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Dart

Phil Taylor - als Dart-Weltmeister vom Arbeiterkind zum Millionär

02.01.2013 | 22:00 Uhr
Der König des Dart: Phil Taylor, genannt „The Power“.Foto: AP

London/Essen.   Am Thema Dart scheiden sich die Geister. Die einen halten es für einen reinen Kneipensport, andere sind fasziniert vom Kampf Mann gegen Mann mit einfachen Mitteln. Phil Taylor gewinnt zum 16. Mal die Dart-WM. Ein Plädoyer für einen sehr speziellen Sport.

Ist es wirklich Sport, wenn ältere Herren in weiten Hemden, welche die vorhandene Leibesfülle nur unzureichend kaschieren, Pfeile auf eine Scheibe werfen? Ist es tatsächlich spannend, Stunde um Stunde zuzusehen, wie aus 2,37 Metern Entfernung drei Pfeile auf ein Brett von 34 Zentimetern Durchmesser geworfen werden? Ist das ein ernsthafter Wettbewerb, wenn im Publikum ebenso reichhaltig kostümierte wie alkoholisierte Menschen unentwegt Gesänge anstimmen und bei einer perfekten Dreierserie wie entrückt Papptafeln mit „180“ schwenken?

Dart-WM im „Ally Pally“

Es ist, nun ja, speziell. Es ist Dart. Noch genauer: Das ist die Dart-WM im „Ally Pally“, dem Alexandra Palace in London. Und wer am Neujahrsabend, um kurz vor Mitternacht, vor dem Fernsehschirm dabei war, wie Phil Taylor, der 52-jährige König des Sports, in einem dramatischen Finale mit 7:4 gegen den erst 23-jährigen Niederländer Michael van Gerwen seinen 16. WM-Titel errang, der wird sagen dürfen: Das war großes Kino. Denn Dart ist zudem auch ein perfekter TV-Sport.

Es ist ein Kampf Mann gegen Mann, mit vermeintlich profanen Mitteln , die jeder mal in einer verräucherten Kaschemme oder auf der Kirmes selbst in der Hand gehabt hat; mit Protagonisten, die vieles sind – nur keine Wahnsinnsathleten mit modellierten Körpern, nicht klinisch rein, sondern in der Regel eher mittelmäßig adrette Typen, gern auch stiernackig, tätowiert, verschroben. Typen, die jedes Kneipen-Klischee erfüllen, die selbst auf den zweiten Blick eher nicht in die Kategorie „bester Kumpel“ fallen, aber doch einen speziellen Reiz entfalten können in ihrer vermeintlichen Stumpfheit.

Vom Arbeiterkind zum Millionär

Dabei ist Dart auf diesem Niveau selbstredend eine Hochleistungssache (nicht erst seit auch der DOSB den deutschen Dartsverband offiziell als Mitglied aufgenommen hat). Und der Meister dieser Übung ist ein kleiner Engländer aus Stoke-on-Trent, der nur „The Power“ genannt wird, ein Mann mit auf allen Ebenen bescheidenem Hintergrund: Phil Taylor, Working-class-Akzent, der seine Lebensleistung einst selbst so beschrieb: „Ich hatte noch das Glück, meine kleine Nische im Leben zu finden.“ In der Nische wurde er zum Millionär, nun wird er gar zum „Mozart des Pfeilewerfens“ (Stuttgarter Zeitung) genannt.

Darts
Rekordchampion Taylor zum 16. Mal Darts-Weltmeister

Phil Taylor hat bei der Darts-WM in London seinen 16. Titel gewonnen. Taylor erhielt für den Sieg 200.000 britische Pfund (245.000 Euro) Preisgeld. Der 52-Jährige besiegte seinen 29 Jahre jüngeren Finalgegner Michael van Gerwen mit 7:4.

Für das große, ganze Leben schien Phil Taylor nicht geschaffen. Er kommt aus einfachen Verhältnissen, bricht die Schule im Alter von 16 Jahren ab, arbeitet tagsüber in der Fabrik, schraubt an Autos, jobbt in der Kneipe. Und wirft Pfeile. Wieder und wieder. Taylor spürt sein Talent – und übt besessen.

Ikone seines Sports

Mitte der 80er Jahre wird er schließlich vom amtierenden Weltmeister Eric Bristow entdeckt und protegiert. Im Alter von 25 Jahren beginnt Taylors wahnwitziger Aufstieg vom weitgehend perspektivlosen Arbeiterkind zum Multimillionär. Zu einer Ikone seines Sports, der auf der Insel ungemein populär ist und so anerkannt, dass sich auch Mitglieder der Königsfamilie ungestraft bei einer WM blicken lassen können. Unvorstellbar in Deutschland, wo Darts ein Fall für Liebhaber bleibt, die stoisch ertragen, wahlweise als Raubauz oder Nerd abgestempelt zu werden. Dabei ist Dart vor allem: erstklassige Unterhaltung. Vielmehr kann man von Sport nicht erwarten.

European Darts Championship

Und so stand dieser 52-jährige Phil Taylor am Neujahrsabend zur Krönung auf dem Podest , küsste innig den Caller Bruce Spendley, reckte stolz die WM-Trophäe in die Höhe – und das Publikum sang entrückt den Song, der eigens für den Engländer zur Melodie des Klassikers „Winter Wonderland“ umgedichtet wurde: „There is only one Phil Taylor, one Phil Taylor, walking along, singing this song, walking in a Taylor wonderland.“

Es ist schon sehr speziell. Ein sehr spezielles Wunder.

Dirk Graalmann



Kommentare
04.01.2013
00:27
Phil Taylor - als Dart-Weltmeister vom Arbeiterkind zum Millionär
von In_Der_Westen_Nichts_Neues | #2

Poker und Billiard sind auch mehr oder minder "Gaststättenspiele", aber längst nicht so spannend und emotional wie Darts!
Das Finale war grandios! Absolute Weltklasse! Werde mir die European Championship hier in Mülheim auch ansehen. Auf einem Schild stand "Lets have darts in Olympia!" und genau so müsste es sein. Ein grandioser Sport. Fantastische Stimmung und ein spannendes Spiel. Das Finale war ein Spiel auf Augenhöhe. Meiner Meinung nach hätte es Michael van Gerwen eher verdient. Beides Weltklassespieler.

03.01.2013
13:52
Phil Taylor - als Dart-Weltmeister vom Arbeiterkind zum Millionär
von SpongeBob59 | #1

Natürlich ist Darts ein Sport, wieso auch nicht. Jeder, der mal versucht hat, die Pfeile in die Triple-20 zu werfen, der wird sehr schnell feststellen, dass das verdammt schwer ist. Aber was noch viel erstaunlicher ist, dass sich die Profis bei der Geräuschkulisse im Hintergrund so konzentrieren und ihr Niveau sehr hoch halten können. Und wie man sieht, kann man diesen Sport auch lange betreiben. Wenn Darts kein Sport sein soll, fallen mir aber einige Sportarten ein, die man dann auch nicht mehr als "Sport" bezeichnen dürfte.

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