubhaft klangen seine Ausflüchte allerdings nicht. Eher nach: „Ich habe ja nichts gegen Ausländer, ABER ...“. Schließlich habe er nur auf den angeblichen Verlust von „Stolz und nationaler Identität“ hinweisen wollen.

Es ist gar nicht so lange her, da hörte man solche Parolen auch hierzulande immer wieder, wenn es um die Nationalelf ging - bis diese im Sommer des vergangenen Jahres von Jungs wie Jérôme Boateng, Mesut Özil und Sami Khedira ganz plötzlich zum Verstummen gebracht wurden.

Es bleibt zu hoffen, dass ähnliches auch Mario Balottelli und Co. gelingt. Denn das dringlichste Problem des italienischen Fußballs scheint nicht das von Arrigo Sacchi diagnostizierte zu sein, sondern vor allem: Unfähige, engstirnige, korrupte und scheinbar auch ziemlich dumme Funktionäre.