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Leichtathletik

Heute Silber, 2016 Olympia-Gold?

16.07.2012 | 12:50 Uhr
Heute Silber, 2016 Olympia-Gold?
Falk Wendrich mit seiner Silbermedaille. Foto: Sebastian Moritz

Barcelona/Soest.   Bei der U20-WM der Leichtathleten in Barcelona sorgte der Soester Hochspringer Falk Wendrich mit der Silbermedaille für Furore. Seine Landestrainerin Brigitte Kurschilgen, die auch Bundestrainerin ist, äußert sich über Wendrichs Zukunft.

Im Stadion macht ihr das alles nichts aus. Wenn einer ihrer Athleten im Finale steht, wenn Millimeter über Gold, Silber oder Bronze entscheiden, steigert sich Brigitte Kurschilgens Puls auf der Tribüne kaum spürbar. Die Hochsprung-Bundestrainerin aus Fröndenberg befindet sich in solchen Situationen auf gewohntem Terrain. Automatismen prägen diese bangen Minuten.

Als Falk Wendrich am Freitagabend bei der U20-WM in Barcelona im zweiten Versuch über 2,26 Meter die Latte mit seinem Po fast zärtlich touchiert, sie aber trotzdem fällt, als er im dritten Versuch ziemlich deutlich scheitert und wenig später mit übersprungenen 2,24 Metern sensationell die Silbermedaille entgegen nimmt, fehlen ihr diese Automatismen. „Ich wäre fast gestorben“, sagt sie angesichts der Dramatik des Wettkampfes - und ihrer äußerst ungewohnten Beobachterrolle daheim vor Laptop und Fernseher.

„Seine Entwicklung hat selbst mich überrascht“

Als Landestrainerin Westfalen betreut die einstige Olympiateilnehmern auch den 17-jährigen Wendrich am Stützpunkt in Dortmund. „Seine Entwicklung in den vergangenen zwei, drei Jahren hat selbst mich überrascht“, erklärt Kurschilgen. „Aber Falk besitzt eine motorische Intelligenz, die ich noch nie zuvor erlebt habe.“ Will heißen: Der Soester setzt Hinweise im Technik-Training wenige Augenblicke später um. „Für die Schritte, die er zuletzt gemacht hat“, erklärt die Trainerin, „brauchen andere fünf, sechs Jahre.“

Doch was bedeutet all das nun? Ist unter der Leitung des Heimtrainers Harald Bottin dem LAZ Soest quasi über Nacht ein neuer Dietmar Mögenburg oder Carlo Thränhardt herangewachsen? Ein potenzieller Olympiasieger 2016 gar?

„Mit solchen Prognosen tue ich mich schwer, dafür kann noch zuviel passieren“, antwortet die Fröndenbergerin. Dass Wendrich beste Voraussetzungen besitzt - keine Frage. Dass Wendrich auf einem sehr, sehr guten Weg ist - ebenfalls keine Frage. „Aber so linear wird sich die Entwicklung nicht fortsetzen“, sagt Brigitte Kurschilgen.

Bundes- und Landestrainerin Westfalen: Brigitte Kurschilgen aus Fröndenberg. Foto: Birgit Helmers

Ihr Rat: Den Moment genießen, hart trainieren, mental nicht abheben - und erstmal dem LAZ Soest treu bleiben. „Dass große Vereine auf ihn zukommen werden oder bereits auf ihn zugekommen sind, ist normal“, sagt Kurschilgen.

Sie argumentiert jedoch wie Harald Bottin. „Um sich sportlich weiter zu entwickeln, sind die Voraussetzungen so wie sie jetzt sind, die besten“, sagt er. Ein fast tägliches Training mit der Bundestrainerin, die volle Unterstützung durch den Heimtrainer - „optimal für einen Schüler, der nächstes Jahr sein Abitur macht“, erklärt Bottin. Außerdem sorgen zwei Sponsoren-Verträge bereits jetzt für einen komfortablen finanziellen Hintergrund.

Wie dreist die Spitzenvereine TV Wattenscheid oder Bayer Leverkusen auf der Jagd nach Talenten vorgehen, erlebte Bottin jedoch bei der Westfalenmeisterschaft, als ein Wattenscheider Trainer die erst 15-jährige LAZ-Läuferin Gina Lückenkemper unmittelbar nach deren Wettkampf abwerben wollte.

Was Falk Wendrich zu all dem sagt? Wenig. Er feierte seinen Triumph ausgiebig in Barcelona, musste selbst in Kneipen Autogramme geben. Und erklärt rückblickend auf den zu schnellen Anlauf vor dem dritten Versuch („Da baller’ ich auf die Latte zu“) oder den etwas zu niedrigen Po beim zweiten: „Es ist doch schön, dass ich mir noch ein bisschen für die Zukunft aufgehoben habe.“

Falk Blesken



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