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29. April

Otto Torhagel und das dicke Dutzend

29.04.2008 | 10:35 Uhr
Otto Torhagel und das dicke Dutzend

Am Dienstag müssten der BVB und seine unzähligen Fans eigentlich sämtliche Fahnen auf Halbmast hängen. Denn am 29. April vor genau 30 Jahren stellten die Borussen eine unrühmliche Bundesliga-Rekordmarke auf, die bis heute Bestand hat.

Die 0:12-Niederlage in Düsseldorf gegen Borussia Mönchengladbach wird für alle Zeiten wie ein Schmutzfleck auf dem schwarz-gelben Banner kleben.

Versteinerte Mienen bei Trainer Otto Rehhagel (links) sowie den BVB-Spielern Klaus Ackermann und Horst Bertram. Foto Bodo GOEKE

Nachmittag an jenem 29. April 1978. Damals wurde samstags noch das Auto per Hand gewaschen, im Radio trillerte Vader Abraham das Lied der Schlümpfe („Die gibt es so viel wie kaputte Strümpfe”). Niemand ahnte, dass sich wenigspäter die Borussen als Fußball-Schlümpfe präsentierten und die löcherige Abwehr mächtig was auf die Socken bekam. Viele BVB-Fans hörten voller Entsetzen die Live-Berichte zum Saison-Abschluss auf WDR 2 mit Kurt Brumme: „Wieder ein Tor für Mönchengladbach! Welch ein Debakel für die Borussia aus Dortmund!”

„Zwei Tage nicht blicken lassen”

Schön aus Dortmunder Sicht war an diesem Tag nur das Wetter, denn ab 15.30 Uhr braute sich über dem Düsseldorfer Rheinstadion ein gigantisches Gewitter zusammen, dessen Tiefausläufer der BVB noch heute spürt. Hohn und Spott ergossen sich über die Borussen nach der wohl peinlichsten Vorstellung in der 99-jährigen Vereinsgeschichte. „Ich bin nach dem Spielzwei Tage zu Hause geblieben, habe mich nirgends blicken lassen,” erinnert sich Amand Theis, einer der „Übeltäter” von damals. Für den heute 58Jahre alten ehemaliger Verteidiger galt eigentlich immer ein Prinzip: „Wenn mein Gegenspieler zwei Tore macht, lasse ich mich freiwillig auswechseln.”Theis hatte an jenem Tag einen gewissen Stürmer mit Namen Jupp Heynckeszum Gegenspieler. Und der machte nicht weniger als fünf Tore an diesem Nachmittag.

Amand Theis (links) bekam Jupp Heynkes gar nicht in den Griff. Der Mönchengladbacher schoss fünf Tore. Foto: Bodo GOEKE

Theis ließ sich übrigens nicht auswechseln. Weil sich nämlich kein einzigerReservist einwechseln lassen wollte. Auf den Tod nicht. Schließlich lagen dieBorussen schon nach 32 Minuten mit 0:5 zurück. „Trainer, soll ich jetzt etwa noch die Wende bringen?” fragte Altstar Siegfried Held in Richtung Otto Rehhagel, als dieser ihn (vergeblich) bringen wollte. Beim Stand von 0:8nach einer Stunde Spielzeit...

Es war übrigens der letzte Arbeitstag von Rehhagel als BVB-Trainer, der nach dem „dicken Dutzend” in Dortmund nur noch „Otto Torhagel” gerufen wurde. „Dieses Ergebnis gönne ich keinem,” erinnert sich Theis’ damaliger Teamgefährte Lothar Huber, „am Ende musste Schiedsrichter Ferdinand Biwersi die Bälle aus unserem Netz holen, weil wir uns schämten.”

Der Knackpunkt in diesem Spiel lag in der Tatsache, dass die Gladbacher noch Deutscher Meister werden konnten und durch einen entsprechend hohen Sieg den 1. FC Köln beinahe noch abgefangen hätten. Hätten die Jungs aus der Domstadt nicht gleichzeitig 5:0 in Hamburg beim FC St. Pauli gewonnen,wäre dem Team vom Niederrhein dieser Coup auch gelungen. Viele Kölner sind dem BVB deshalb bis heute spinnefeind.

