Petkovic schimpft sich zum Sieg

Paris..  „Halt die Fresse!“ Mit einem ungewöhnlichen Weckruf an sich selbst hat Tennisspielerin Andrea Petkovic ein Zweitrunden-Aus bei den French Open gerade noch abwenden können. Die deutsche Nummer eins stand in Paris gegen die Spanierin Lourdes Dominguez Lino kurz vor einer Niederlage, ehe sie sich zu Beginn des zweiten Satzes selbst zur Räson rief. „Ich war die ganze Zeit nur am jammern. Dabei finde ich mich selbst unerträglich, wenn ich so bin“, gestand Petkovic nach ihrem schwer erkämpften 4:6, 6:4, 6:4-Sieg.

Kein bisschen Grund zu klagen hatte dagegen Julia Görges. Die Norddeutsche gewann gegen die dänische Weltranglisten-Fünfte Caroline Wozniacki überraschend mit 6:4, 7:6 (7:4) und zeigte dabei eine ganz starke Leistung.

Das Aus in der französischen Hauptstadt kam dagegen für Carina Witthöft. Die 20-Jährige verlor gegen Sara Errani aus Italien trotz couragierter Leistung mit 3:6, 6:4, 2:6. Auch Anna-Lena Friedsam schied in der zweiten Runde aus. Die Nummer 105 der Welt schnupperte gegen die Weltranglisten-Erste Serena Williams aber an einer Überraschung. Beim 7:5, 3:6, 3:6 verlangte die 21-Jährige der großen Turnierfavoritin alles ab. Insgesamt sind damit noch fünf deutsche Damen in der dritten Runde dabei.

Petkovic erlebte im Stade Roland Garros nach eigener Aussage „ein Wechselbad der Gefühle“. Die Darmstädterin hatte deutliche Probleme mit ihrem lädierten rechten Oberschenkel. Vor allem wenn es darum ging, einen der vielen Stopps ihrer Gegnerin zu erlaufen, tat sich die 27-Jährige sehr schwer. „Ich hatte richtig Angst vor diesen Sprints. Ich bin gelaufen wie ein Elefant.“

Zwischenzeitlich sah es sogar so aus, als wolle die Hessin die Partie vorzeitig beenden. Beim Stand von 4:6, 1:2 ließ sie sich lange von der Physiotherapeutin behandeln, anschließend spielte Petkovic mit einem dicken Verband am Oberschenkel. Doch es bedurfte der Selbstgeißelung, um zurück in die Partie zu finden. „Damit habe ich mich irgendwie von mir selbst befreit“, sagte Petkovic. Fortan agierte die Nummer zehn der Welt etwas ruhiger und schaffte den Satzausgleich. Im dritten Durchgang geriet sie zwar noch einmal ein Break in Rückstand, doch angetrieben von den vielen deutschen Fans machte sie das Weiterkommen nach 2:20 Stunden doch noch perfekt.

„Jetzt geht es erst einmal in die Eistonne“, sagte Petkovic danach erleichtert. „Mal sehen, wie sich mein Oberschenkel morgen anfühlt.“ An diesem Freitag kommt es in der dritten Runde zur Neuauflage des letztjährigen Viertelfinals gegen Sara Errani, das Petkovic vor einem Jahr klar für sich entscheiden konnte.

Görges stärker als Wozniacki

Görges hatte in ihrem Zweitrunden-Match mit Wozniacki auf dem Centre Court etwas weniger Mühe. Was vor allem an der starken eigenen Leistung lag. Von Beginn an diktierte die 26-Jährige mit aggressivem Spiel das Duell mit der dänischen Dauerläuferin. „Du bekommst gegen sie keinen Punkt geschenkt und musst alles selbst erzwingen“, nannte sie den Schlüssel zu ihrem Erfolg. Im achten Vergleich mit der ehemaligen Weltranglisten-Ersten war es der vierte Erfolg für Görges. Jetzt trifft sie auf Irina Falconi aus den USA. „Ich muss wieder auf mich schauen, dann gucken wir mal, ob ich es hier erstmals in Runde vier schaffe.“