Der Formel-1-Zirkus steckt in der Krise

Wunderbare Formel-1-Welt: Lewis Hamilton lässt sich als neuer Weltmeister feiern.
Wunderbare Formel-1-Welt: Lewis Hamilton lässt sich als neuer Weltmeister feiern.
Foto: Getty Images
Was wir bereits wissen
Lewis Hamilton ist verdient neuer Formel-1-Weltmeister. Der bis zum letzten Rennen packende Mercedes-interne Zweikampf mit Nico Rosberg ist aber auch das einzig Positive am Ende eines desaströsen Jahres für die Königsklasse des Motorsports. Ein Kommentar.

Essen.. Es war der eine verbliebene Albtraum von Mercedes: Bloß keinen technischen Defekt an einem der beiden Silberpfeile im entscheidenden Formel-1-Rennen. Bitte eine rein sportliche Entscheidung darüber, ob Lewis Hamilton oder Nico Rosberg neuer Weltmeister wird. Mercedes hatte Glück im Unglück: Nico Rosbergs Silberpfeil soff zwar im Verlauf des Grand Prix von Abu Dhabi regelrecht ab, aber das änderte nichts mehr am entscheidenden Eindruck: Lewis Hamilton ist der verdiente Weltmeister. Man kann es auch den Triumph des Instinkts nennen – kaum ein anderer Fahrer ist so auf Attacke gepolt wie er.

Mit dem WM-Titel für den besten Fahrer schafft die Formel 1 einen sportlich versöhnlichen Abschluss. Aber reicht das angesichts eines desaströsen Jahres, das den überzüchtet wirkenden Zirkus viele Sympathien gekostet hat? Es kriselt ja an allen Ecken und Enden. Kleine Rennställe wie Caterham und Marussia sind entweder pleite oder dicht davor. Etablierte Teams wie Williams, Sauber, Lotus und Force India hangeln sich irgendwie durch – obwohl Jahr für Jahr 800 Millionen Dollar im Jahr an Vermarktungsprämien ausgeschüttet werden. Aber das System sieht vor, dass die Antrittsprämie für Ferrari höher ist als der Etat eines Mitläufer-Rennstalls.

Formel-1-Boss Bernie Ecclestone bestimmt immer noch das Tempo

Womit man wieder einmal bei Bernie Ecclestone wäre. Der allgewaltige Formel-1-Boss bestimmt immer noch das Tempo. Er kann 100 Millionen Dollar an die bayrische Justiz zahlen, um seinen Bestechungsprozess ad acta zu legen. Er kann Russlands Präsident Wladimir Putin trotz Ukraine-Krise den gewünschten Grand Prix bescheren – nichts kratzt an der Alleinherrscherstellung eines 84-Jährigen.

Man könnte die Liste der Probleme endlos fortsetzen: Es fehlen charismatische Fahrer, es dominieren die immer gleichen zwei, drei Rennställe, und längst beherrscht die Technik den Fahrer. Ganz zu schweigen von der grundsätzlichen Frage, ob die gigantische Ressourcen-Verbrennung der Formel 1 noch in irgendeinem sinnvollen Verhältnis zu ihrer Bedeutung oder auch nur zu ihrem Unterhaltungswert steht.

Hamilton oder Rosberg? Der Milliarden-Zirkus Formel 1 steht längst vor existenzielleren Fragen als der nach dem nächsten Weltmeister.