Fernando Alonso fährt dem Glück in der Formel 1 hinterher

Fernando Alonso hat bisöang wenig zu lachen und viel zu grübeln in dieser Formel-1-Saison.
Fernando Alonso hat bisöang wenig zu lachen und viel zu grübeln in dieser Formel-1-Saison.
Foto: imago/Crash Media Group
Was wir bereits wissen
Der Formel-1-Pilot erlebt eine sieglose Zweckehe mit McLaren. Ein technisches Update-Paket soll die Wende bringen. Am Sonntag heißt’s für den Spanier: Olé oder oje?.

Barcelona.. Es ist eine ungewohnte Position für Fernando Alonso und Ron Dennis vor dem Großen Preis von Spanien (Sonntag, 14 Uhr, RTL). Der McLaren-Rennfahrer und der Konzernchef liefern sich für gewöhnlich ein totes Rennen um den Titel des stolzesten Mannes im Lager der Formel 1. Nicht wenige, die darin pure Arroganz sehen. Aber vor diesem Wochenende gibt es nicht viel, auf das sich die Schicksalsgemeinschaft etwas einbilden könnte. Der Hybridmotor von Wiedereinsteiger Honda ist zu schwach – wer partout Positives an der Lage der bislang eher verwöhnten Protagonisten finden will, gerät in Sparwitz-Gefahr: McLaren treibt das Feld vor sich her. . .

Noch nicht konkurrenzfähig

Aber der Start in die Europa-Saison gibt allen Hoffnung, zumindest in der Theorie. Drei Wochen Rennpause, um die Wunden der vier WM-Läufe in Übersee zu schließen, bei denen nur Mercedes und Ferrari durchgängig konkurrenzfähig waren. McLaren konnte beim letzten Auftritt in Bahrain, bei dem Alonso – überrundet – Elfter wurde, das Auto von Jenson Button nicht mal fit für den Start machen. Kinderkrankheiten, gegen die zumindest Mister Dennis durch seinen Dünkel immun scheint. Aber der japanische Motorenpartner muss zwei Jahre Vorsprung der Konkurrenz aufholen, den komplizierten Hybrid-Antriebsstrang erst zuverlässig und dann schnell machen. Ein bewegliches Ziel.

Formel 1 Die Frage ist daher: Wie lange dauert es, bis McLaren konkurrenzfähig ist? Alonso ist jetzt 33, zur Beschwichtigung seines Egos fehlt dem Champion von 2005 und 2006 der dritte Titel. Nachdem seine Ferrari-Mission nach fünf Jahren im Herbst erfolglos zu Ende ging, sucht er ausgerechnet mit McLaren Kompensation – es war nichts Besseres auf dem Markt. Angeblich hatte der Spanier auf einer vorzeitigen Ausstiegsklausel bestanden, falls es sportlich-technisch nicht läuft. Das Team dementiert und spricht von drei gemeinsamen Jahren, die man miteinander bestreiten wolle – ohne Optionen. Also verdammt zum Erfolg.

Technisches Update-Paket soll die Wende bringen

Als es bei Ferrari nicht so lief, wie es Alonso wollte, überzog er die sozialen Medien mit Samurai-Weisheiten. Jetzt ist Alltags-Philosophie gefragt: „Das Glück lebt in einem selbst, nicht außerhalb. Deshalb zeigt sich Glücklichsein nicht in dem, was wir haben, nur darin, wer wir sind.“ Ein Mann fährt dem Glück hinterher: Das erste Rennen musste er nach einem mysteriösen, bis heute ungeklärten Testunfall samt Gehirnerschütterung absagen, beim zweiten schied er aus, punktlos blieben die beiden weiteren Anläufe. Jetzt soll beim Heimspiel ein technisches Update-Paket die Wende bringen. Vor zwei Jahren hatte der Asturier auf dem Circuit de Catalunya sein letztes Rennen gewonnen. Am Sonntag geht es vielmehr um: Olé oder oje?

Formel 1 Dennis hatte schon einmal eine längere Durststrecke mit Mercedes durchzustehen, damals wurde der Weg mit einer Expedition auf den Mount Everest verglichen. Aber so ganz reicht Dennis, angetrieben von einem Drang nach dem Besonderen, der Vergleich nicht. „Merken Sie sich meine Worte: Wir werden gewinnen, und wir werden es dann auf dominante Art und Weise tun“, sagt der ehemalige Rennmechaniker. 2008 hatte der inzwischen verlorene Sohn Lewis Hamilton den letzten von acht Titeln für die Truppe aus Woking geholt – Dennis weist lieber darauf hin, dass Ferraris Hinterherfahrt gar noch ein Jahr länger andauert.

Kein Jubel zu erwarten

Fernando Alonso mimt angesichts des zähen Saisonbeginns den Geduldigen, spricht vom kalkulierten Risiko für das erste Jahr mit dem britischen Team: „Wir haben den Rückstand verkürzt. Jeden Tag lösen wir Probleme und finden Rundenzeit. In zwei Monaten werden wir stolz darauf sein, was wir geschafft haben. Es ist leicht, mich jetzt für meine Entscheidung zu kritisieren, aber die Kritiker werden verstummen.“ Für dieses Wochenende kann er angesichts des verwöhnten und launischen spanischen Publikums nicht mit großem Verständnis rechnen. Wer von Dominanz und neuer Ära spricht, kann keinen großen Jubel erwarten, nur weil er vielleicht erstmals in die Punkte kommt.