Nico Hülkenberg ist zurück im Formel-1-Alltag

Glücklich über den Erfolg in Le Mans: Nico Hülkenberg (rechts) mit seinem Porsche-Teamkollegen Earl Bamber. Am Wochenende zählt für Hülkenberg aber wieder die Formel 1.
Glücklich über den Erfolg in Le Mans: Nico Hülkenberg (rechts) mit seinem Porsche-Teamkollegen Earl Bamber. Am Wochenende zählt für Hülkenberg aber wieder die Formel 1.
Foto: NRZ
Was wir bereits wissen
Nico Hülkenberg aus Emmerich startet nach seinem Le-Mans-Sieg jetzt wieder in der Formel 1. Dort würde er gerne für ein Top-Team fahren.

Spielberg.. Zwei Rennen in einer Woche, aber Welten dazwischen – in jeder Hinsicht. Oder besser gesagt: der sprichwörtliche Unterschied wie Tag und Nacht. Nico Hülkenberg kehrt als Le Mans-Sieger mit dem Porsche-Sportwagen in die Formel 1 zurück, wo er beim Großen Preis von Österreich nun wieder in den Rennwagen von Force India steigt. Ein rasanter Ritt vom Podium ins Mittelfeld. Die Nacht mit Porsche ist heller als der Tag beim indischen Rennstall.

Nico Hülkenberg feiert "größten Erfolg der Karriere"

„Die 24 Stunden sind ein ganz besonderes Rennen, und deshalb ist der Sieg in Le Mans auch etwas ganz Spezielles für mich”, sagt der 27-Jährige aus Emmerich, „ich denke, das ist der größte Erfolg, den ich in meiner Karriere und meinem Leben erreicht habe.” Dabei war er zuvor noch nie beim Sportwagen-Klassiker gestartet und musste wie alle Novizen erst eine Fahrprüfung im Simulator ablegen. Für den Sieg mit dem Stuttgarter Werksteam war er auch nicht unbedingt vorgesehen, das hatte man eher Sebastian Vettels ehemaligem Kollegen Mark Webber zugetraut. Aber Hülkenberg verwandelte seinen ganzen Königsklassen-Frust in die pure Sportwagen-Lust. Vor allem die Nachtfahrten und die vielen Überholvorgänge faszinierten ihn mehr. Da sind echte Rennfahrer-Qualitäten gefordert.

Hülkenberg und die Suche nach einem Top-Team in der Formel 1

Hülkenberg gilt auch in der Formel 1 seit Jahren als Talent, gerade hat ihn Fernando Alonso als einen der drei besten Fahrer bezeichnet. Doch im Motorsport kommt es auch darauf an, zur richtigen Zeit im richtigen Auto zu sitzen. Das tat er weder bei Williams, noch bei Sauber und Force India – obwohl er jeweils den schwierigen Umständen trotzte und das meiste aus seinen Mittelfeld-Autos herausholte. Kreis Kleve.

Wie auch gerade wieder, zuletzt fuhr er in Kanada als Achter vier Punkte ein, was für die derzeitigen Verhältnisse ein Erfolg ist. Die großen Chancen verpasste er vor zwei Jahren, als sowohl Ferrari und McLaren an seinen Diensten interessiert waren. Auch für die kommende Saison stehen seine Chancen, in einem konkurrenzfähigen Auto zu landen, eher schlecht.

Hülkenberg "ziemlich optimistisch, dass es aufwärts geht"

Die Top-Teams sind belegt, sein Manko bei den anderen ist der Mangel an persönlichen Groß-Geldgebern. Der historische Sieg in Le Mans – zuletzt hatte dort 1991 ein aktiver Formel-1-Pilot gewonnen – sorgt zumindest für mehr Anerkennung. Und Aufmerksamkeit, eine wichtige Währung in diesem Geschäft. „Was es auslöst? Ich denke, nur Positives“, glaubt der Force-India-Fahrer. Wohin die Reise geht, weiß er noch nicht.

Sein Teamchef Vijay Mallya ist begeistert über den Aushilfsjob seines Stammfahrers. Ob er Hülkenberg noch für andere Sportwagen-Rennen frei gibt, ob dessen generelle Zukunft in der Langstrecken-WM liegt – das sind die Fragenzeichen der nächsten Monate. Zunächst kommt der neue Force-India-Rennwagen erst in zwei Wochen, dann aber will Hülkenberg zumindest die zweite Saisonhälfte zu „seiner“ machen. Spezialist für solche Aufholjagden ist er ja auch: „Ich bin ziemlich optimistisch, dass es aufwärts geht.“

Ricciardo ist Fan von Le Mans

Das breite Grinsen seit der Zieldurchfahrt in Le Mans hält jedenfalls noch immer an. Fernando Alonso überlegt jetzt einen Start in der „nahen Zukunft“, Daniel Ricciardo guckte 18 der 24 Stunden („Ich bin ein Fan“), und Sebastian Vettel findet es nicht nur großartig anzugucken: „Da wird immer am Limit gefahren. Und mehr Runden bedeutet mehr von diesem Gefühl. Dafür sind wir ja Rennfahrer.“

Doch nun muss Hülkenberg umschalten. Er steht wieder im Rampenlicht der Formel 1, das in Spielberg für den Emmericher wieder etwas matter ist als in Le Mans. Doch sein Teamchef Mallya sieht in dem Le-Mans-Sieg nur die Bestätigung von Hülkenbergs Talent: „Ich hoffe, er bekommt durch diesen Erfolg einen weiteren Schub und setzt das in eine weitere Spitzenleistung für uns um.“