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Neue Gehässigkeiten

20.06.2007 | 08:55 Uhr

Schalkes Aufsichtsratschef Clemens Tönnies hat mit seiner Abrechnung mit Borussia Dortmund das Klima weiter verschlechtert. Fans reagieren mit Häme. Zeit der Solidarität ist vorbei

Ruhrgebiet. Die Reaktionen überraschen nicht, sie waren zu erwarten. Als Schalkes Aufsichtsrats-Vorsitzender Clemens Tönnies bei der Jahreshauptversammlung seines Vereins Führung und Fans von Borussia Dortmund attackierte, hätte er wissen müssen, dass er die alte Rivalität mit neuen Gehässigkeiten befeuern würde. Fans der beiden Reviergiganten setzen das unwürdige Spiel jetzt fort: Sie foulen, was das Zeug hält.

"Das hat ja tiefer gesessen, als ich erhofft hatte", lästert "Altrocker" genüsslich im BVB-Internet-Fanmagazin "schwatzgelb.de", weil Tönnies sich über das am letzten Bundesliga-Spieltag über der Schalker Arena kreisende Flugzeug mit der Aufschrift "Ein Leben lang keine Schale in der Hand" aufgeregt hatte.

Das sei "der Gipfel der Unverschämtheit" gewesen, hatte Tönnies gewettert - viele BVB-Fans lachen sich darüber schlapp. "Womit haben wir es eigentlich verdient, so reich beschenkt zu werden?", fragt schwatzgelb-User "sechsundachtziger". Auch "Paul83" reagiert belustigt: "Von denen merkt aber auch keiner, dass die mit ihrem Gejammere für immer neuen Spaß bei uns sorgen."

Da lästert "laverda" doch gerne mit: "Mit billiger, dummer Polemik gegen den BVB kann man offensichtlich auch noch jedesmal eine Mitgliederversammlung überzeugen. Es hat mich auch tatsächlich für einiges entschädigt, dass Schalke durch diese Niederlage nicht Meister wurde. Und das Drumherum macht diesen Sieg noch viel süßer."

Dieser Sieg - der Ausgangspunkt der neuen Anfeindungen. Dortmunds 2:0-Triumph über Schalke am vorletzten Spieltag, begleitet von jeder Menge Häme, leider aber auch von Hass einiger BVB-Fans, hat das lodernde Feuerchen der ewigen Gegnerschaft wieder zum Flächenbrand ausgeweitet. Wer die Gesänge der Borussen-Anhänger in der Schlussphase der Saison hörte, konnte den Eindruck gewinnen, es ginge primär darum, dass Schalke nicht Meister werden durfte, und nicht um den Dortmunder Klassenerhalt.

Doch zwischen dem, was Fans von sich geben, und dem, was Offizielle verbreiten, besteht natürlich ein gewichtiger Unterschied. Wollte Clemens Tönnies, der Unterstützung von Präsident Josef Schnusenberg und vom Fanclub-Verbandsvorsitzenden Rolf Rojek erhielt, von einem Verlust in Höhe von 3,4 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2006 und von schlechten Leistungen der Mannschaft im Meisterschafts-Endspurt ablenken? Wenn ja: Es ist ihm gelungen.

Im Forum der Internetseite des FC Schalke 04 wird nun BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke, der die Schalker Angriffe als "verbale Amokläufe" bezeichnete, beschimpft und beleidigt. Eine selbstkritische Stimme findet sich allerdings auch: "Das Rumgeheule unserer Offiziellen ist doch nur peinlich", meint S04-Mitglied "Anton".

Es war einmal Reviersolidarität. Dortmund gönnte Schalke den Uefa-Cup, Schalke gönnte Dortmund den Champions-League-Sieg. "Wir sind doch alle der Ruhrpott", rief ein euphorisierter Schalke-Fan ins Fernsehmikro. Genau zehn Jahre ist das her. Eine Ewigkeit.

Von Peter Müller

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