Magischer Abend am Seilersee

Iserlohn..  Mike York war der erste Gratulant. Mit erhobenen Armen raste er auf Nicholas Petersen zu, schnappte sich den verdutzten Torschützen und umarmte ihn herzlich. Irgendwie schien der große alte Mann der Iserlohn Roosters zu ahnen, dass dieser Abend ein ganz besonderer werden würde. Nicht nur für ihn. Nicht nur für die begeisterten Fans in der Halle am Seilersee - so lange sie nicht der bitter enttäuschten rot-gelben Minderheit aus Düsseldorf angehörten. Sondern ganz besonders für Petersen, den vor der Saison aus Schwenningen ins Sauerland gewechselten Kanadier, der schon einige gute Spiele für die Roosters absolviert hatte, der aber in dieser Partie regelrecht über sich hinauswuchs.

Drei Tore und drei Vorlagen standen schließlich für ihn zu Buche. Drei Tore und drei Vorlagen, die ihn zum Mann des Abends machten. Zum Derbyhelden. Zum besten Mann auf dem Eis beim 8:1-Sieg des IEC gegen den Westrivalen aus der Landeshauptstadt, der ein wahres Déjà-vu erlebte. Schließlich hatte er am 28. September bereits eine 0:8-Niederlage am Seilersee kassiert. Am Ende blieb den Gästen so nur noch eine gehörige Portion Galgenhumor. „Das Ergebnis ist immerhin um ein Tor besser als beim letzten Mal“, stöhnte DEG-Trainer Christoph Kreutzer.

Freilich war es aber nicht Petersen alleine, der für diesen magischen Abend verantwortlich war. Viel mehr war der 25-Jährige Teil eines unhaltbaren Trios, das Regisseur York und vor allem Dylan Wruck komplettierten. Denn auch der Jungstar der Iserlohner schwang sich zu einer erstaunlichen Leistung auf und sammelte ebenfalls sechs Scorer-Punkte.

So war es kein Wunder, dass Trainer Jari Pasanen nach dem Spiel regelrecht ins Schwärmen geriet. „Das war ein grandioses Spiel“, lobte er. „Wir hatten am Anfang zwar auch ein bisschen Glück, als Torwart Mathias Lange unser bester Mann war, aber dann haben wir aufgezogen und wie ein Spielzeugauto gespielt.“

Besonders galt das für Petersen, der die Weichen mit seinem Doppelpack in der elften und zwölften Minute früh auf Sieg stellte. Erst traf er mit einem satten Handgelenksschuss ins obere rechte Ecke, 61 Sekunden später zirkelte er nach tollem Zuspiel von York die Scheibe aus Kurzdistanz in die linke Ecke und „musste“ anschließend die Jubel-Attacke des Routiniers über sich ergehen lassen.

Was folgte, war ein regelrechter Rausch, in den sich die Iserlohner spielten. Puck um Puck musste DEG-Goalie Tyler Beskorowany passieren lassen - bis der derzeit beste Keeper der Liga mürbe geschossen war und Lukas Lang Platz machte, der allerdings auch keine bessere Figur machte.

Jari Pasanen blieb dennoch gelassen. „Das war ein Big-point-game“, gab er zwar zu, viel mehr Emotionen gestattete er sich aber nicht mehr. „Wir müssen jetzt auf dem Boden bleiben“, sagte er „und aus den Erfahrungen lernen.“ All zu oft ließ der IEC schließlich grandiosen Siegen bittere Niederlagen folgen und das soll, so der finnische Trainer, „diesmal in Augsburg nicht passieren.“ Wenn York, Wruck und Petersen so wirbeln wie gegen die DEG, dürfte das gelingen.