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Weltmeister Button lobt sein Team für den "Mörderjob"

19.10.2009 | 15:28 Uhr
Weltmeister Button lobt sein Team für den "Mörderjob"

Sao Paulo. Jenson Button ist zum ersten Mal Formel-1-Weltmeister. Dies feierte der Brite in Brasilien überschwänglich und sparte zudem nicht mit Lob für das Team und seinen Chef Ross Brawn.

Nach dem Triumph auf der Piste war Jenson Button auch im Feiern weltmeisterlich. Nachdem der Formel-1-Champion die herzhafte Umarmung seines überglücklichen Vaters John, einen Interview-Marathon und die große Champagner-Dusche in der Brawn-Box überstanden hatte, startete er im Hotel gleich wieder durch zur Spontan-Party, ohne vorher einen Fuß in sein Zimmer zu setzen. "Jetzt will ich einen trinken", sagte der Brite, als aller Druck von ihm abgefallen war.

Brawn-Pilot Jenson Button feiert ausgelassen seinen Titelgewinn. (Foto: AFP)

Dass es für den 29-Jährigen auch ohne seine Freundin Jessica Michibata, ein japanisch-argentinisches Unterwäsche-Modell, eine Nacht mit offenem Ende wurde, hatte er dabei seinem im WM-Rennen geschlagenen Teamkollegen Rubens Barrichello zu verdanken. "Rubinho" hatte ihm seinen Privatjet zur Verfügung gestellt, damit er erst am Montagmorgen anstatt wie ursprünglich geplant noch Sonntagnacht zurück nach England fliegen konnte. Dort beginnt schon am Dienstag sein Triumphzug durch die Heimat mit einem PR-Auftritt im Bluewater Shopping Centre, einem Einkaufszentrum in der Grafschaft Kent.

Premier Brown mächtig stolz auf Button

Empfangen werden dürfte Button in der Heimat mit offenen Armen. Premierminister Gordon Brown zeigte sich "stolz, dass Button als zehnter Brite den Titel gewonnen hat und hofft auf weitere Erfolge". Die englischen Zeitungen feierten den "Playboy-Champion" (Daily Mail), der dem selbst ernannten Formel-1-Mutterland Großbritannien erstmals nach vier Jahrzehnten (1968 Graham Hill, 1969 Jackie Stewart) wieder zwei WM-Titel in Folge beschert hatte. "Wunderbar aggressiv und dabei gewohnt elegant", beschrieb der Daily Telegraph Buttons Triumphfahrt und befand: "Diese Vorstellung war eines Formel-1-Champions würdig."

Für die Londoner Times hat Button "eines der beeindruckendsten Comebacks in der Sportgeschichte vollbracht". Im Winter noch arbeitslos ("Ich hatte ehrlich gesagt keine Ahnung, ob ich in diesem Jahr noch in der Formel 1 fahren würde"), startete er nach dem Honda-Ausstieg und der Rettung des Teams durch Ross Brawn märchenhaft durch und feierte nicht nur seinen eigenen Titel, sondern auch die Konstrukteurs-WM.

"Ohne Ross würde dieses Team nicht existieren

"Das Team hat einen Mörderjob gemacht. Was wir nach diesem Winter erreicht haben, ist außergewöhnlich. Ich glaube nicht, dass es so eine Saison in der Formel 1 schon einmal gegeben hat", sagte Button und lobte vor allem Superhirn Ross Brawn. "Dieser Kerl verdient eine Medaille", meinte er über seinen Chef, der einst bei Benetton und Ferrari schon Michael Schumacher zu dessen sieben WM-Titeln geführt hatte: "Ohne Ross würde dieses Team nicht existieren. Er hat schon viele WM-Titel und viele schwierige Jahre erlebt. Er war schon in jeder möglichen Situation. Das hat mir geholfen. Ich glaube nicht, dass wir es ohne ihn geschafft hätten."

Felipe Massa winkt Jenson Button mit der Zielflagge ab. Der Moment, zu dem der Triumph des Briten endgültig besiegelt ist. (Foto: AFP)

Selbst Barrichello, der auch im 17. Anlauf seinen Heimsieg in Sao Paulo und zum wiederholten Mal den WM-Titel verpasst hatte, war nach der ersten Enttäuschung zufrieden. "Ich danke Gott für die Chance, die ich in diesem Jahr bekommen habe. Das ganze Jahr über war das Auto fantastisch", sagte der 37 Jahre alte Brasilianer, der Button den Titel ehrlich gönnte: "Ich freue mich als Freund für Jenson. Er ist ein großartiger Weltmeister. Wenn ich schon nicht gewonnen habe, dann wenigstens er."

"Es waren sehr schwierige Monate"

In der Stunde seines Triumphes gab der neue Weltmeister dann noch einen Einblick in sein Seelenleben. "Vielleicht habe ich in der letzten Zeit manchmal den Eindruck gemacht, dass mir alles egal wäre, aber dieses Gesicht war nur aufgesetzt", sagte Button: "Es ist ein Zeichen von Schwäche, wenn man zeigt, dass einen etwas belastet. Aber jetzt kann ich zugeben, dass es sehr schwierige Monate waren."

Nach sechs Triumphen in den ersten sieben Rennen war Buttons Siegesserie gerissen, die Verfolger Barrichello und Sebastian Vettel kamen zuletzt immer näher, dazu kam in Sao Paulo noch das verpatzte Qualifying. "Alles ging schief, ich fühlte mich wirklich krank", sagte Button, der in Sao Paulo sogar Albträume hatte. "Ich hatte in der Nacht zuvor geträumt, dass das Qualifying in die Hose gehen würde", verriet er. In der Nacht vor dem Rennen änderte sich das aber dann zum Guten: "Da habe ich geträumt, dass ich Weltmeister werde. Vielleicht steckt in Träumen ja doch ein bisschen Wahrheit."

DerWesten


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