Modern ist anders

Der Fußball-Bundesligist FC Schalke 04 trennt sich also von Trainer Roberto Di Matteo.

Das stimmt doch, oder? Nun, ja.

Der Verein allerdings hüllte sich bis zum Montagabend in Schweigen und bestätigte diese Personalie nicht. Der Auflösungsvertrag ist demnach noch nicht ausverhandelt und unterschrieben. Womit ein Problem des Klubs wieder offen zu Tage getreten ist: Stets plaudert irgendjemand voreilig, viel zu selten werden wichtige Entscheidungen in den Gremien verschwiegen behandelt. Allzu häufig ist es sogar Clemens Tönnies, Vorsitzender des Aufsichtsrates und Klub-Patron, der losposaunt.

Clemens Tönnies ist auf seine Art und Weise ein erfolgreicher Geschäftsmann. Einer, den trotzdem der Ruf umgibt, ein guter Kumpel sein zu können. Er gibt sich hemdsärmelig, er stellt sich mit den Kuttenträgern in die Kurve und schmettert inbrünstig jedes Vereinslied des FC Schalke 04 mit.

So einen müssen die Fans in Königsblau doch mögen.

Sie mögen ihn aktuell allerdings nicht mehr allzu sehr. Denn Tönnies mischt sich nicht nur zu oft in das sportliche Tagesgeschäft ein, nein, er prahlt damit auch noch. Und demontiert so seine leitenden Angestellten wie zum Beispiel Manager Horst Heldt.

Moderne Unternehmensführung geht anders.

Moderner Fußball geht allerdings auch anders.

Der FC Schalke 04 - im Mai 2015 gibt dieser emotionale Klub mit jeder Menge Potenzial rund um die Profi-Mannschaft deshalb ein erbärmliches Bild ab.

Horst Heldt hat diese Truppe zusammengestellt, Clemens Tönnies viele Personalien goutiert, wenn nicht sogar initiiert - auch die Inthronisierung Roberto Di Matteos. Der angebliche Star-Trainer verbesserte in seiner Amtszeit keinen Spieler, seine Spielidee war nie zu erkennen, wenn es je eine gab.

Die Königsblauen benötigen keinen Trainer mit international klingendem Namen. Der Klub benötigt einen, der seine Philosophie vermitteln kann. Einen, wie ihn Leverkusen in Roger Schmidt fand oder Augsburg in Markus Weinzierl oder Paderborn in Andre Breitenreiter.

In erster Linie benötigt der FC Schalke 04 aber eine Führungsspitze, mit weitaus weniger Hang zur Selbstdarstellung.