Populismus

Irgendwann war ihre Geduld am Ende. Plötzlich pfiffen die Fans ihre Mannschaft lautstark aus, plötzlich traf der Zorn der treuesten Anhänger den Trainer und die Fußballer, die vor der Tribüne standen, um sich geduldig beschimpfen zu lassen.

Der 19. Spieltag der aktuellen Saison in der Fußball-Bundesliga war gespielt - und Borussia Dortmund nach einem 0:1 gegen den FC Augsburg weiterhin Schlusslicht der Tabelle.

Als die Profis des FC Schalke 04 am vergangenen Samstagnachmittag von ihren Fans zurück auf den Rasen der Veltins-Arena gepöbelt wurden, hatte sich der Klub gerade erneut für die Europa League qualifiziert. Mit viel Dusel zwar und spielerischer Erbärmlichkeit, aber die Königsblauen hätten das bejubeln können, was der Reviernachbar erst noch erreichen muss: Die wiederholte Teilnahme an einem internationalen Wettbewerb.

Stattdessen gab es nach Stimmungs-Boykott, nach Wut-Plakaten und Alle-raus-Gesängen eine Blockade des Haupteinganges der Arena - und damit eine neue Dimension des Protestes.

Eine, die in dieser Schärfe kaum nachzuvollziehen ist. Eine, die Fragen aufwirft.

Zum Beispiel diese: Geht es den Ultras, den Initiatoren solcher Aktionen, wirklich nur darum, endlich einmal wieder erfolgreichen UND Spaß bringenden Fußball zu sehen? Oder um eine Demonstration ihrer Macht?

Diese Saison war an den Ansprüchen und dem finanziellen Einsatz gemessen nicht erfolgreich. Der Wechsel auf der Trainerposition von Jens Keller zu Roberto Di Matteo war Quatsch. Zumal der Italiener vom Verhalten und Auftreten her nicht zum selbst ernannten Kumpel- und Malocherklub passt. Und Clemens Tönnies greift als Aufsichtsrats-Boss ständig in das operative Geschäft ein, was seine Kollegen in diesem Gremium mal beanstanden sollten, wollen sie nicht nur als Marionetten gelten.

Konsequenzen sind nötig, aber deshalb den Rauswurf der Mannschaft, der sportlichen Leitung und Tönnies zu fordern? Das ist zum einen purer Populismus und zum anderen sportlicher Selbstmord.

Schalke ist Schalke. Der Klub lebt im Sieg oder in der Niederlage emotionaler. Das macht ihn aus. Aber ein wenig über den Tellerrand zu schauen, schadet auch den tausend Freunden, die derzeit weit auseinander stehen, nicht.