Martin verpasst Gelbes Trikot bei Tour-Auftakt nur knapp - "Hitze hat mich abgetötet"

Martin verpasst Gelbes Trikot um fünf Sekunden - Dennis Auftaktsieger
Martin verpasst Gelbes Trikot um fünf Sekunden - Dennis Auftaktsieger
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Was wir bereits wissen
Radprofi Tony Martin hat das erste Gelbe Trikot seiner Karriere bei der Tour de France um fünf Sekunden verpasst. Der dreimalige Zeitfahr-Weltmeister scheiterte am Samstag zum Auftakt der 102. Frankreich-Rundfahrt in Utrecht an Ex-Stundenweltrekordler Rohan Dennis.

Utrecht.. Tony Martin hat es nicht geschafft. Der dreimalige Zeitfahrweltmeister verpasste das so sehr ersehnte erste Gelbe Trikot seiner Karriere bei der Tour de France um fünf Sekunden. Der 30 Jahre alte Wahlschweizer scheiterte bei tropischer Hitze in Utrecht beim 13,8 Kilometer langen Zeitfahren an Ex-Stunden-Weltrekordler Rohan Dennis. Der früh gestartete Australier fuhr in 14:56 Minuten die Bestzeit und blieb als einziger der 198 Starter unter 15 Minuten.

"Ich bin mehr als enttäuscht. Zweite Plätze zählen für mich nicht mehr - ich wollte unbedingt mein erstes Gelbes Trikot. Ich habe es nicht geschafft. Ich muss damit leben, dass die Hitze mich abgetötet hat", sagte der enttäuschte Martin am Samstag in der ARD. In den vergangenen beiden Jahren hatte sich jeweils Sprinter Marcel Kittel Gelb zum Tour-Auftakt geholt. Tour de France

"Sicherlich ist mir auf der zweiten Hälfte auf den langen Geraden, was sonst mein Ding ist, die Kraft ausgegangen", analysierte er seine Fahrt. Stattdessen holte Dennis, der von Februar bis Mai den Stundenweltrekord hielt, sein erstes Gelbes Trikot und fiel seiner Frau vor Freude in die Arme.

In Utrecht herrschte am Samstag Ausnahmezustand

Martin hatte sich seit Saisonbeginn akribisch auf den für ihn magischen 4. Juli vorbereitet. Der dreimalige Champion im Rennen gegen die Uhr fuhr bei 37 Grad seine Muskulatur vor seinem Start hinter zwei Ventilatoren warm. Aber die drückende Hitze war unerbittlich. Auch dem drittplatzierten Fabian Cancellara (+6 Sekunden) setzten die extremem Temperaturen zu, "aber darunter litten ja alle", sagte der Schweizer, der vielleicht seine letzte Tour bestreitet.

In Utrecht herrschte am Samstag Ausnahmezustand. In die 150 000-Einwohner-Stadt waren Behörden-Schätzungen zufolge rund eine Million Besucher geströmt. Die Fans standen zum Teil in Zehner-Reihen hinter den Absperrgittern am Rand der Strecke. Der Kurs forderte wenig technische Feinheiten und war eigentlich ganz nach dem Geschmack so kraftvoller Fahrer wie Martin oder Cancellara. [kein Linktext vorhanden]

Der sechste Start in den Niederlanden in der Tour-Geschichte war überschattet von einer neuerlichen Affäre des Astana-Teams. Teamchef Alexander Winokurow hatte den Niederländer Lars Boom fahren lassen, obwohl dieser durch einen zu niedrigen Cortisolwert im Gesundheitscheck aufgefallen war. Nach den Richtlinien der MPCC, der Bewegung für einen glaubwürdigen Radsport, der Astana beigetreten ist, hätte Boom eine achttägige Schutzsperre absitzen müssen.

Aber Winokurow, der als Aktiver 2007 als Doper überführt und gesperrt worden war, setzte sich darüber hinweg und verwies auf die Richtlinien des Weltverbandes UCI. Ein erhöhter Cortisolwert ist nicht zwingend ein Anzeichen für Doping, Boom setzte offensichtlich ein durch ein ärztliche Attest gedecktes Kortison-Spray ein. (dpa)

2. Tour-Etappe: Greipel und Co. hoffen auf den ersten Massensprint

Vom Profil her ist die zweite Etappe der Tour de France wie geschaffen für die Sprinter um Mark Cavendish und André Greipel. Doch Vorsicht ist am Sonntag geboten. Auf den letzten 40 der 166 Kilometer von Utrecht nach Zélande geht es über drei Deiche die Küste entlang. Gerade wenn es windig ist, kann das Feld schnell auseinanderreißen. So dürften sich auch die tempoharten Klassikerspezialisten eine Chance ausrechnen.

Läuft aber alles nach Plan, kommt es zum ersten Massensprint der 102. Tour. Die Zielgerade ist lang gezogen und ideal für Teams wie Etixx-Quick Step oder Lotto-Soudal, um ihren Sprintzug in Szene zu setzen. (dpa)