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Das Ferrari-Rot wirkt in Monza reichlich blass

09.09.2011 | 20:03 Uhr
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Monza.  In Italien kriselt es - auch beim Vorzeige-Rennstall des Landes. Vor dem Heim-Grand-Prix hat Ferrari Sebastian Vettel in der WM-Wertung schon fast aus den Augen verloren. Die Unterlegenheit im Titelrennen nagt am Selbstbewusstsein der Scuderia.

Auf den ersten Blick ist von Krise nichts zu sehen. Der Himmel über Monza ist blau, auf dem Markt geht’s laut und munter um Obst, Fisch und Fleisch, in den Cafés klatschen und tratschen Frauen und Männer beim Espresso, die historischen Gebäude sind geputzt und geschmückt: Bella Italia – schön wie im Reiseprospekt. Aber hinter der Fassade ist die Stimmung getrübt. „Die Leute haben weniger Geld. Das spüren wir.“ Nadia Lovoi wirbt an einem Infostand für die große Party „Monza Piu“, die das Städtchen nördlich von Mailand am Wochenende während des Großen Preises von Italien (So., 14 Uhr/RTL und im Live-Ticker von DerWesten) feiert. „Motori, musici e spattacolo“, werden angekündigt – und auf den Straßen geht’s rund. Kein Wunder: Mitfeiern kostet nichts. Aber die 19-jährige Studentin glaubt: „Das Autodromo wird am Sonntag nicht so voll wie sonst. Die Tickets sind den Leuten zu teuer.“ Nicht einmal die Formel 1 bringt die Italiener dieser Tage richtig in Hochstimmung. Zumal ihr Nationalheiligtum Ferrari in dieser Saison auch keine großen Sprünge hinkriegt.

Selbst wenn am Sonntag in Monza der zweite Saisonsieg nach Fernando Alonsos Erfolg im englischen Silverstone gelingen sollte: Das traditionelle Rot der Scuderia wirkt in diesem Jahr reichlich blass. Mit derzeit 157 WM-Punkten hat der Spanier Spitzenreiter Sebastian Vettel (259) fast schon aus den Augen verloren. Inzwischen tauchen sogar Befürchtungen auf, dass die große Zukunftsvision der Italiener eventuell nie richtig zum Tragen kommt. Teamchef Stefano Domenicali hat diese Vision so beschrieben: „Fernando ist ein großer Gewinn für uns. Wir sind dabei, die Basis für eine starke und lang anhaltende Zukunft vorzubereiten.“

Im letzten Jahr die WM vermasselt

Mit dem zweimaligen Weltmeister aus Spanien sollte, so die Ferrari-Pläne, eine ähnliche Erfolgsgeschichte wie seinerzeit mit Michael Schumacher gestartet werden. Der hat mit den „Roten“ von 2000 bis 2004 bekanntlich fünfmal die WM gewonnen. Beinahe hätte es mit Alonso sogar gleich im ersten Anlauf geklappt. Im letzten Jahr setzten die Ferrari-Strategen die WM-Chancen des Spaniers durch eine völlig falsche Taktik beim Final-Rennen in Abu Dhabi in den Sand. Der Gegner hieß damals Sebastian Vettel. Und jetzt heißt er wieder Sebastian Vettel. Und der ist 24 – sechs Jahre jünger als der Ferrari-Mann.

Fernando Alonso hat dem Heppenheimer zu Beginn des Renn-Wochenendes in Monza sozusagen schon gratuliert. „Wenn du zum ersten Mal Weltmeister wirst, kannst du es zunächst gar nicht realisieren“, plauderte Alonso aus seiner eigenen Vergangenheit, „beim zweiten Mal bist du viel entspannter. Mit seinem großen Vorsprung ist Sebastian inzwischen sicher nicht mehr so auf den WM-Titel fokussiert. Er wird offener sein, entspannter und kann jedes einzelne Rennen mehr genießen.“

In Monza oft vorne

Klingt ganz so, als habe Alonso die WM 2011 längst abgehakt – auch wenn Ferrari in Monza stets ein Kandidat für Platz eins ist. Alonso hat hier im McLaren (2007) und im Ferrari (2010) gewonnen. „Die beiden Wochenenden waren überhaupt nicht miteinander vergleichbar“, erzählt er, „mit McLaren war’s ein normaler Sieg in einem normalen Rennen, mit Ferrari war’s Emotion pur.“

Ob er die „Ferraristi“ mal wieder so richtig in Ekstase bringen kann? In diesem Jahr wird’s schwierig – und auch in den nächsten Jahren wird’s ihm Sebastian Vettel nicht leicht machen. Was, wenn sich Alonso auch in Zukunft die Zähne an dem Heppenheimer ausbeißt? Dessen Vertrag mit Red Bull läuft bis 2014, Alonsos Kontrakt mit der Scuderia sogar bis 2016. Allerdings hat Vettel schon mal signalisiert, dass er sich einen Wechsel nach Italien durchaus vorstellen könnte. Einmal für Ferrari zu fahren sei das Ziel jeden Rennfahrers, hat Vettel einst gesagt. Er hat noch nie gesagt, für einen deutschen Rennfahrer sei es das Größte, einen „Silberpfeil“ zu pilotieren.

Walter Brühl

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