Für die US-Basketballer zählt nur der Olympiasieg
27.07.2012 | 17:38 Uhr 2012-07-27T17:38:50+0200
London. Wie immer zählt das Basketball-Team der USA zu den ganz großen Favoriten auf den Olympiasieg. In London gehen sie mit den Besten der Besten an den Start und haben nur ein Ziel: Gold holen. Alles Andere wäre für die Nachfolger des legendären Dream Teams eine herbe Enttäuschung.
LeBron James hat einen Waschbrettbauch. Das weiß man von den Werbefotos des teuersten Basketballspielers der Welt. Doch jetzt runzelt er die Stirn, und jeder sieht: Der Star des NBA-Meisters Miami Heat hat auch eine Waschbrettstirn, wenn er sich unwohl fühlt. Er lugt unter den Sorgenfalten skeptisch auf das Gerangel der Kamerateams vor ihm. Der erste Auftritt der US-Basketballer bei Olympia in London läuft gerade aus dem Ruder.
Die Medien-Profis der US-Mannschaft hatten extra den größten Saal für die Vorstellung der Star-Truppe um LeBron James, Kobe Bryant, Kevin Durant und Carmelo Anthony reserviert. Und dann der Fehler: Die Millionen-Männer bleiben nicht auf dem Podium sitzen, sondern verteilen sich für Interviews im Raum. Die Aufforderung des Presse-Chefs an 500 Journalisten fliegt ins Leere: „Bleiben Sie ruhig, drängeln Sie nicht.“
Kobe Bryant von den Los Angeles Lakers hat gerade den ersten Schritt in Richtung Rand der Bühne gemacht, als der Ansturm beginnt. Die ersten Ellbogen werden trotz der Bitte um Besonnenheit ausgefahren. Verbotene Hiebe.
Die Nachfolger des wahren Dream Teams
Von Kobe Bryant, LeBron James und Kevin Durant ist im Gewühl kein Wort zu verstehen. Um Kevin Love kümmert sich dagegen kaum jemand. Der einzige Weiße im Dream Team spielt im richtigen Basketball-Leben bei den Minnesota Timberwolves. „Ich bin nicht der Mann für die 20 Punkte im Spiel“, sagt er. „Ich bin der, der die Bälle für die anderen erobert.“ Sein Vater hat schon in der nordamerikanischen Profiliga NBA für die Lakers gespielt. „Daher bin ich Fan der Lakers“, sagt Love. „Und jetzt spiele ich mit Kobe Bryant bei Olympia zusammen. Cool!“
Die Menge hat Love in der Ecke des Saals entdeckt, er ist schnell umzingelt. Die Mauer der Menschen verschluckt nun auch seine Sätze.
Die Spieler tragen schwarze Trainingsanzüge, sie sind die Nachfolger des wahren Dream Teams, das 1992 in Barcelona die Welt begeisterte. Damals spielten mit Michael „Air“ Jordan, Earvin „Magic“ Johnson und Larry Bird erstmals die Superstars bei Olympia. Viele glaubten es nicht, einer fragte Michael Jordan tatsächlich: „Sind Sie von diesem Planeten?“ Jordan antwortete: „Ja, ich wohne in Chicago.“
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