Moderner Fünfkampf: Schöneborn fehlt nur der WM-Titel

Lena Schöneborn zählt seit fast zehn Jahren zur Weltspitze im Modernen Fünfkampf. In der Erfolgsbilanz fehlt der Olympiasiegerin von 2008 nur der WM-Titel im Einzel. In Berlin versucht sie den nächsten Anlauf.

Berlin.. Ihren ersten Start hat sie am Dienstag in der Staffel, der Einzel-Wettbewerb folgt am Donnerstag mit der Qualifikation und am Samstag mit dem Finale.

Die 29-Jährige im Interview der Deutschen Presse-Agentur:

Die Modernen Fünfkämpfer müssen mit Regeländerungen leben. Nach Ihrem Olympiasieg wurde der Combined eingeführt. Bei der Heim-WM beginnen die Wettkämpfe mit Schwimmen statt mit Fechten, zudem erlebt das Bonusfechten eine WM-Premiere. Wie kommen Sie damit klar?

Lena Schöneborn: Ich bin jemand, der tut sich da vom Typ her schwerer als andere. Aber ich muss ja trotzdem damit klarkommen und pragmatisch daran gehen, wie ich meinen Ablauf ändern kann und mich an das Gefühl gewöhnen, wie ist es, nach dem Schwimmen zu fechten.

Neuerungen sind in Ihrer Sportart fast an der Tagesordnung.

Schöneborn: Grundsätzlich habe ich nichts gegen Änderungen einzuwenden. Für mich kommen sie oft nur sehr plötzlich. Diese neue Reihenfolge war zu Saisonanfang noch nicht klar. Ich plane halt gerne und weiß über Dinge im Detail Bescheid. Wenn ich zwei oder dreimal die Chance kriege, mich daran zu gewöhnen, dann kann ich mich auch anpassen.

Stärkt das Bonusfechten die Disziplin Fechten zusätzlich ?

Schöneborn: Nicht von den Punkten her. In der Normalrunde gibt es sieben Punkte für einen Treffer, für die Bonusrunde nur einen. Bereits in der letzten Saison hat sich geändert, dass es für einen Fehlstart im Schwimmen null Punkte statt Strafpunkte gibt. Das ist schon ziemlich happig. Also nicht wundern, wenn wir dann alle etwas länger auf dem Startblock warten, weil keiner riskieren möchte, eine komplette Disziplin wegen einer Zehntelsekunde in den Sand zu setzen.

Passieren Fehlstarts im Schwimmen häufig ?

Schöneborn: Letzte Saison habe ich das nur zweimal erlebt, das ist dann enorm ärgerlich. Da müsste man auch auf die Verhältnismäßigkeit gucken. Beim Reiten kann ich einmal vom Pferd runterfallen, erst beim zweiten Sturz gibt es null Punkte.

Das Reiten auf einem zugelosten Pferd ist für Sie das A und 0. In London 2012 gab es viele Stürze. Ist das Glückssache ?

Schöneborn: Der Vorteil ist, bei den Stürzen trifft es fast alle mal. Wir sind auf einem Niveau, wo sich das Pferd auf uns verlässt. Wenn ich den Fehler mache, dann macht das Pferd den Fehler auch. Es gibt bei uns einige junge Athletinnen, denen die Erfahrung fehlt. Sitzen die auf einem gutmütigen Pferd, das man nur lenken muss, dann hilft das Pferd manchmal selber noch mehr, als wenn ich darauf sitze und bestimmen möchte, aber die Distanz zum Sprung falsch einschätze.

Sie leben und trainieren seit zehn Jahren in Berlin, starten aber für Bonn. Warum ?

Schöneborn: Ich komme eigentlich aus Niederkassel, dort bin ich auch zur Schule gegangen. Nach Bonn fuhr ich immer zum Training, und auch nach dem Wechsel nach Berlin fühlte ich mich beim Bonner Club immer noch sehr aufgehoben. In Berlin gab es auch keinen Druck. Die haben gesagt, kannst kommen. Bonn ist mein Heimatverein, da habe ich angefangen, und das ist eine besondere Verbundenheit. Da würde ich jetzt auch nicht für irgendwelche Summen den Verein wechseln.

Hat Felix Magath Ihnen schon Glück für die WM gewünscht ?

Schöneborn: Nein, noch nicht. Nach unserem gemeinsamen Werbespot hatten wir noch für einige Zeit Kontakt, aber zuletzt nicht mehr.

ZUR PERSON: Lena Schöneborn errang ihren größten Erfolg 2008 in Peking, wo sie Olympiasiegerin im Modernen Fünfkampf wurde. Im Vorjahr siegte sie bei der Europameisterschaft in Ungarn. Der WM-Titel im Einzel fehlt noch in der Medaillensammlung der 29 Jahre alten Mehrkämpferin.