Ein Silberstreif am Horizont über Monte Carlo
20.05.2009 | 23:22 Uhr 2009-05-20T23:22:00+0200
Monte Carlo. Vor dem Großen Preis von Monaco sieht Mercedes-Sportchef Norbert Haug eine Chance für die bisher unterlegenen "Silberpfeile" und Weltmeister Lewis Hamilton.
Das Vergnügen Monte Carlo beginnt für Mercedes-Sportchef Norbert Haug, wenn er in die Hocke geht. Nicht etwa aus Demut, weil das Teil-Stuttgarter Weltmeisterteam trotz des wohl besten Motors im Feld in dieser Formel-1-Saison bisher hinterher fährt. Aber auf Augenhöhe mit den Leitplanken erschließt sich die Faszination des immer noch verrücktesten aller Grand Prix erst richtig, es ist die Sichtweise, die auch Noch-Champion Lewis Hamilton am Sonntag haben wird. Der Brite, immer noch so smart wie bei seinem Vorjahressieg, aber durch mehrere Skandale gestählter, gilt trotz seiner mageren neun Punkte aus den ersten fünf Rennen als Geheim-Favorit.
Hamiltons Helm glitzert mehr als seine Augen, was an der Diamanten-Ummantelung für die Startnummer eins liegt. Ohne Glitter geht es bei der rasenden Hafenrundfahrt nun mal nicht, und ein amtierender Weltmeister hat immer noch mehr Glanz als neunzig Prozent aller VIP-Gäste, die sich für wichtig halten.
Das neue Leben im Mittelfeld ist nicht spurlos an dem 24-Jährigen vorübergegangen. „Es ist hart, morgens aufzustehen und zu wissen, dass man nicht gewinnen kann, egal wie hart man dafür arbeitet oder darum kämpft. Aber man muss damit klarkommen.”
Droht da eine immer noch frische Liebesbeziehung durch die - relative - Erfolglosigkeit zu erlöschen? Hamilton gibt den Trotzkopf: „Ich weiß, dass ich die Formel 1 weiterhin genießen kann. Nur eben jetzt gerade nicht.” Beim letzten WM-Lauf in Barcelona wurde er überrundet, „die Höchststrafe” befand Norbert Haug. Und kündete an, dass ein Straffungsprogramm in der Rennfabrik des britischen Partners McLaren bis in zwei Monaten wieder für die Siegfähigkeit der Silberpfeile sorgen solle.
„Eine Aufholjagd ist natürlich immer schwierig, und so schwierig wie 2009 war sie angesichts des Testverbotes noch nie”, sagt Haug, will aber keine Ausreden bei der Jagd nach der fehlenden Sekunde gelten lassen: „Wir wissen, was die Stunde geschlagen hat. Unsere Truppe hat Substanz genug.” Trotzdem macht sich so etwas wie Hoffnung breit, dafür sorgt mehr als die in Monte Carlo permanent angedockte Zockermentalität.
Auch BMW-Sauber und Ferrari, die beiden anderen bislang geschlagenen Größen dieser Saison, hoffen auf eine Wende. Aber die Analyse der bisherigen Fahrzeugleistungen verspricht nur Hamiltons Auto einen Vorteil: In langsamen Kurven liegt der McLaren-Mercedes perfekt, das Herausbeschleunigen klappt dank des optimalen Schub-Systems KERS prima. „Das Auto kann hier was”, ahnt Norbert Haug.
Bei einem Vollgasanteil von mickrigen 43 Prozent und häufigen harten Bremsmanövern ist der Stadtkurs prädestiniert für ein Comeback: Wenn nicht hier, wo dann? Vorsicht, lehren die Casino-Schicksale: Nirgendwo liegen Rausch und Ernüchterung so nahe beieinander wie bei diesem Rennen.
„Wir werden stark sein”, verspricht auch Teamchef Martin Whitmarsh. Und wie immer, wenn es Hoffnung zu machen gilt im Sport der Statistikhörigen, wird die Vergangenheitsform bemüht. Seit dem ersten Sieg in Silber 1998 hat McLaren-Mercedes sechs Mal an der Cote d'Azur gewonnen, die letzten beiden Rennen in Folge: 2007 mit Fernando Alonso, 2008 mit Lewis Hamilton.
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