Rio de Janeiro statt Bundesliga

Schon mehrfach duellierten sich die Judoka der SU Annen mit dem Serienmeister TSV Abensberg (heri Benny Behrla, re., im Bundesliga-Viertelfinale 2013 gegen Lukasz Krpalek).
Schon mehrfach duellierten sich die Judoka der SU Annen mit dem Serienmeister TSV Abensberg (heri Benny Behrla, re., im Bundesliga-Viertelfinale 2013 gegen Lukasz Krpalek).
Foto: Oliver Schinkewitz
Was wir bereits wissen
20 Mal schon ist der TSV Abensberg Deutscher Meister geworden - 13-mal davon in Serie. Jetzt zieht der Club sein Top-Team zurück.

Witten..  Ein gutes, neues (Judo-)Jahr sieht anders aus: Kurz vor der deutschen Einzel-Meisterschaft am kommenden Wochenende - 24./25. Mai - in Bonn sorgte der deutsche Abonnements-Meister TSV Abensberg für einen Paukenschlag und jede Menge Gesprächsstoff. Der 20-malige Titelträger kündigte an, dass er sein Team aus der Bundesliga zurückzieht. Somit wird es im Herbst einen neuen Titelträger geben. Nach 13 Abensberger Siegen in unmittelbarer Folge.

Der Grund: Die 23 unter Vertrag stehenden Judoka, die beste Chancen auf eine Olympia-Teilnahme 2016 in Rio haben, sollen sich in aller Ruhe und ohne den Zwang, für ihre Erstliga-Einsätze stets Gewicht machen und zusätzliche Reisen unternehmen zu müssen, auf den sportlichen Einzel-Höhepunkt im nächsten Jahr vorbereiten. In diesem und im nächsten Jahr stehen die wichtigen Qualifikations-Turniere auf dem Programm.

„Wir verstehen, dass dem DJB und seinen Bundestrainern wegen des stark angewachsenen internationalen Terminplanes zur Qualifikation für Rio 2016, dem Ergebnisdruck bei den Olympischen Spielen und der damit verbundenen Finanzierbarkeit des Judosports über Jahre hinweg, derzeit keine funktionierende Lösung für die Bundesliga abzuringen ist“, heißt es in der Presse-Erklärung des Rekordmeisters.

Olympia 2016 geht vor

Man stelle deshalb die eigenen Interessen hinter die Wichtigkeit der Olympischen Spiele und den Interessen des nationalen Verbandes zurück, fordere aber gleichzeitig auch Veränderungen. So sei die neue Vermarktungsstrategie des Deutschen Judo-Bundes, der Werbe- und Fernsehrechte am Bundesliga-Finale für sich beansprucht, für den Meister nicht hinnehmbar. Abensberg musste 2014 beim „Final-Four“ im eigenen Dojo bereits 15 000 € hinzuschießen, um die Kosten zu decken.

Ferner will sich der siebenmalige Europacup-Sieger seinen guten Ruf nicht durch eine Rumpf-Truppe kaputt machen. Dem Judo-Dominator der letzten 22 Jahre mit 20 Meistertiteln blieben nach Abzug der nationalen wie internationalen Olympia-Kandidaten lediglich sieben deutsche Bundesliga-taugliche Kämpfer, was angesichts der vorgeschriebenen drei Umbesetzungen in der Kampfpause zu wenig ist. Weder reiche das, um in der 1. Liga bestehen, noch den eigenen Anforderungen auch nur annähernd gerecht werden zu können, so das Mantra des Meisters, der ein nationales Umdenken fordert. „Dieser Schritt ist ein Hammer“, kommentierte SU Annens Geschäftsführer Matthias Kiehm spontan. „Man darf gespannt sein, wie es jetzt weiter geht.“

Für die Mannschaft um den gerade frisch nach Bayern gewechselten Ex-Annener André Breitbarth geht es erst einmal zurück in die Regionalliga, in die die zweite Mannschaft gerade aufgestiegen war. Bereits 2017 will der TSV dann wieder in der Bundesliga zurück sein. Was angesichts der schier unglaublichen Tatsache, dass dem Vernehmen nach alle Stars bleiben wollen, beinahe zwangsläufig so sein dürfte.

Abensbergs Sponsoren unterstützen alle ihre Judoka finanziell weiter wie bisher. Mit ihnen will der neue Regionalligist schließlich noch das Europa-Cup-Finale 2015 - möglichst im eigenen Dojo - bestreiten und auch gewinnen. Nur das „Abo“ als deutscher Mannschafts-Meister, das verlängern die Niederbayern sicher nicht.