Manuel Neuer verpasst die Krönung zum Weltfußballer

Zürich..  Erst posierten sie einträchtig für die Fotografen, dann musste Manuel Neuer nach der verpassten Krönung zum Weltfußballer notgedrungen dem schon wieder triumphierenden Cristiano Ronaldo beim Solo-Jubel zusehen. Der Blitztrip des 28 Jahre alten Weltmeisters aus dem Trainingslager des FC Bayern München in Katar wurde bei der FIFA-Gala am Montag in Zürich nicht mit der historischen ersten Auszeichnung eines Torhüters belohnt.

Joachim Löw war dagegen mit der Wahl zum Welttrainer die erfolgreiche Abrundung des Traumjahres 2014 vergönnt. „Die Auszeichnung ist für mich natürlich eine große Ehre“, sagte der 54-Jährige in seiner Dankesrede. Den deutschen Erfolg an diesem Abend komplettierten die Wolfsburger Nadine Keßler als Weltfußballerin und Ralf Kellermann als Welttrainer für Damen-Teams. Beide beschränkten sich jedoch in ihrer Freude über die Auszeichnung und erinnerten an den tödlich verunglückten Fußballer Junior Malanda. „Es war keine einfache Situation für den Verein. Wir haben lange überlegt, ob wir an der Gala teilnehmen werden. Wir haben aber im Sinne des Fußballs und von Malanda gehandelt“, sagte Kellermann.

Zum insgesamt dritten Mal nach 2008 und 2013 durfte Portugals Tormaschine Ronaldo auf der Bühne strahlend den Goldenen Ball in Händen halten. Mit der Rekordzahl von 17 Toren hatte der 29-Jährige Real Madrid in der vergangenen Saison zum Gewinn der Champions League geschossen. Das überstrahlte bei den abstimmenden Nationaltrainern, Kapitänen und ausgewählten Journalisten rund um den Erdball den Titelgewinn Neuers bei der WM sowie dessen Paraden und spektakuläre Ausflüge als Libero, die während des Turniers in Brasilien weltweit bestaunt geworden waren. „Die Besten haben dort gewonnen, die Deutschen waren die Stärksten“, sagte selbst Ronaldo.

Der 1991 siegreiche Lothar Matthäus bleibt weiterhin Deutschlands einziger Weltfußballer. Rekordsieger Lionel Messi, der von 2009 bis 2012 viermal nacheinander gewonnen hatte, war am Montag ebenfalls eine Randfigur, lag aber als Zweiter auch noch vor Neuer. Stunden vor der Entscheidung hatte der Torwart des FC Bayern schon faire Worte der Wertschätzung für den siegreichen Konkurrenten gefunden: „Er hat ein Klassejahr hinter sich. Er war der Schlüssel für Real Madrid, dass sie die Champions League gewonnen haben“, sagte Neuer.

Er war gespannt am Morgen im Privatjet aus dem 4500 Kilometer entfernten Doha in die Schweiz geflogen. Die stillen Hoffnungen auf die Weltpremiere als Torwart beim Ballon d’Or erfüllten sich für den gebürtigen Gelsenkirchener, der im eleganten schwarzen Anzug auf die Bühne trat, aber nicht. Am Dienstagmorgen um 9 Uhr fliegt der Schlussmann von Zürich zurück ins Bayern-Trainingsquartier nach Doha.