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Olympia 2012

"Mission Gold" für Hockey-Herren machbar

09.08.2012 | 20:46 Uhr
Gewinnen die deutschen Hockey-Herren am Samstag Gold, wäre es der vierte Triumph in einem olympischen Hockey-Turnier nach 1972, 1992 und 2008.Foto: AP

London.   Die deutschen Hockey-Herren sind in London angetreten, "um Gold zu holen" und davon ist die Mannschaft von Hockey-Bundestrainer Markus Weise nur noch einen Sieg entfernt. Durch den 4:2-Sieg über Weltmeister Australien steht Deutschland am Samstag im Endspiel.

15 Sekunden vor der Schlusssirene waren sie sich sicher. Am Rand des blauen Kunstrasens riss Hockey-Bundestrainer Markus Weise die Arme in die Höhe, einige Spieler warfen schon voller Euphorie ihre Schläger in die Höhe. Dann zählten die vielen deutschen Fans unter den 15000 Zuschauern aus vollen Kehlen die verbliebenen Sekunden herunter und endeten in einem noch lauteren „Finaaaale, ooohoooo“. Die deutschen Hockey-Herren erreichten durch eine herausragende Vorstellung in der zweiten Halbzeit mit einem 4:2 (1:1) über Weltmeister Australien das Endspiel. Am Samstag (21 Uhr MESZ) spielt das Team in der Riverbank Arena gegen die Niederlande oder Großbritannien um die Goldmedaille. Es wäre der vierte deutsche Triumph in einem olympischen Hockey-Turnier nach 1972, 1992 und 2008.

„Es ist geil, dass ich ein Tor gemacht habe“

Ausgerechnet Timo Wess hatte das vorentscheidende 3:2 in der 59. Minute erzielt. Der mit 30 Jahren älteste deutsche Spieler hatte seine Karriere im Nationalteam zwar nicht beendet, aber nach dem Olympiasieg 2008 für lange Zeit unterbrochen. Doch nach dem abgeschlossenen Examen in Betriebswirtschaft juckte es den Spieler von Rot-Weiß Köln wieder in den Fingern. Wess, dessen Bruder Benjamin auch einer der Leistungsträger im Olympia-Team ist, scheint alles richtig gemacht zu haben. „Es ist geil, dass ich ein Tor gemacht habe“, sagte Timo Wess, „aber wir haben insgesamt voll überzeugt und verdient gewonnen.“ Und als der Assistent der Geschäftsführung in einem großen Wirtschaftsunternehmen den Weg aus den Katakomben antrat, fügte er noch hinzu: „Wir haben noch nichts gewonnen.“ Und was ist mit dem Silber, das ihnen bereits sicher ist? „Wir sind hier angetreten, um Gold zu holen“, stellte Wess klar.

Hockey-Vierländerturnier

Das ist die Einstellung, mit denen der Ex-Mülheimer in seinen nun 260 Länderspielen zur Sache geht. Solch einen Siegeswillen fordert Bundestrainer Weise von seinen Schützlingen. Weise ist auf dem besten Weg, seinen ohnehin schon bemerkenswerten Rekord zu toppen. Mit den deutschen Damen gewann er 2004 Gold, mit den Herren dann vor vier Jahren in Peking. „Viel Luft nach oben haben wir nicht mehr“, sagte Weise, „aber Timo hat völlig recht. Wir wären doch bescheuert, wenn wir das Finale abschenken würden. Wer sich wie wir die Mühe gemacht, dorthin zu kommen, der will die dicke Medaille haben.“

In der Pressekonferenz wollte die Weltpresse vom deutschen Kapitän Max Müller wissen , was denn die besondere Qualität des Bundestrainers ausmache. Natürlich haben Weises Triumphe in der Hockey-Welt längst für großes Aufsehen gesorgt. „Keiner versteht es so wie Markus, die Fokussierung der Mannschaft auf die entscheidenden Dinge zu lenken“, antwortete Müller, der wegen einer schweren Prellung an der Hand 70 Minuten auf die Zähne beißen musste, „er weiß, wann Erholung und wann volle Konzentration auf das Spiel angesagt ist.“

Auf den Punkt mit Topleistung

Am Samstag ist Erholung angesetzt. Zum Weise-Konzept gehört das Hinzuziehen von Spezialisten. So ist auch ein Psychologe im Team. „Der sitzt nicht nur rum. Der macht auch was“, sagte Weise. Was genau will er dann aber doch nicht verraten. Kleine Geheimnisse müssen sein, wenn man Gold gewinnen will. Eines ist aber sicher, auch am Samstag bleibt die Playstation weitgehend unter Verschluss. „Abhängen vor dem Fernseher ist okay“, sagte Weise, „doch das Spielen auf der Playstation frisst Energie.“ Der Perfektionist denkt an jede Kleinigkeit.

Live-Ticker
Olympia! Bronze, Silber und Gold für Deutschland

Im Hockey-Finale schlägt Deutschland die favorisierten Australier mit 4:2. Silber und Bronze gab es für die Speerwerferinnen. Die Beachvolleyballer Julius Brink und Jonas Reckermann gewinnen Gold im Beachvolleyball und Usain Bolt ist auch über 200 Meter der Schnellste. So lief der 13. Wettkamptag.

Die größte Stärke des deutschen Teams liegt in ihrer Fähigkeit, auf den Punkt die Topleistung abzuliefern. In den Gruppenspielen hatten sie noch nicht überzeugt. Nur gegen Neuseeland, als die Mannschaft aus einem 2:5 noch ein 5:5 machte, deutete sie ihre Reserven an. Gegen Australien haben sie sich nicht aus dem Konzept bringen lassen. Nicht nach dem 0:1. Nicht nach dem 1:2. Und auch nicht, als ein Traumtreffer von Oskar Deecke aberkannt wurde. „Letztlich haben die Schiedsrichter korrekt entschieden, weil Oskar den Schläger über Schulterhöhe gehalten hat. Aber diese Regel gehört abgeschafft“, sagte Weise. Dem Bundestrainer war der Finalgegner völlig egal: „Die Mannschaften kennen sich. Das Gold gewinnt der, der es am meisten gewinnen will.“ Weise will es sein. Zum dritten Mal.

Thomas Lelgemann


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