Paderborn steigt mit Stolz ab

Essen..  Tränen bei den einen, Jubel der Erleichterung bei den anderen. In einem spannenden Finale hat sich der Abstiegskampf der Fußball-Bundesliga entschieden. Der SC Paderborn und der SC Freiburg müssen runter, der Hamburger SV ist in der Relegation, der VfB Stuttgart und Hannover 96 haben sich in letzter Minute gerettet.


SC Paderborn - VfB Stuttgart 1:2

Der SC Paderborn hat erhobenen Hauptes sein Bundesliga-Lehrjahr beendet. „Wir haben in Fußball-Deutschland einen absolut sympathischen Eindruck hinterlassen und Paderborn bestens vertreten“, bilanzierte SC-Präsident Wilfried Finke und lobte seine sich bis zum Saisonfinale tapfer gegen den Abstieg wehrenden Spieler: „Ich bin stolz auf Euch.“

Eine „Abstiegsparty“ mit Wehmut feierten unweit des Stadions nach der 1:2-Niederlage gegen den VfB Stuttgart Hunderte Fans. Sie stimmten sich bei Bier und Bratwurst trotzig auf künftige Ostwestfalen-Derbys gegen Arminia Bielefeld in der 2. Liga ein. „Das ist Wahnsinn. Da wird ein Absteiger gefeiert. Das hat man auch nicht alle Tage“, sagte Paderborn-Profi Mario Vrancic.

Für alle Protagonisten des „größten Außenseiters der Bundesliga-Geschichte“ war das Verhalten der Anhänger ein Trost und Mutmacher. Schweren Herzens zog Paderborn einen Schlussstrich unter das Abenteuer in der Eliteliga. „Man kann nur stolz sein. Was in dieser Mannschaft an Mentalität und Herz steckt, sucht in der Bundesliga seinesgleichen“, meinte Kapitän Uwe Hünemeier.

Der VfB Stuttgart dagegen stellte nach der Rückkehr in die Heimat kühl die Weichen für die Zukunft in Liga eins und trennte sich wie erwartet von Trainer Huub Stevens. Nachfolger wird – ebenfalls keine Überraschung mehr – Alexander Zorniger. Der frühere Coach des Zweitligisten RB Leipzig erhält einen Dreijahresvertrag bei den Schwaben. „Wir sind zu 100 Prozent davon überzeugt, dass er keinen große Anlauf braucht, um unser Konzept umzusetzen“, sagte Sportvorstand Robin Dutt. Seine Bestandsanalyse mit einigen weiteren Personalien verband Dutt auch mit einem Rundumschlag gegen die bisherigen Verantwortlichen auf allen Vereinsebenen.

„Wir haben zu viele Spieler im Kader, für die es keinen Markt gibt“, sagte Dutt und stellte mit einem deutlichen Seitenhieb gegen Amtsvorgänger Fredi Bobic klar: „Es wird beim VfB Stuttgart bei der Kaderplanung keine One-Man-Show mehr geben.“

Antonio Rüdiger verlässt nach Informationen der Stuttgarter Zeitung den VfB. In seinem Vertrag habe der 22 Jahre alte Abwehrspieler eine Ausstiegsklausel. Demnach könne er bei einer Ablösesumme in Höhe von rund zehn Millionen Euro gehen, berichtet das Blatt. Interessiert an Rüdiger seien etwa der VfL Wolfsburg und ausländische Vereine wie AS Monaco, FC Porto, oder auch der FC Chelsea.


Hannover 96 - SC Freiburg 2:1

Die nach dem Klassenverbleib von Hannover 96 zügig angekündigte Entscheidung in der Trainerfrage lässt nun doch etwas auf sich warten. Ein entsprechendes Gespräch zwischen Klubchef Martin Kind und dem als Retter des Fußball-Bundesligisten gefeierten Kurzzeit-Trainer Michael Frontzeck werde so schnell nicht erfolgen. „Wir werden am Dienstag telefonieren und dann gucken wir mal, wann wir uns treffen“, kündigte Kind an und schob hinterher: „Ich habe es nicht eilig.“

Noch am Samstagabend nach dem 2:1 gegen Absteiger SC Freiburg hatte Kind von einer schnellen Entscheidung gesprochen. Auch Frontzeck hatte dies im Hinblick auf die Kaderplanung für die kommenden Saison als sinnvoll bezeichnet: „Das wäre schon nicht unwichtig.“


Hamburger SV - Schalke 04 2:0

Der Hamburger SV kann sich auf seine Fußballfans verlassen. Innerhalb von 40 Stunden waren sämtliche 57 000 Tickets für das Relegations-Hinspiel des Bundesliga-Dinos im eigenen Stadion gegen den Karlsruher SC (Donnerstag, 20.30 Uhr, ARD) vergriffen. Das Rückspiel folgt Montag.

Erst am Samstag hatte der Nordclub dank des eigenen 2:0-Erfolgs über den FC Schalke 04 und der Schützenhilfe von Hannover 96 gegen den SC Freiburg (2:1) noch den Sprung auf den Relegationsplatz geschafft.