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Neue Eiszeit der alten Rivalen

19.06.2007 | 09:53 Uhr

Scharfe Attacken bei Schalke-Versammlung gegen Borussia Dortmund. Aufsichtsrats-Chef Clemens Tönnies will BVB-Ehrengastbereich nicht mehr betreten. Auch Präsident Josef Schusenberg stichelt gegen BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke

DAS REVIER-DERBY IN DER NACHSPIELZEIT Gelsenkirchen. 23 Uhr war am Montagabend schon längst vorbei. Es blitzte, und es donnerte. Draußen - aber auch ganz kräftig in der Veltins-Arena. Die Jahreshauptversammlung des Fußball-Bundesligisten FC Schalke 04 erlebte einen späten Höhepunkt, als sie eigentlich schon vorbei war. Als die Stimmen für die Satzungsänderungen ausgezählt werden mussten, blieb reichlich Zeit für den letzten Tagesordnungspunkt: Verschiedenes. Einige aufgebrachte Schalker Fans sprachen emotionsgeladen von ihrem Frust, die Führungsriege des Klubs stieg ein und erklärte dem Revier-Rivalen Borussia Dortmund zumindest verbal den Krieg. Pott-Krieg sozusagen.

Oder: Es herrscht wieder Eiszeit im Fußball-Revier.

Sogar Rolf Rojek, der Chef des Schalker Fanclub-Verbandes, verlor seine Besonnenheit und ließ sich zu einer Attacke hinreißen. "Was ich zuletzt in Dortmund erlebt habe, war unter aller Sau. Wir sind noch nie so bespuckt und gedemütigt worden", sagte er. "Ich kann keine Flugzeuge abschießen, aber ich werde dort künftig an keiner Sicherheitsbesprechung mehr teilnehmen."

Zur Erinnerung: BVB-Fans hatten nach dem letzten Spieltag und der Meisterschaft des VfB Stuttgart am 19. Mai ein Flugzeug inklusive Transparent losgeschickt und dies über der Veltins-Arena kreisen lassen. Die Aufschrift: Ein Leben lang, keine Schale in der Hand. "Das war der Gipfel der Unverschämtheit", sagte Aufsichtsrats-Vorsitzender Clemens Tönnies. "Eine Riesensauerei." Und Rolf Rojek kündigte die Ruhrpott-Solidarität. "Damit ist es vorbei", sagte er und warf Borussia Dortmund vor, aufkeimender Gewalt Vorschub zu leisten.

Ob sie Recht haben? Sicher ist, dass der Schalker immer noch leidet, dass er die Pleiten in Bochum am viertletzten und - gerade in Dortmund - am vorletzten Spieltag und den zerstörten Traum von der ersten Deutschen Meisterschaft seit 1958 noch lange nicht verkraftet hat. Während einige Mitglieder und Fans aber auch die Mannschaft und Trainer Mirko Slomka als Schuldige ausmachten, polterte die Führungsriege am späten Montagabend ausschließlich Richtung Dortmund. Der emotionale Abschied vom langjährigen Präsidenten Gerd Rehberg war vergessen, und dass beim FC Schalke für das Geschäftsjahr 2006 ein Verlust von 3,4 Millionen Euro steht, interessierte kaum jemanden.

Es ging nur in eine Richtung. "In den Ehrengastbereich gehe ich nicht mehr. Wenn ich das Dortmunder Stadion noch einmal betrete, dann gehe ich mit euch auf die Tribüne", bekräftigte Aufsichtsrats-Chef Clemens Tönnies. "Und dann schreien wir sie nieder." Damit nicht genug. Der einflussreiche Fleischfabrikant aus Rheda-Wiedenbrück redete sich in Rage. "Ich hoffe, dass die Saat von Herrn Watzke bei unseren Fans nicht aufgeht", sagte der 51-Jährige und versetzte die Arena in Wallungen. Es gab tosenden Beifall - als sei gerade ein Schalker Tor gegen Dortmund gefallen. Und Josef Schnusenberg, der neue Vorstandsvorsitzende der Königsblauen, entschied sich für Spott. "Wir brauchen nicht wie Herr Watzke Aktionäre, denen wir irgendwann eine Dividende zahlen müssen", sagte der 66-Jährige.

Es war nicht zu überhören: Schalke grollt. Nicht nur das Flugzeug, auch die Äußerung von BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke, er wolle im kommenden Jahr "Schalke 50 Jahre ohne Schale" feiern, hat nicht dazu geführt, freundlich miteinander umzugehen. Und dann war da auch noch die Aktion der Dortmunder Profis Roman Weidenfeller, Sebastian Kehl und Christoph Metzelder, die im Internet T-Shirts mit dem Aufdruck "Meister der Herzensbrecher" verkauft und die Schalker Seele verletzt haben. Denn die Erinnerungen an 2001 sind noch viel schrecklicher als die an den Mai 2007."Was ich zuletzt in Dortmund erlebt habe, war unter aller Sau"

Von Andree Hagel

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