Teamchef Arrivabene ist der Mann hinter Sebastian Vettel

Grazie, Sebastiano: Ferraris neuer Teamchef Maurizio Arrivabene (rechts) hätte Sebastian Vettel nach dessen Sieg beim Formel-1-Rennen in Malaysia am liebsen abgeknutscht.
Grazie, Sebastiano: Ferraris neuer Teamchef Maurizio Arrivabene (rechts) hätte Sebastian Vettel nach dessen Sieg beim Formel-1-Rennen in Malaysia am liebsen abgeknutscht.
Foto: Mark Thompson/Getty
Was wir bereits wissen
Maurizio Arrivabene will Ferrari wieder zu alten Erfolgen führen. Mit seinem Paradepiloten Sebastian Vettel hat er schon das erste von drei Zielen erreicht

Shanghai.. Seit dem unglücklichen Rennfahrer namens Scott Speed, der nicht schnell genug für die Formel 1 war, verbietet sich das Spiel mit Namen in der Königsklasse. Eine aktuelle Ausnahme bestätigt diese Regel: Maurizio Arrivabene, der Mann, der – vor und hinter – dem schnellen Erfolg des neuen Ferrari-Teams steht. Aus dem Italienischen übersetzt sich der Nachname des Managers mit „gute Ankunft“. Kann man wohl sagen: zweites Rennen, erster Sieg. Damit ist vor dem Großen Preis von China am Sonntag (8 Uhr MEZ/RTL und live in unserem Ticker) bereits ein Drittel des ehrgeizigen Plans von Arrivabene und Sebastian Vettel erfüllt. Und trotzdem ist das aufkeimende Duell mit Mercedes erst ein Anfang.

Ein ganz entscheidender Faktor bei der Scuderia ist der innere Antrieb. Und den verkörpert keiner besser als die beiden Spitzenmänner, Teamchef Maurizio Arrivabene und Sebastian Vettel. Zusammen mit dem Firmenpräsidenten Sergio Marchionne bilden sie ein Trio, das die Fährte von Jean Todt, Ross Brawn und Michael Schumacher aufnehmen kann – und sie schon längst aufgenommen hat.

Nach dem „Forza Ferrari“, das der Deutsche nach der siegreichen Zieldurchfahrt in Malaysia durch den Boxenfunk jodelte, hätte Arrivabene seinen neuen Paradepiloten am liebsten abgeknutscht. Das klingt übertrieben, ist es aber nicht. Man muss nur mal erlebt haben, wie der 58-Jährige durch das Fahrerlager hinter der Boxengarage rennt und dann seinen Sebastiano in den Schwitzkasten nimmt, um einen Freudentanz wie unter Sumoringern aufzuführen. Passione et Potenza, der alte Wahlspruch von der Leidenschaft und der Kraft, er gilt wieder was.

Der Schleudersitz von Maranello

Arrivabene, der auch im Vorstand des Fußballvereins Juventus Turin sitzt, begann seine Karriere bei einem amerikanischen Konzern. Mitte der Neunziger Jahre, als Ferrari schon einmal einen sportlichen und technischen Turnaround begann, wechselte der Marketingexperte aus Madonna di Campiglio zum Tabakkonzern Philip Morris, damals der Hauptsponsor von Ferrari. Er war stets das Bindeglied zwischen Ferrari, Rennteam und Geldgeber. Beim jüngsten personellen Großreinemachen durch den Fiat-Regenten Sergio Marchionne passt er perfekt ins Profil: Management-Erfahrung, Formel-1-Affinität, italienische Herkunft. Willkommen auf dem Schleudersitz für stolze Männer, Arrivabene war nach Stefano Domenicali und Marco Mattiacci der dritte, der im letzten Jahr auf dem Sessel des Teamchef Platz genommen hat. [kein Linktext vorhanden]

Aber er hat einen bleibenden Eindruck hinterlassen, auch in der Formel-1-Gemeinde. Sein Englisch ist charmant, er selbst noch viel charmanter. Nach dem Malaysia-Sieg schickte Arrivabene einen Mechaniker auf das Siegerpodium.

Demut als Führungsstil

Diese Art vorgelebter Demut – eine Tugend, die er übrigens an Vettel extrem schätzt – prägt auch seinen Führungsstil: „Das Wichtigste ist es, den Leuten eine Richtung zu geben.“ Er meint das, ganz Konzernmensch, auch strategisch: Ein Sieg war Pflicht, zwei Siege wären schön, drei perfekt. Und wenn der Plan übererfüllt werden sollte? „Beim vierten Sieg laufe ich barfuß auf die Hügel von Maranello“, sagt Maurizio Arrivabene. Na dann, gute Ankunft.