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Warum Ecclestones Formel-1-Traum zum Alptraum werden könnte

17.07.2013 | 17:51 Uhr
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Warum Ecclestones Formel-1-Traum zum Alptraum werden könnte
Muss sich vor Gericht wegen mutmaßlicher Bestechung verantworten: Formel-1-Boss Bernie Ecclestone.Foto: afp

Essen.   Er hat scheinbar alles: Geld, Frauen, Macht. Doch jetzt droht Formel-1-König Bernie Ecclestone ein Alptraum. Die Münchener Staatsanwaltschaft hat ihn wegen Bestechung angeklagt. Der 82-Jährige war schon immer schlagfertig - und weist auch jetzt alle Vorwürfe zurück.

Geld, Macht, Frauen, Rennautos. Bernie Ecclestone hat, wovon viele Männer träumen. Manchmal werden Träume allerdings zu Alpträumen. Seine frühere Frau, das kroatische Ex-Modell Slavica, überragte Ecclestone um 25 Zentimeter und brüllte in aller Öffentlichkeit nach dem „Zwerg“. Ecclestone ist nur 1,59 Meter groß. Die Scheidung dauerte vor Gericht gerade mal 58 Sekunden.

Doch nun hat Ecclestone neuen Ärger: Die Münchener Staatsanwaltschaft hat den Macher der Formel 1 wegen Bestechung angeklagt. Wer den 82-Jährigen vor zehn Tagen beim Rennen am Nürburgring erlebt hat, hat einen gelassenen Mann gesehen, der kurz vor dem Start durch die Reihen der Wagen lief und mit den Fahrer plauderte.

Ecclestone witterte in Formel 1 schon früh das große Geschäft

Ecclestone weiß, wie Ärger schmeckt. Und er weiß, wie man mit ihm umgeht. Als Sohn armer Fischer aus England war ihm klar: Er muss Geld verdienen. Vor der Schule kaufte er Kekse an einem Kiosk, lief damit die vier Kilometer zur Schule und verkaufte sie dort in der Pause mit 25 Prozent Aufschlag.

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Mit 16 schmiss er die Schule und begann, mit Autos zu handeln. Das Gebrauchtwagen-Geschäft ist ein raues Geschäft. Ecclestone - so schreibt es Biograf Tom Bower - lernte schnell. Er habe einen MG verkauft, bei dem die Heizung nicht funktionierte. Der Kunde reklamierte, und Ecclestone soll geantwortet haben: „Vorsichtig! Ich habe schon Leuten den kleinen Finger abschneiden lassen.“

Wie die Geschichte mit dem MG ausging, ist nicht bekannt. Doch Ecclestone tauchte in den 60ern als Besitzer des Brabham-Teams in der Formel 1 auf. Mit seinem Instinkt witterte er das ganz große Geschäft: In der Formel 1 wurschtelte damals noch jeder Rennstall und jede Rennstrecke alleine vor sich hin. Ecclestone gründete 1971 mit der FOCA eine Organisation, die alle Vertragsverhandlungen übernahm. Alles lief über ihn.

"Dummer" Ecclestone lobte in TV-Interview Adolf Hitler

Die Machtposition, die er damit im Motorsport bekam, gab er nie wieder auf. Im Gegenteil, er baute sie aus und sicherte sich in den 90er Jahren sämtliche Fernseh- und Werbeverträge für die Formel 1. Ecclestone war der König, und der König darf alles.

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Manche hielten den Mann mit den weißen Haaren, der mit einem Privatvermögen von vier Milliarden US-Dollar mittlerweile auf Platz 212 der Forbes-Liste der reichsten Männer dieser Welt liegt, für dumm. Dumm, weil er zum Beispiel in einem Interview mit der Times im Juli 2009 Adolf Hitler lobte. Er sah ihn als einen Mann, „der Dinge geregelt gekriegt hat.“

Aber dieser Satz war kein Zeichen von Dummheit, sondern Indiz für die Attitüde Ecclestones. Er ist der, der ebenfalls alle Dinge geregelt kriegt. Er droht nicht mehr damit, kleine Finger abzuschneiden. Doch er kokettiert gerne mit seiner Nähe zu radikalen Lösungen. In seinem Büro in London liegt auf seinem Couchtisch eine Handgranate. Ob die Granate tatsächlich scharf ist? Ecclestone formuliert es so: „Bisher hat noch keiner den Mut gehabt, sie zu zünden.“

Selbst im Gefängnis würde Ecclestone wohl das große Geschäft wittern

Er hat zwei Töchter, er hat vor einem Jahr ein zweites Mal geheiratet, und am Hungaro-Ring, der Formel-1-Strecke in Budapest, haben sie zu seinen Ehren eine Bronzestatue mit seinem Kopf errichtet. Dazu die vier Milliarden auf seinem Konto, eigentlich könnte für Ecclestone alles wunderbar sein.

Der Prozess könnte ihn nun allerdings sogar ins Gefängnis bringen. Aber wahrscheinlich würde Ecclestone dort nur wieder ein Geschäft wittern und mit großem Brummborium eine neue Rennserie gründen: Formel Knast.

Ralf Birkhan

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