Nach RWE-Dopingfall - "Sportler brauchen vertrauensvolle Beratung"

Ex-Schwimmer und Arzt Mark Warnecke vertreibt selbst ein Aminosäurepräparat.
Ex-Schwimmer und Arzt Mark Warnecke vertreibt selbst ein Aminosäurepräparat.
Foto: Matthias Graben / WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Nach dem Dopingfall des RWE-Spielers Soukou spricht der Ex-Weltklasse-Schwimmer Mark Warnecke über den richtigen Umgang mit Nahrungsergänzungsmitteln.

Essen.. Cebio Soukou vom Fußball-Regionalligisten Rot-Weiss Essen ist nach dem Spiel bei SF Lotte bei der Dopingprobe positiv getestet worden. Die Substanz soll in einem Nahrungsergänzungsmittel gewesen sein. Wir befragten den ehemaligen Weltklasse-Schwimmer Mark Warnecke (44) zu Problemen und Gefahren der Nahrungsergänzung. Warnecke ist Arzt und hat selbst ein Aminosäurepräparat entwickelt, das er mit großem Erfolg vertreibt - unter anderem an die Fußball-Bundesligisten Dortmund, Mönchengladbach und Leverkusen.

Kennen Sie das Mittel Methylhexanamin?

Mark Warnecke: Vor dem Fall von Biathletin Evi Sachenbacher war es mir überhaupt nicht geläufig. Jetzt habe ich es das zweite Mal gehört.

Wie wirkt dieses Mittel?

Warnecke: Es steigert die Leistung und ist für den kurzfristigen Gebrauch, also für den Wettkampf gemacht. In Europa ist es im Übrigen verboten. Es ist häufig Bestandteil in „Pre-Workout“ Produkten (Anm. d.R. Aufputschdrink vor Belastung) vor allem in den USA gewesen.

Der Spieler behauptet, die Substanz sei in einem Nahrungsergänzungsmittel gewesen.

Warnecke: Ah, der Klassiker. Es sind immer die Nahrungsergänzungsmittel. Es heißt dann, man habe es unbewusst genommen, doch das ist für mich nur eine Ausrede. Bei allen seriösen Anbietern steht auf der Verpackung, was alles drin ist.

Und wenn nicht?

Doping Warnecke: Wenn ich mir das Zeug bei einem unbekannten Anbieter im Internet, in Osteuropa oder Asien bestelle oder in irgendeinem Studio kaufe, muss jedem klar sein, dass er sich auf einem schmalen Grat bewegt. Allein, wenn man die oft reißerische Aufmachung der Verpackung sieht, muss man gewarnt sein. Davon lasse ich die Finger. Wer es nicht tut, hat irgendetwas nicht begriffen. Es muss ja nicht immer Vorsatz sein, aber für mich ist es ganz sicher Dummheit. Aber zumindest moralisch würde es den Spieler dann immerhin noch entlasten.

Aber man hört, dass Produkte illegal verunreinigt sind?

Warnecke: Bei seriösen Firmen kann das nicht passieren, da wird die Herstellung ständig kontrolliert wie bei den normalen Lebensmitteln und alles deklariert. Und eine verbotene Substanz kann bei der Abfüllung nur in ein Produkt gelangen, wenn ich damit auch hantiere. Das aber ist illegal. Wenn ich zu Hause koche, kann auch nur das in mein Essen kommen, was ich in der Küche habe.

Und bei den sogenannten seriösen Herstellern kann man ganz sicher sein, dass die Ergänzungsmittel keine verbotene Substanz enthalten?

Warnecke: Ach, hundertprozentig geht das natürlich nicht, weil das nirgends geht, aber annähernd. Wir arbeiten mit der kompletten Lebensmittelindustrie zusammen, wir benutzen die gleichen Rohstoffe, es ist praktisch ein geschlossenes System. Unsere Ergänzungsmittel sind sozusagen veredelte Lebensmittel. Und die sind deshalb sehr, sehr teuer. Was dann häufig auch zu einem Problem wird.

Wie teuer?

Warnecke: Teurer jedenfalls als Bio-Fleisch. Ein Kilo unverarbeitetes Top-Protein, ohne Dose, ohne Aromen und so weiter kostet zwischen zehn und 16 Euro, beim Endpreis sind es rund 30 Euro für einen Trainingsmonat (600 Gramm). Und das ist auf der ganzen Welt so. Und wenn man irgendwo zwei Kilo Top-Protein für 18 Euro bekommt, dann geht das gar nicht, oder ist schlichtweg schlechte Qualität. Aber inzwischen sind die meisten Mittel ja tatsächlich sauber. Das war früher noch ganz anders.

Warnecke: Athleten müssen besser aufgeklärt werden

Haben Sie zu ihrer aktiven Zeit Nahrungsergänzungsmittel genommen und wie haben Sie sich abgesichert?

Warnecke: Ein Arzt hat mir 1994 empfohlen, Aminosäuren zu nehmen. Nun, ich konnte es mir auch privat nicht leisten, ein Risiko einzugehen. Ich war Medizinstudent und hätte meine berufliche Karriere aufs Spiel gesetzt. Ich habe dann Infusionen aus dem Krankenhaus genommen oder Rohstoffe aus der Apotheke selbst gemischt, wobei, wenn man es aus heutiger Sicht sieht, das nicht sicherer war als Nahrungsergänzungsmittel von seriösen Anbietern.

Muss man unbedingt solche Nahrungsergänzungsmittel nehmen?

Warnecke: Sie helfen, das ist sicher, und damit sollte man offensiv umgehen. Es ist ja auch nicht alles falsch oder verboten, sondern es ist eine Ernährungsoptimierung. In der internationalen Spitze substituieren heutzutage alle Athleten. Dabei geht es nicht um die schnelle Leistungssteigerung, sondern ein Sportler regeneriert beispielsweise nach Höchstbelastungen schneller und kann sich auch schneller wieder belasten. Was man einnimmt, muss allerdings ganz individuell abgestimmt werden. Man sollte nicht allen Scheiß nehmen, sondern eher wenig, dafür aber das Richtige.

Dazu braucht ein Sportler aber jemanden, der ihn qualifiziert berät?

Warnecke: So ist das. Man braucht eine vertrauensvolle und verantwortungsbewusste Beratung und Begleitung. Jeder Sportler muss aufgeklärt werden und seinerseits die entsprechende Bereitschaft einbringen. Bei den Fußball-Bundesligisten, mit denen ich zusammenarbeite, ist längst eine vertrauensvolle Kooperation gewachsen.