Mit einer Hand im Achtelfinale

Doha..  Nach bestandener Reifeprüfung feierten die deutschen Handballer mit Luftsprüngen den zweiten WM-Coup, Bundestrainer Dagur Sigurdsson nahm nach dem Nervenkrimi zufrieden auf der Bank Platz. In einem hochdramatischen Spiel kamen seine Spieler beim 27:26 (9:13) gegen Russland zu ihrem zweiten Sieg im zweiten Gruppenspiel der Weltmeisterschaft in Katar und bewiesen mit einer tollen Aufholjagd in der zweiten Halbzeit Moral.

Am Dienstag gegen starke Dänen

Mit vier Punkten übernahm die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) damit auch die Tabellenführung in der Vorrundengruppe D und liegt klar auf Achtelfinal-Kurs. Vor nur rund 3500 Zuschauern in der riesigen Lusail Multipurpose Hall in Doha warf Kapitän Uwe Gensheimer neun Tore. Nächster Gegner ist am Dienstag (19 Uhr MEZ/Sky) Mitfavorit Dänemark, der gegen das überforderte Team von Saudi-Arabien einen 38:18 (20:6)-Kantersieg schaffte.

„Die Erleichterung ist riesig. Das war anstrengend. Man hat gesehen, dass wir als Mannschaft zusammenstehen, egal, ob wir mit drei oder vier Toren hinten liegen“, sagte Deutschlands Torhüter Silvio Heinevetter. Der frühere Weltmeister-Trainer Heiner Brand, Sportmanager beim Deutschen Handballbund, fand die Leistung „nicht so überzeugend wie im ersten Spiel“, fügte allerdings hinzu: „Aber solche Spiele muss man auch gewinnen. Jetzt haben wir am Dienstag vielleicht schon das Spiel um den Gruppensieg. Carsten Lichtlein hat in den entscheidenden Phasen wichtige Bälle gehalten.

Vom Spiel um den Gruppensieg wollte Sigurdsson aber noch nichts wissen. „Wir machen das so weiter wie bisher, machen unsere Vorbereitung und halten den Fokus“, sagte der Isländer.

Diesmal war es deutlich enger als beim 29:26 zum WM-Auftakt gegen Polen. Nach einem Vier-Tore-Rückstand zur Pause lag das DHB-Team kurz vor Schluss mit drei Toren Vorsprung in Führung, ehe die Russen aufdrehten. Doch das letzte Zuspiel ging ins Leere, so dass der knappe Sieg der Deutschen feststand.

Es war ein schweres Stück Arbeit, wie es Sigurdsson vorausgesagt hatte. Er habe schon seit der Auslosung kein gutes Gefühl gehabt, verriet er, und dieses Gefühl trog ihn zunächst nicht. Von Beginn an lief sein Team einem Rückstand hinterher. Schon beim 3:5 (12.) nahm der Bundestrainer eine erste Auszeit und versuchte, seine Spieler wachzurütteln.

Mit einem anschließenden Zwischenspurt glich die DHB-Auswahl zum 6:6 (16.) aus. Doch statt nun konzentrierter zu Werke zu gehen, erwies sich die Phase nur als Strohfeuer. Vor allem die Angriffsschwäche, die nach den letzten Testspielen und dem Erfolg über Polen überwunden zu sein schien, machte dem deutschen Team zu schaffen. Nur jeder zweite Wurf landete im russischen Tor. Selbst in personeller Überzahl kassierte Deutschland durch leichtfertige Ballverluste im Angriff Gegentore.

Aufholjagd gekrönt

Sigurdsson versuchte gegenzusteuern, doch vor der Pause fruchteten alle Maßnahmen nicht. Mit 9:13 ging es in die Halbzeit.

In dieser Pause fachsimpelten Heiner Brand und Martin Schwalb, der den HSV Hamburg zum Champions League-Sieg geführt hatte, über die Schwächen im deutschen Team. „Aus dem Rückraum fehlt der Druck, außer von Weinhold. Da muss mehr Power von hinten kommen“, sagte Brand.

Auch Sigurdsson hatte die Schwächen erkannt, für die zweite Halbzeit justierte er sein Team neu. Mit mehr Mut und Entschlossenheit ging die deutsche Mannschaft nun zu Werke, sie schaffte beim 14:14 (35.) zum zweiten Mal in diesem Spiel den Ausgleich. Stefan Kneer krönte die Aufholjagd in Überzahl mit dem Treffer zum 18:17 (41.) und der ersten Führung.

Beim 25:22 (51.) lag das DHB-Team sogar schon mit drei Toren vorn, es musste aber noch bis zum Ende um den Erfolg kämpfen.