Warum bei Olympia in Sotschi nicht nur die Medaillen zählen

Von den annähernd 3000 Teilnehmern in Sotschi gerade mal etwa dreihundert – unter Berücksichtigung von Teamwettbewerben und Mehrfachsiegern – mit einer Medaille dekoriert nach Hause reisen.
Von den annähernd 3000 Teilnehmern in Sotschi gerade mal etwa dreihundert – unter Berücksichtigung von Teamwettbewerben und Mehrfachsiegern – mit einer Medaille dekoriert nach Hause reisen.
Foto: Imago
Was wir bereits wissen
30 Medaillen, wie 2010 in Vancouver, sind das von Teamchef Michael Vesper formulierte Ziel der deutschen Olympia-Mannschaft in Sotschi. Für Menschen, die den olympischen Geist ernst nehmen, zählen allerdings nicht nur Medaillen. Ein Kommentar.

Essen.. Wie viele Medaillen braucht das Land? Eine Frage, die traditionell vor Olympischen Spielen aufgeworfen wird. Dass sie die ganze Nation bewegt, ist jedoch nicht (mehr) anzunehmen. Als penible Medaillenzähler verstehen sich eher die Medien und jene Funktionäre, die sich um die – an Erfolge geknüpfte – Förderung ihrer Sportart sorgen.

Andererseits: Wer sich für die Spiele interessiert, wird sich kaum einen Blick auf den Medaillenspiegel verkneifen können. Sind doch Gold, Silber und Bronze die Maßeinheiten bei Olympia. Ziele zu formulieren, wie es der Deutsche Olympische Sport-Bund jetzt wieder getan hat, gehört zum menschlich Streben. Schon gar nicht ist es unredlich. So sie nicht als „Plansoll“ verstanden werden und sich allein an der – von vielen Unwägbarkeiten abhängigen – Zahl der Medaillen festmachen.

Sicher, der olympische Slogan von der Teilnahme, die wichtiger sei als der Sieg, war nie wörtlich zu nehmen. Dass er von einem Verlierer erfunden wurde, als welcher sich per Definition des Sports schon der Zweite fühlen muss, mag ein netter Witz sein. Zielt aber wohl in die richtige Richtung. Kann doch immer nur einer gewinnen.

Deutsches Team Für neun von zehn Athleten ist Dabeisein alles

So werden von den annähernd 3000 Teilnehmern in Sotschi gerade mal etwa dreihundert – unter Berücksichtigung von Teamwettbewerben und Mehrfachsiegern – mit einer Medaille dekoriert nach Hause reisen. Für neun von zehn Athletinnen und Athleten bleibt also die Teilnahme der größte Erfolg, mögen sie auch ihr Leistungsvermögen voll ausgeschöpft haben.

Irgendwie tröstlich auch für die Millionen Hobbysportler, die weder bei der Tennis-Klubmeisterschaft noch bei einem Volkslauf je gewonnen haben. Und doch von sich sagen können, im Geist Olympias angetreten zu sein.