Marathon-Neuling Arne Gabius will ganz nach vorne

Arne Gabius hat sich für seine Marathon-Premiere in Frankfurt viel vorgenommen.
Arne Gabius hat sich für seine Marathon-Premiere in Frankfurt viel vorgenommen.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Der Stuttgarter Arne Gabius ist Arzt, doch der EM-Zweite über 5000 Meter lebt vom Laufen. Sonntag gibt der beste deutsche Langstreckler der vergangenen Jahre sein Marathon-Debüt in Frankfurt. Ohne Demut, aber mit großen Zielen will sich der 33-jährige in die Liste der Marathon-Finisher einreihen.

Essen.. Arne Gabius ist ein blutiger Anfänger. Der 33-jährige ist zwar der beste deutsche Langstreckler der vergangenen Jahre, doch allein 2013 hatten 107 000 Läufer in Deutschland dem Vize-Europameister von 2012 über 5000 Meter eine Erfahrung voraus. Am Sonntag will sich Gabius beim Lauf durch Frankfurts Straßen auch in die lange Liste der Marathon-Finisher einreihen. Ganz vorn.

„Ich peile eine Zeit von 2:10 bis 2:12 Stunden an“, hat Gabius angekündigt. Um diese mutige Ansage richtig einordnen zu können, zwei kleine Hinweise: Unter 2:10 Stunden sind überhaupt erst fünf Deutsche gelaufen. Und der Schnellste in diesem Jahrtausend war Andre Pollmächer: mit 2:13:05 Minuten. Andere hätten vor ihrer Marathon-Premiere gesagt, ich werde mein Bestes geben und sehen, was auf der Strecke möglich ist. Doch solche schwammigen Prognosen sind nicht das Ding des Arne Gabius.

„Von Demut halte ich nicht viel“, erklärt er, „man muss versuchen, über sich hinaus zu wachsen. Wer sich Grenzen setzt, kann keine Mauern einreißen.“ Hat er keine Angst, bei seinem ersten Ausflug auf die Königsstrecke für die fehlende Demut bitter bestraft zu werden? Schließlich lauert auf jedem der 42195 Meter eine Überraschung. Nicht nur Hobbyläufer, auch so mancher prominente Umsteiger hat plötzlich den berüchtigten „Mann mit dem Hammer“ gesehen. So wie Dieter Baumann, der sich zehn Jahre nach seinem Olympiasieg über 5000 Meter auf den Marathon-Kurs wagte, nach 30 Kilometern einbrach – und aufgab.

Kommentar „Ich habe vor nichts Angst“, beantwortet Gabius die Demut-Frage. „Ich freue mich einfach auf den Lauf, weil ich alles dafür getan habe.“ Wer sich mit dem gebürtigen Hamburger, der in Stuttgart lebt, unterhält, erlebt einen selbstbewussten Sportler, der weiß, was er kann und dementsprechend hohe Anforderungen an sich selbst stellt. Neun Wochen hat er sich auf den Frankfurt-Marathon vorbereitet. Das ist nicht viel. Vor allem für einen Neuling. „Viele machen aus ihrem Umstieg auf den Marathon eine große Sache und konzentrieren sich ein halbes Jahr darauf“, sagt Gabius. „Das ist nichts für mich. So entstehen nur Mauern im Kopf.“

250 Kilometer pro Woche

Kurz aber heftig, so könnte man die Herangehensweise an sein 42,195 Kilometer langes Experiment bezeichnen. Über 250 Kilometer hat er in der Spitze pro Woche trainiert. So manches Auto läuft weniger auf unseren Straßen. Und aus dem vollen Training heraus hat Gabius noch einige Wettkämpfe bestritten. Mit geradezu beängstigenden Resultaten. So beim 10-Kilometer-Straßenlauf in Berlin, bei dem er sich in 28:08 Minuten auf Platz vier der ewigen deutschen Bestenliste schob.

Leichtathletik Nicht nur in seinen mutigen Prognosen unterscheidet sich Gabius von den meisten Konkurrenten. Gabius kocht sozusagen mit Wasser. „Ich werde am Sonntag in Frankfurt nichts essen und weder Energiedrinks noch Gels zu mir nehmen“, sagt er. „Als kleinen Notanker habe ich bei Kilometer 35 eine Cola ohne Kohlensäure deponiert.“ Der fertige Mediziner trainiert sich seit der Trennung von Dieter Baumann vor drei Jahren selbst, lässt sich aber vom Italiener Renato Canova beraten. „Irgendwann werde ich als Arzt arbeiten. Das ist eine Absicherung“, sagt er. „Aber im Moment ist Medizin mein Hobby und Laufen mein Beruf.“ Für einen deutschen Langstreckler gibt es bei den großen Bahn-Wettkämpfen angesichts der starken Afrikaner nichts zu verdienen. „Da wird mir Flug und Hotel erstattet. Für Platz zwölf kriege ich dann 300 Dollar. Am Ende bleiben 100 Euro übrig. Davon kann man nicht leben.“

Das Geld liegt für ihn auf der Straße: Bei Cityläufen in Deutschland, Holland oder Belgien. Und auch der Marathon bringt Geld. Sein Debüt in Frankfurt interessiert viele Fans mindestens so sehr wie die Siegerzeit der Afrikaner, die vor Gabius ankommen werden. So erhält er ein gutes Antrittsgeld und eine Prämie, gestaffelt nach dem Ergebnis. Im Training ist er schon mal 42 Kilometer in 2:32 Stunden gelaufen. „Die fehlenden 195 Meter habe ich mir für den Ziel-Einlauf in die Frankfurter Festhalle aufgehoben“, sagt Gabius. Er weiß, dass er sich am Sonntag an seinen Taten und nicht an seinen Worten messen lassen muss.