Planinsolvenz soll Phoenix retten

Hagen..  An Abstiegskampf ist Phoenix Hagen in der Basketball-Bundesliga gewohnt. Im achten Jahr in der Eliteklasse ist er beendet, bevor er richtig begonnen hat, der Weg in die 2. Bundesliga ProA ist unvermeidlich. Die finanzielle Situation des Erstligisten hat sich auch angesichts des sportlichen Fehlstarts und stark zurückgehender Zuschauerzahlen so verschärft, dass Phoenix beim Amtsgericht Antrag auf Planinsolvenz stellen wird.

„Unsere Zielsetzung ist, die Saison zu Ende zu spielen“, erklärte der neue Geschäftsführer Patrick Seidel, „ohne Insolvenz in Eigenverwaltung werden wir das nicht hinkriegen.“ Der Schritt sei mit der Liga abgesprochen und wird nach den Ligastatuten mit dem Abzug von vier Punkten sanktioniert. Mit dann minus vier Zählern – nach bisher fünf sieglosen Spielen steht man aktuell bei 0:10 Punkten – und notwendigen Einsparungen im Kader ist ein Verbleib im Oberhaus unrealistisch. Ohne diesen Schritt, das machten die Phoenix-Verantwortlichen aber deutlich, würde in der zweiten Saisonhälfte ein Lizenzentzug drohen.

Dass der Bundesligist angesichts hoher Altschulden der alten Phoenix GmbH ein Sanierungsfall ist, daraus hatten die Verantwortlichen nie einen Hehl gemacht. Punktabzug und Geldstrafe der Liga im Frühjahr hatte Phoenix dennoch überstanden und eine Lizenz unter strengen Auflagen und mit der Vorgabe größtmöglicher Transparenz gegenüber der BBL für die neue Saison erhalten. In diese starteten die Hagener allerdings nicht nur mit fünf sportlichen Niederlagen, sondern nach deutlicher Erhöhung der Ticketpreise, die heute übrigens als Fehler bewertet wird, auch mit erheblichem Zuschauerrückgang. Nur gut 2500 Besucher im Schnitt – gut 600 weniger als in den vergangenen Spielzeiten – kamen zu den bisherigen drei Phoenix-Heimspielen in die Arena am Ischeland, das bedeutete eine Mindereinnahme von bisher etwa 50 000 Euro.

Erinnerungen an Brandt Hagen

„Und die rückläufigen Sponsoren-Einnahmen geben uns den Rest“, sagt Seidel, der Anfang September als Nachfolger des erkrankten Peter Brochhagen das Geschäftsführer-Amt übernommen hat. Dieser Rückgang sei, so räumt man im Aufsichtsrat um den Vorsitzenden Sven Eklöh ein, das Ergebnis „völlig unbefriedigender Sponsorenbetreuung im Sommer“.

Nach Brandt Hagen Ende 2003 muss damit zum zweiten Mal ein Hagener Erstligist Insolvenz beantragen. Im Gegensatz zum Bundesliga-Aus vor knapp 13 Jahren soll diesmal aber weiter Spitzen-Basketball geboten werden. Mit der angestrebten Insolvenz in Eigenverwaltung behalte man das Heft des Handelns in der Hand. In Absprache mit der Liga will man die noch ausstehenden 29 Saisonpartien spielen, muss aber gleichzeitig radikal die Kosten – etwa im Spielerkader – senken und kurzfristig Personalmaßnahmen ergreifen.

Vorbild ist Gießen

„Wir müssen natürlich eine Mannschaft zusammenhalten, die noch Zuschauer in die Halle lockt“, sagt Seidel. „Aber die Planungen sind ganz klar auf die ProA ausgerichtet. Wer sagt, wir bleiben in der Liga, macht sich etwas vor.“ Vorbild des Phoenix-Wegs sind die Gießen 46ers, die 2012/13 Insolvenz beantragten, einige Leistungsträger abgeben mussten und nach Punktabzug und ohne weiteren Sieg abstiegen. Eine Insolvenz konnte der Klub in der ProA abwenden und stieg 2015 wieder auf.