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Portugal SV Witten ist ein multikultureller Fußballverein

07.02.2016 | 19:42 Uhr
Portugal SV Witten ist ein multikultureller Fußballverein
Marques Ribeirinho (re.) und Augusto Lopes (2.v.li.) sind PSV-Gründungsmitglieder.Foto: Manfred Sander

Witten.   Im Frühjahr feiert der Klub sein 40-jähriges Bestehen. Angeworbene Gastarbeiter waren die Gründungsväter. Freitags gibt’s Sardinen und Currywurst.

Als Gastarbeiter kamen die Gründer des Portugal SV Ende der 1960er Jahre nach Witten. Im März feiert der Fußballverein sein 40-jähriges Bestehen. Dann feiern nicht nur die Portugiesen, sondern Mitglieder verschiedener Nationen. „Wir sind multikulturell“, sagt der Vorsitzende Alex Vicente (51). Den Aufstieg in die Bezirksliga versemmelten einst die Griechen.

Augusto Lopes (66) sitzt im Vereinsheim, trägt eine Mütze in den portugiesischen Nationalfarben Rot und Grün. Lopes ist Ehrenmitglied beim Portugal SV Witten. 1976 war er Teil der Gründungsmannschaft, seitdem dreht sich ein großer Teil seines Lebens um den Verein. Angeregt diskutiert Lopes mit Marques Ribeirinho (69). Er gehörte neben Manuel Correira da Silva und Americo Vicente, Vater des heutigen Vorsitzenden Alex Vicente, zum ersten Vorstand des PSV. Debattieren können die Portugiesen, das stellt man hier schnell fest. Dass es in der Diskussion um den Klub geht, das verraten die Gesten. Beide unterhalten sich auf Portugiesisch. Obwohl sie schon viele Jahre in Deutschland leben, fällt ihnen die deutsche Sprache schwer.

Kinder in Deutschland aufgewachsen

Die Frage, warum sie nicht wie viele andere ihrer Landsmänner zurück nach Portugal gegangen sind, beantwortet Lopes, indem er den Daumen an Zeige- und Mittelfinger reibt. Heißt: des Geldes wegen. Das ist allerdings nur die halbe Wahrheit, wie Aqmindo Goncalves Marques erklärt: „Unsere Kinder sind hier geboren und zur Schule gegangen, später haben sie hier studiert. Mit meinem Arbeitsplatz und meinen Kollegen war ich sehr zufrieden. Also warum hätte ich zurück nach Portugal gehen sollen?“

Zumal es an der Ruhr reichlich Kontakt zu anderen Portugiesen gab. Alex Vicente schätzt, dass zwischenzeitlich 1500 in Witten lebten. Sie waren von den Firmen als Gastarbeiter angeworben worden. Anfang der 70er Jahre spielte zunächst ein portugiesisches Team als dritte Mannschaft des VfL Witten. Nach einem Spaßspiel zwischen Junggesellen und verheirateten Männern aus Portugal entstand aus einer Bierlaune heraus die Idee zu einem eigenen Verein. Diese wurde im März 1976 in die Tat umgesetzt.

Anfangs waren alle Mitglieder Portugiesen. Heute ist das längst nicht mehr so. Für den PSV laufen Deutsche, Griechen und Türken auf. „Alle Nationen sind bei uns herzlich willkommen“, sagt Alex Vicente. Rüdiger Schwärzell, der Name verrät seine Herkunft, ist seit über 20 Jahren im Verein und heute 2. Vorsitzender. Der Portugiesische Lebensstil ist aber unverkennbar.

Gesellige Runde im Vereinsheim

Jeden Freitagabend herrscht mächtig Betrieb im Vereinsheim. Dann kommen viele der rund 100 Vereinsmitglieder in geselliger Runde zusammen. Getrunken werden die portugiesischen Biere Super Bock und Sagres. Oder Casal Garcia, der meistverkaufte Weißwein der Welt, wie PSV-Kassenprüfer Jorge Ramos stolz berichtet. Für den Gaumen gibt es Stockfisch, Scampis oder „Sardinha Assada“, gegrillte Sardine. „Und natürlich Currywurst mit Pommes“, so Vicente, der festhält: „Feiern können die Portugiesen.“

Im Sommer 2000 blieb dem Portugal SV eine große Feier jedoch verwehrt. Punktgleich mit dem damaligen Platznachbarn SV Herbede hatte man in der Kreisliga A den ersten Platz belegt – der Aufsteiger in die Bezirksliga musste im Entscheidungsspiel ermittelt werden. 2000 Zuschauer im Wullenstadion sorgten für eine tolle Kulisse. Sie sahen ein 1:1, deshalb ging es ins Elfmeterschießen. „Da war mir klar, dass wir verlieren. Im Elfmeterschießen gewinnt Deutschland immer“, sagt Alex Vicente, der damals Spielertrainer war. Noch heute aber weiß jeder im Verein: Verschossen haben die Griechen. Wie Pascali Galagoussis, der nun als Sportlicher Leiter beim PSV fungiert.

Aufbau der Jugendabteilung hat Priorität

Aktuell spielt die erste Mannschaft in der Kreisliga B, die Reserve noch eine Klasse tiefer. „Unser Ziel ist es, irgendwann wieder in der Kreisliga A zu spielen. Priorität hat jetzt aber der Aufbau der Jugendabteilung“, sagt Vicente. Ein Anfang ist gemacht, es gibt wieder eine B- und eine A-Jugend im Verein. Im Sommer soll mindestens ein Mini Kicker-Team hinzukommen. Unabhängig vom sportlichen Erfolg steht fest: Die Begeisterung für den Fußball eint Deutsche und Portugiesen.

Und – so viel Fußballsachverstand muss sein – dass Lionel Messi nicht der beste Fußballer der Welt ist, das ist beim Portugal SV hinlänglich bekannt. „Cristiano Ronaldo kann es mit links, rechts, mit dem Kopf und ist physisch stark“, erklärt Aqmindo Goncalves Marques.

Marcel Kling

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Portugal SV Witten ist ein multikultureller Fußballverein
Portugal SV Witten ist ein multikultureller Fußballverein
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2016-02-07 19:42
Witten