Das Leiden des Nico Rosberg - Hamilton ist einfach schneller

Nico Rosberg
Nico Rosberg
Foto: Getty Images
Was wir bereits wissen
Mercedes-Pilot Nico Rosberg strebt nach Perfektion – schneller aber ist Lewis Hamilton unterwegs, der selten alles im Griff hat. Das sorgt für Frust.

Shanghai.. Nico Rosberg befindet sich im Aufholmodus, er steigert sich permanent – körperlich, strategisch, fahrerisch. Aber am Ende ist es häufig so, dass ganz oben auf der Zeitenliste und dem Podest der Formel 1 schon ein vergleichsweise unangestrengt wirkender Lewis Hamilton wartet. Das Bildnis von Hase und Igel mag zum Weltmeister und dem WM-Zweiten aber nicht so richtig passen, Hund und Katz’ ist vor dem dritten Saisonrennen am Sonntag (8 Uhr/RTL, Sky und in unserem Ticker) in Shanghai die passendere Beschreibung für das Verhältnis, nicht erst nach dem fatalen Rammstoß Rosbergs gegen Hamilton im letzten Herbst.

Auch wegen Vettel unter Druck

Der rüde Akt des Teamkollegen hatte den Briten damals scheinbar in die sportliche Aussichtslosigkeit befördert – aus der er im Finale dann doch als Weltmeister hervorging. Dieser Kraftakt wirkt auch noch nach in diese Saison, in die Hamilton nicht mit der standesgemäßen Zahl für den Champion geht, sondern mit der „44”, mit der er schon als Kart-Knirps seinen ersten Titel gewonnen hatte. Dahinter verbirgt sich die Botschaft, dass er sich sowieso für die Nummer eins hält. So tritt er auf, immer.

Das ärgert Nico Rosberg, Startnummer sechs, immens. Er weiß, dass er gleich gutes Material hat, er hält sich mental für ebenbürtig, er hat diese Saison zu seinem Rennjahr erklärt. Vor dem Großen Preis von China aber war der Gegenspieler zweimal in der Qualifikation vorn, hat ein Rennen gewonnen, war einmal Zweiter und führt die WM an. Vor Rosberg hat sich dann auch noch Sebastian Vettel geschoben. Damit steht der Wiesbadener mächtig unter Druck.

Das härteste Brot im Motorsport

Vergleiche gegen den Teamkollegen zu verlieren, das ist das härteste Brot im Motorsport. Das Selbstbewusstsein des 29-Jährigen scheint immer noch intakt. Mit Enttäuschungen umzugehen, hat er gelernt. Zumindest sieht das so aus. Und noch ist da auch ein großes Maß an Trotz. Bloß nicht zerbrechen.

Nico Rosberg war tatsächlich schon ganz nah dran, den zweiten Weltmeistertitel nach Papa Keke 1982 in die Familie zu holen, und er war sich vor dieser Saison sowas von sicher, das von ihm definierte fehlende letzte Quäntchen wettzumachen. Am Ehrgeiz und am Talent hat es ihm ohnehin nicht gemangelt, die drei Jahre an Michael Schumachers Seite in der Anlaufphase des Mercedes-Teams waren dazu der ideale Anschauungsunterricht für die Arbeitsweise mit den Ingenieuren.

In seiner zehnten Formel-1-Saison geht Nico Rosberg Strategie über alles: Tüfteln über die richtige Benzinmenge, Ausbalancieren der Abstimmung, die öffentlichen Auftritte ebenfalls bis ins Detail durchdacht. Fast scheint es, als ob er Improvisation fürchtet. Und genau auf dieser Ebene spielt sich die Auseinandersetzung mit dem Gegenspieler ab. Vernunft gegen Verwegenheit.

Einnahmen Hamilton hat nach einem perfekten 2014 privat nicht mehr alles im Griff, er arbeitet noch daran, auf die höchste Stufe seiner Fitness zu kommen, aber die Intuition funktioniert immer noch bestens. Nico Rosberg muss gegen aufkeimendes schlechtes Karma kämpfen: „Ich habe nur zehn Punkte Rückstand auf den WM-Spitzenreiter. Es gibt keinen Grund zur Panik.“

Sie können keine Freunde sein

Für ein möglichst gedeihliches Miteinander der beiden Rivalen, die schon lange keine Freunde mehr sein können, gibt es bei Mercedes einen Verhaltenskodex. Dazu gehört auch, dass die Kontrahenten ihre Fahrzeugabstimmung offenlegen. Der Benzinverbrauch spielt im Hybrid-Zeitalter eine große Rolle – ein paar hundert Gramm Sprit entscheiden über Sieg oder Niederlage. Immer wieder übernimmt Hamilton das Fahrzeug-Setup von Rosberg. Das mag den Deutschen ärgern, aber das Team macht es so. Und wenn Mercedes, um Rivale Ferrari in Schach zu halten, künftig unterschiedliche Strategien für sein Duo ausgibt, dann hat der Schnellere das Zugriffsrecht auf die bessere Variante. Damit wird der nötige Befreiungsschlag für Nico Rosberg wichtiger denn je.