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Volleyballer erkennen nach Olympia-Aus ihre Grenzen

09.08.2012 | 12:58 Uhr
Volleyballer erkennen nach Olympia-Aus ihre Grenzen
Am Ende reichte es für die deutschen Volleyballer um Georg Grozer (re.) zu Platz 5.Foto: imago

London.  Platz fünf - so gut waren deutsche Volleyballer bei Olympia seit 40 Jahren nicht. Dennoch blieb nach der Niederlage gegen Bulgarien ein „schlechter Geschmack“.

Olympia
Volleyballer seit 40 Jahren wieder im Olympia-Viertelfinale

Die deutschen Volleyballer stehen erstmals seit Silber durch die DDR 1972 bei Olympia in der K.o.-Runde. Die Mannschaft von Bundestrainer Vital Heynen profitierte von der 0:3 (15:25, 20:25, 17:25)-Niederlage des Europameisters Serbien gegen den Olympia-Dritten Russland.

Um halb zwölf in der Nacht kam bei Georg Grozer für einen Moment der Stolz auf das Erreichte durch. „Da kommen die fünf Ringe drauf, Termin steht“, sagte der beste deutsche Volleyballer und zeigte auf seinen rechten Oberarm. Doch wenn Grozer in ein paar Tagen in einem Tattoo-Studio zu Hause in Moers sitzt, wird der Schmerz noch einmal zurückkommen. „Wir haben eine große Chance verpasst“, sagte er nach dem Viertelfinal-Aus von London.

Die DVV-Auswahl beendete das olympische Turnier auf Platz fünf, besser war eine deutsche Mannschaft zuletzt vor 40 Jahren, als die DDR in München Silber gewann. Spieler und Verantwortliche hatten dennoch Mühe, das als Erfolg zu werten. Zu schlecht hatte das Team beim 0:3 (20:25, 16:25, 14:25) gegen Bulgarien gespielt. „Es tut weh, so zu verlieren“, sagte Grozer traurig, „das war kein schöner Abgang. Wir gehen mit einem schlechten Geschmack aus dem Turnier.“

Grozer konnte seiner Rolle nicht gerecht werden

Entsprechend machte Verbands-Präsident Werner von Moltke nach der Klatsche ein Gesicht als hätte er in einen faulen Apfel gebissen. „Die Art der Niederlage ärgert mich, das war nicht olympiagemäß. Vielleicht waren sie schon satt", sagte er. Als Ursache wollte er „irgendwas im Kopf“ ausgemacht haben. Bundestrainer Vital Heynen pflichtete bei: „Wir hatten das Ziel Viertelfinale erreicht - und damit ein Problem. Du stehst plötzlich da und denkst: Oh, shit, und jetzt?“

Von Moltke monierte zudem, der Mannschaft habe „ein Mitreißer“ gefehlt. Diese Rolle war Grozer zugedacht. „Ich habe versucht, die Mannschaft zu pushen, Ruhe reinzubringen. Aber die Kommunikation hat nicht funktioniert. Jeder war mit seinen Fehlern beschäftigt“, sagte dieser. Der 27-Jährige, einer der besten Angreifer bei Olympia, war „von mir selbst enttäuscht. Aber ich bin keine Maschine. Wenn ich immer alles zerschmettern würde, wäre ich der Weltbeste.“

Volleyballer bekamen Grenzen aufgezeigt

Von der Weltspitze, das zeigte sich in London mehr als deutlich, ist der deutsche Volleyball weiter ein ganzes Stück entfernt. „Ich habe vor dem Spiel gelesen, wir seien auf 20 Meter dran“, sagte Heynen, „aber so weit sind wir nicht. Da wäre Sport einfach: Du holst einen neuen Coach und plötzlich funktioniert alles perfekt." Heynen ist erst ein knappes halbes Jahr im Amt, er hat schon viel bewegt. „Aber wir haben klare Grenzen“, sagte er.

Olympia 2012
Aus Liebe zum Volleyball

Ulrich Kampa ist Arzt im EvK und volleyball-begeisterter Vater: Am Wochenende unterstützte er seinen Sohn Lukas im Nationalteam bei Olympia in London.

Wenn der deutsche Volleyball ehrlich sei, meinte Heynen, „dann müssen wir zugeben: Die USA, Brasilien, Russland schlagen uns neun von zehn Mal. Wenn wir nichts ändern, kommen wir nicht weiter als Platz fünf. Das ist dann das Maximum.“ Heynen schwärmte von der Volleyball-Kultur in Bulgarien, wo er kürzlich „über 70 Jahre alte Frauen beim Wäschemachen“ getroffen habe, „die jeden Spieler und sogar die Eintrittspreise kannten. In Deutschland ist das anders.“

Nächstes Ziel ist die EM-Qualifikation

Von Moltke versprach, sich in den kommenden Wochen auf die Suche nach weiteren Sponsoren zu machen. Der insgesamt gute Auftritt bei den Spielen soll helfen. Der Stamm der Mannschaft dürfte erhalten bleiben, „wir dürfen jetzt nicht alles zu Kleinholz verarbeiten“, sagte Kapitän Björn Andrae, mit 31 Jahren der Älteste im Team.

Im September steht die zweite Runde der Qualifikation für die EM 2013 in Dänemark und Polen an. Georg Grozer wird sie mit einem neuen Tattoo bestreiten. (sid)



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