Viele sprachen von Schiebung

„Irgendwie werde ich bis heute den Eindruck nicht los, dass bei diesem Spiel in Düsseldorf Schiebung im Spiel war,” meint BVB-Fan Ulrich Teichmann, damals Augenzeuge der Partie in der Landeshauptstadt. Der gute Mann („Dieses Spiel war für mich als Fan der Tiefpunkt”) blieb bis zum Schlusspfiff, ohne jemals Schmerzensgeld dafür bekommen zu haben. Aber auch der DFB schöpfte Verdacht, die Borussen mussten wenig später in Frankfurt antanzen und sich erklären. „Es sah in der Tat von außen betrachtet so aus, als wäre es nicht mit rechten Dingen zugegangen,” meint Amand Theis, „aber es lag definitiv keine Schiebung vor. Am Ende war jeder Schuss ein Treffer und irgendwann haben wir uns dann alle aufgegeben. Diese Schande hat uns noch Jahre begleitet.”

BVB Torhüter Endrulat musste 12 Mal den Ball aus dem Netz holen. Foto: Bodo GOEKE

Zielpunkt des Spotts waren indes nicht Spieler wie Theis oder Huber, sondern der Torwart, der längst in die Annalen der Bundesliga eingegangen ist: Peter Endrulat, geboren am 10. August 1954, absolvierte an jenem Samstag sein letztes von sieben Bundesligaspielen. Kein Wunder. „Wir machten in der Zeit danach einen Spießrutenlauf mit,” erinnert sich Huber, „bei den Tingelspielen über die Dörfer wurden wir als Schieber verspottet. Das war wahrlich nicht angenehm, wenn man gefragt wurde, wieviel Geld es für dieses Spiel gegeben hätte.”

Zeit heilt Wunden. Schon im ersten Auswärtsspiel der neuen Saison mussten die Borussen wieder auswärts gegen Gladbach antreten. Diesmal gab’s ein 2:2. „Und wir bekamen unsere 2000 Mark Geldstrafe zurück, die zuvor jeder zu zahlen hatte,” berichtet Theis. Doch vergessen ist die Sache im Hause Theis nicht. „Meine Enkel haben mich letztens gefrotzelt, nachdem ich sie beim Fußball aufgefordert hatte, konzentrierter zu verteidigen. Ich bekam von den Kleinen nur die Antwort: "Opa, war da nicht mal was mit dir...” Erblast kann mitunter erdrückend sein.

Otto Torhagel und das dicke Dutzend

Thomas Stein

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Kommentare
11.05.2009
04:08
Otto Torhagel und das dicke Dutzend
von watt? | #11

Es gibt nur eine Borussia - Tennis Borussia...

30.04.2008
14:17
Otto Torhagel und das dicke Dutzend
von skippy | #10

richtiiig!

29.04.2008
15:16
Otto Torhagel und das dicke Dutzend
von Detlef Dellbrügge | #9

Ich mag weder für Borussia Dortmund noch für den FC Schalke 04 Partei ergreifen - aber liebe Dortmund-Fans erinnert die Schalker doch einmal an den 7.Januar 1967. Da spielte Borussia Mönchengladbach gegen den FC Schalke 04. Halbzeit 4:0, Endstand 11:0. Meines Wissens der zweithöchste Bundesligasieg.
Noch eine kleine Anmerkung meinerseits: es gibt nur eine Borussia! Die einzig Wahre. Und die trägt ihre Heimspiele am Niederrhein aus.

29.04.2008
14:12
Blockierter Kommentar.
von herbert | #8

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

29.04.2008
13:50
Otto Torhagel und das dicke Dutzend
von Ruhrpoet | #7

Meine Güte! Diese ständige Diskussion von Schalker über Dortmund und Dortmundern über Schalker- und das zu JEDEM Thema!!
*gähn*

Könnt ihr nicht mal zu dem jeweiligen Artikel kommentare abliefern... Es ist doch allgemein bekannt, dass ihr euch nicht ausstehen könnt +kopfschüttel*

29.04.2008
13:45
Otto Torhagel und das dicke Dutzend
von herbert | #6

schalker willi du mach mal dein Maul auf ihr habt doch jedes spiel verkauft

29.04.2008
13:43
Otto Torhagel und das dicke Dutzend
von herbert | #5

das war doch verschoben das ist doch den größten vollidioten klar aber war doch schön

29.04.2008
13:40
Blockierter Kommentar.
von schalkerwilli | #4

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

29.04.2008
13:25
Otto Torhagel und das dicke Dutzend
von Manfred Wiese | #3

Glück für Dortmund das Köln selbst so hoch gewann,sonst wäre sicher Herr Kindermann eingeschritten . Meiner Meinung war das ein nicht untersuchter Betrug.

29.04.2008
12:30
Otto Torhagel und das dicke Dutzend
von Dirk W. | #2

Keine Sorge: ihr kommt mit eurem 50-jährigen auch noch in die Zeitung

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