„Nicht schön, ständig zu verlieren“

Suttrop/London..  Neun Siege, 20 Niederlagen. Mit dieser Saison­bilanz im Gepäck steigt Tennis-Profi Jan-Lennard Struff aus Warstein am heutigen Donnerstag in den Flieger nach London. Im Südwesten der britischen Metropole steht Struff ab Montag zum dritten Mal in seiner Laufbahn beim prestigeträchtigsten Grand-Slam-Turnier auf dem Platz: In Wimbledon möchte der 25-Jährige die Kehrtwende schaffen.

Die Ergebnisse der vergangenen Matches waren nicht gut. Dessen ist sich Jan-Lennard Struff bewusst. Fünf Niederlagen in Serie hat der 1,90 m große Schlacks kassiert. „Momentan bin ich nicht so gut drauf, das habe ich mir anders vorgestellt“, sagt Struff im Gespräch mit dieser Zeitung zwischen zwei Trainingseinheiten. Resignation macht sich bei ihm jedoch nicht breit. Im Gegenteil: Jetzt erst recht lautet das Motto, mit dem Struff die nächsten Wettbewerbe angehen will. „Klar mache ich mir Gedanken darüber, es fühlt sich nicht schön an, ständig zu verlieren“, sagt Struff selbstkritisch.

Dass der Druck auf ihn nach der steigenden öffentlichen Präsenz und dem zunehmenden Interesse an seiner Person zu groß geworden ist, glaubt Struff nicht. So nannte Daviscup-Teamchef Michael Kohlmann den Sauerländer in einem Interview mit dem Magazin „Westfalen Tennis“ jüngst „nicht nur das Gesicht der Zukunft des deutschen Tennis, sondern schon der Gegenwart“. Lieb gemeinte Worte, die jedoch unbewusst Rucksäcke bilden können. „Ich habe von dem Interview bislang noch nichts gehört“, sagt Struff jedoch: „Das belastet mich nicht.“

Ungeliebter Untergrund

Auf den Tennisplätzen, die unweit der Sportschule Kaiserau liegen, hat er sich akribisch auf das Turnier in Wimbledon vorbereitet. Speziell der ungeliebte Untergrund soll nicht wieder zum Stolperstein werden. „Ich habe diese Woche noch einmal an meiner Fitness gearbeitet und mein Rasenspiel verbessert“, erklärt Struff seinen Wochenplan. Auf dem Trainingsplan ganz oben standen Aufschläge, Volleys und Laufwege, die auf den Grashalmen anders sind, als auf den langsameren Böden: „Die Ballwechsel sind auf Rasen kürzer, deshalb sind die Aufschläge und gute Returns besonders wichtig“. Vor zwei Jahren zog er als Wimbledon-Debütant in die dritte Runde ein und machte erstmals die breite Masse der Tennis-Fans auf sich aufmerksam. Seitdem hat sich viel getan. Im vergangenen Jahr scheiterte der Westfale in der ersten Runde knapp an Lukasz Kubot aus Polen. Inzwischen rutschte er sogar aus den Top 100 der Weltrangliste.

Jetzt kehrt Struff zurück. „Ich freue mich einfach auf das Turnier. Wimbledon ist etwas ganz Besonderes.“ Zumindest seine Leistungen im Training geben Hoffnung, dass die Niederlagenserie nun ein Ende finden wird. „Ich habe sehr gut trainiert, jetzt muss ich diese Leistungen auch mal in den Spielen umsetzen“, sagt Struff.

Kein Kult-Turnier

Im Gegensatz zum vorigen Jahr spielt Struff dieses Mal nicht beim Kult-Turnier „Boodles“ mit, das in dieser Woche im Stoke Park ausgetragen wird. „Letztes Jahr hat sich das sehr kurzfristig ergeben, dass ich da mitspielen konnte. Das war schon ein tolles Erlebnis in diesem Klub mitzuspielen“, erzählt Struff. Stattdessen wird sich der Warsteiner Tennis-Profi auf Wimbledon, auf seine hoffentlich mehreren Auftritte im legendären All England Lawn Tennis and Croquet Club konzentrieren, um dort die Wende zum Guten in seiner Karriere einzuleiten.