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Der teure Ring setzt Ministerpräsident Beck unter Druck

09.07.2009 | 22:18 Uhr
Der teure Ring setzt Ministerpräsident Beck unter Druck

Nürburgring. Finanzskandal bei der Verwandlung des Nürburgrings in einen Erlebnispark setzt Ministerpräsident Kurt Beck unter Druck. Zuletzt platzte eine von der Landesregierung stets fest versprochene und einkalkulierte Privat-Investition von rund 70 Millionen Euro.

Beinahe hätte es am Tag vor dem Trainingsauftakt zum Großen Preis von Deutschland auf dem Nürburgring (Sonntag, 14 Uhr/RTL live) schon die ersten Toten gegeben. Vom Dach des „Warsteiner Event Centers” fiel ein schweres, metallisches Gerüst-Teil aus über zehn Metern Höhe in die Tiefe - mitten hinein in eine Gruppe von Arbeitern. Da fehlten nur Zentimeter! Als Minuten später Kurt Beck, Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, auf dem Weg zur Einweihungsfeier für den „neuen Nürburgring” an derselben Stelle vorbeikam, fiel nichts vom Dach.

250-Millionen-Euro-Projekt

Mit kundigem Blick stellte der gelernte Elektriker dennoch fest, dass sich das 250-Millionen-Euro-Projekt noch tief im Baustellen-Stadium befindet. „Ist doch ganz normal”, wischte Beck jovial alle kritischen bis süffisanten Bemerkungen beiseite. „Ich habe noch nie etwas eingeweiht, wo nicht noch dran gearbeitet worden wäre.”

Dabei ist der verpasste Fertigstellungs-Termin noch längst nicht alles, was bei diesem wohl gigantischsten Eifel-Projekt seit dem Bau der legendären Rennstrecke in den Jahren 1925 bis 1927 schief gegangen ist. Prominentestes Opfer war bisher Becks Finanzminister Ingolf Deubel, der durch die von Anfang an dubiosen und am Ende gescheiterten Finanzierungs-Varianten so verschlissen war, dass er am Dienstag seinen Rücktritt einreichte.

Inzwischen sehen viele auch Beck selbst in echten Schwierigkeiten. Schließlich hatte er die Planungen seit den Anfängen im Jahr 2004 zu seiner persönlichen Sache gemacht und gegen alle Einwände, Bedenken und Widerstände durchgesetzt.

Gescheiterte Finanzierungs-Varianten

Hanebüchen vor allem, wie zuletzt eine von der Landesregierung stets fest versprochene und einkalkulierte Privat-Investition von rund 70 Millionen Euro platzte. Ein Schweizer Geschäftsmann namens Urs Barandun wollte das Geld angeblich besorgen. 95 Millionen Euro hatte das Land Rheinland-Pfalz, 90-Prozent-Teilhaber an der Nürburgring GmbH, zuvor in die Schweiz überwiesen. Benötigt wurde die Summe, so hieß es, um Liquidität nachzuweisen. Dann brachten Recherchen der Schweizer Zeitung „Blick” und des Südwest-Rundfunks vor wenigen Tagen ans Licht, dass Barandun in Dubai wegen eines Streits um einen ungedeckten Scheck vor Gericht erscheinen müsse.

Laut Beck wird die Nürburgring GmbH ihre Verträge mit Barandun umgehend kündigen. Die 95 Millionen Euro Landesgeld würden zurücküberwiesen. Bei seinem Abschied aus dem Amt hatte Finanzminister Ingolf Deubel nicht mehr ausgeschlossen, dass sich ein Staatsanwalt für Baranduns Aktionen interessieren könne. Kurt Beck: „Wir hätten die Reißleine früher ziehen müssen.”

Darüber hinaus gibt der Ministerpräsident keine weiteren Fehler zu - auch wenn die Kosten, die 2007 mit 215 Millionen Euro veranschlagt worden waren, inzwischen auf 252 Millionen geklettert sind. Von einer „Finanzierung der klassischen Art” sprach Beck gestern. „Ganz normal” sei es, dass die Regierung Firmen unter die Arme greife, wenn es um Arbeitsplätze geht. Rund 500 neue Jobs würden in dem neuen „Erlebnispark” mit drei Hotels, Casino, Helikopter-Landeplatz, Shopping-Meile, Restaurants, der größten Achterbahn der Welt und einer Veranstaltungshalle geschaffen. Gut 1000 Arbeitsplätze würden gesichert. „Mehr Menschen und mehr Geld”, so Beck, werden künftig in die wirtschaftlich schwache Eifel kommen.

Gastronomen und Zimmervermieter haben ihre Zweifel

So optimistisch sind rund um die Hohe Acht aber längst nicht alle. Etliche Gastronomen und Zimmervermieter haben so ihre Zweifel, ob ihre Heimat tatsächlich zusätzliche Touristen-Massen anlocken wird. Regen, Nebel, Wind und Kälte sind hier nicht nur im Winter zu Hause. „Deutsch-Sibirien” sagen die Einheimischen schon mal - und das nur halb zum Scherz.

Manche befürchten sogar, dass die Investitionen ins Gegenteil umschlagen und die Auslastung der kleinen Privatquartiere unter der staatlich geförderten Konkurrenz leiden könnte. Davon will Kurt Beck nichts hören: „Diese großartige Chance”, tönt der Ministerpräsident, „lassen wir uns nicht kleinreden.”

Walter Brühl

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