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Der letzte Kaffee für Graf Berghe von Trips

07.09.2011 | 17:24 Uhr
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Der letzte Kaffee für Graf Berghe von Trips
Wolfgang Graf Berghe von Trips in seinem Boliden. Am 10. September verunglückte der Formel-1-Pilot auf der Rennstrecke in Monza tödlich. Foto: imago

Düren.  Vor 50 Jahren, am 10. September 1961, verunglückte Formel-1-Pilot Wolfgang Graf Berghe von Trips in Monza tödlich. Am Wochenende starten die aktuellen Heroen des Rennsport auf der Strecke zum 13. WM-Lauf.

Deutschland, Anfang der 60er Jahre: Das Wirtschaftswunder kommt allmählich in Fahrt, da hat der Sport längst Höchstkonjunktur. Die 54er-Helden von Bern sind noch aktiv, von Hamburg aus strahlt der Stern des jungen Uwe Seeler immer heller. In Berlin boxt sich „Bubi“ Scholz hoch zum Idol, Armin Hary ist der schnellste Mann der Welt, Hans-Günther Winkler reitet sich zum Mythos. Die Konkurrenz ist groß. Doch an diesem 10. September 1961 fragen die deutschen Sportfreunde nur eines: Wird Wolfgang Graf Berghe von Trips es schaffen, wird er mit seinem Ferrari Weltmeister der Formel 1? Der erste Deutsche auf dem Automobil-Thron?

Der Traum endete tödlich.

Just in Monza, wo die aktuellen Formel 1-Heroen  um Sebastian Vettel am Wochenende zum 13. WM-Lauf startet, kam es vor 50 Jahren zu einer der größten Tragödien der deutschen Sportgeschichte – vielen ist sie als „schwarzer Sonntag“ in Erinnerung geblieben. Am besten erinnert sich vielleicht Hubert Oebels. Der inzwischen 87-Jährige aus Düren war nicht nur dabei, mit ihm trank von Trips unmittelbar vor dem Start seinen letzten Kaffee.

Den Unfall in Runde zwei, als der 33-jährige Graf aus dem rheinischen Kerpen-Horrem  auf der Anfahrt in die legendäre Parabolica-Kurve nach einer Kollision mit  Jim Clark aus seinem Ferrari geschleudert wurde und zusammen mit 15 Zuschauern starb, konnte Oebels von der Tribüne aus nicht unmittelbar sehen. Aber er sah den Rauch aufsteigen. „Es war schrecklich“, erzählt der Dürener, der in den 50ern selbst Rennen fuhr. „Als Trips nicht mehr am Ziel vorbeikam, ahnte ich, dass etwas Schlimmes passiert sein musste.“

Die beiden kannten sich mehr als gut: Wenige Monate zuvor hatten sie zu den Gründungsmitgliedern des illustren Rennfahrerklubs „Scuderia Colonia“ gehört, in dem bis heute überwiegend gut betuchte rheinische Motorsport-Freunde ihr Hobby pflegen. Beim letzten Treffen vor dem Unglücks-Grand-Prix hatte von Trips seine Klubkollegen eingeladen. „Was denn? Will keiner mitkommen?“, hatte er ungläubig gefragt, als sich zunächst niemand meldete. Ein Wochenend-Abstecher nach Italien war damals eben nicht so üblich wie heutzutage. Auch Oebels musste zweimal gebeten werden.

Dann aber schwang er sich in seinen Jaguar MK 2 und fuhr gen Süden. „Der Graf“, erzählt Oebels, „hatte versprochen, gute Karten zu besorgen. Am Tag des ersten Trainings war ich um halb acht am Eingangstor zur Rennstrecke. Was war ich erleichtert, als ich Trips von Weitem in seinem grünen Ferrari heranrauschen und mit den Tickets winken sah.“

Wolfgang Alexander Albert Eduard Maximilian Reichsgraf Berghe von Trips, wie er korrekt hieß, der letzte Spross eines niederrheinischen Adelsgeschlechts, galt zwar als etwas leichtsinnig, stets lustig, aber Verlass war auf ihn immer. Seine Rolle als Vorbild nahm von Trips ausgesprochen ernst. Er hielt Vorträge zum Thema Verkehrssicherheit und verstand den Motorsport auch als Schule für sicheres Fahren. Nachwuchsförderung gehörte zu seinen größten Anliegen.

Das erste Go-Kart

Vor allem aber brachte er von einer USA-Reise die ersten Go-Karts mit nach Europa. Gleich hinter Burg Hemmersbach entstand danach eine entsprechende Bahn – die Keimzelle für die Schule der späteren Weltmeister Michael Schumacher und Sebastian Vettel.

Lange vor Schumacher 1994 hatte von Trips die Hand schon am ersten WM-Triumph eines deutschen Fahrers. Seit 1957 fuhr er in der Königsklasse, nun vier Jahre später, vor dem Großen Preis von Italien lag er mit 33 Punkten vor seinem Ferrari-Kollegen Phil Hill (27 Punkte/USA) in Führung. Weil außer diesen beiden keiner mehr eine Chance besaß, hatte der italienische Rennstall sogar schon entschieden, die Reise zum letzten Saisonlauf in die USA zu streichen.

Nachdem von Trips seinen Ferrari auf die Pole Position gestellt hatte, sah für ihn alles wirklich optimal aus. Befürchtungen? Angst? Keine Spur.

Auf dem Weg zur Startaufstellung trank er mit Hubert Oebels in einer Bar noch einen Espresso – und vergaß dabei beinahe die Zeit. „Jetzt muss ich aber los.“ Mit diesen Worten, so der Dürener, sei von Trips plötzlich aufgesprungen. „Zahlst Du bitte meinen Kaffee?“, habe er beim Aufbruch gebeten, „ich zahl’ dafür heute Abend den Schampus.“ Es waren die letzten Worte, die Oebels von seinem Freund hörte.

Walter Brühl

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