Nur sonntags gibt’s auch mal ein Eis

Bronze bei der Junioren-WM in Polen: Kevin Gebhardt (22).
Bronze bei der Junioren-WM in Polen: Kevin Gebhardt (22).
Foto: Jürgen Drescher
Was wir bereits wissen
Der Wittener Kevin Gebhardt hat seinen Körper jahrelang gestählt - und erntete nun als Dritter der Junioren-WM im Bodybuilding den verdienten Lohn dafür. Ein Porträt.

Witten..  Drei Monate lang hat Kevin Gebhardt Diät gemacht und nicht eine Kalorie zu viel am Tag zu sich genommen, um seinen ohnehin schon wohldefinierten Körper zu einhundert Prozent in Form zu bringen. Der Verzicht hat sich gelohnt: Der Wittener Bodybuilder hat sich den Titel als Deutscher Meister der Junioren gesichert und setzte mit dem dritten Rang bei der Junioren-Weltmeisterschaft in Warschau (Polen) gleich noch seinen größten sportlichen Erfolg oben drauf. Nun ist für ihn erst einmal das, was man im Bodybuilding „Off-Season“ nennt.

15 Jahre alt war Kevin Gebhardt, als er sich mit einigen Schulkollegen im Fitnessstudio anmeldete. „Ich wollte einfach ein wenig in Form kommen“, sagt der heute 22-Jährige, für den das Krafttraining längst mehr als einfach nur ein Hobby geworden ist. Denn Gebhardt fand schnell Gefallen an dem Sport, trainierte mehr und mehr und fand sich bald immer häufiger ohne seine Freunde an den Geräten wieder. Sie konnten bei dem Pensum nicht mithalten. Kein Wunder: Bis heute hat Gebhardt – mit Ausnahme von krankheitsbedingten Ausfallzeiten – keine Trainingspause eingelegt.

Als 15-Jähriger ins Fitness-Studio

An sechs Tagen in der Woche trainiert Gebhardt. In der intensiven Vorbereitungszeit stehen morgens zudem Ausdauereinheiten an. Nur sonntags ist Ruhetag. Dann nimmt er es mit dem Essen auch nicht so genau, gönnt sich schon mal Eis und Kuchen. An allen anderen Tagen lebt er nach einem strengen Ernährungsplan. Sechs genau abgewogene Mahlzeiten nimmt er zu sich, alle drei Stunden gibt es Kartoffeln, Reis, Hähnchen, Magerquark oder Gemüse. „Alles möglichst naturbelassen“, sagt Kevin Gebhardt.

Die richtige Ernährung ist für den jungen Bodybuilder genauso wichtig wie das Training. Besonders in den drei Monaten, bevor die Wettkampfsaison losgeht. Dann steht eine Diät auf dem Programm, an deren Ende Gebhardts Körperfettanteil zwischen vier und fünf Prozent liegt. Weniger geht nicht. „In dieser Phase ist das schon nicht mehr gesund. Deshalb halte ich diese Form auch nicht lange“, so Gebhardt.

Bestmöglich definiert sein müssen die Muskeln beim Wettkampf. Denn dann wird der Körper präsentiert. Anders als in anderen Sportarten kann man beim Bodybuilding während des Wettkampfs nicht viel ‘rausreißen. Das Training, die Vorbereitung, das ist es, worauf es ankommt. Das Resultat wird vor der Jury in Szene gesetzt. Im Pflichtteil stehen Grund- und Vergleichsposen an. In der Kür haben die Athleten eine Minute Zeit zu einer selbstausgesuchten Musik eine Minute lang freies Posing zu betreiben. „Da kann man seine Stärken nochmals besonders hervorheben“, sagt Gebhardt.

Präsentieren vor der Jury

Zuletzt gelang ihm dies offenbar sehr überzeugend. Der Titel bei der Junioren-DM war für Gebhardt schon ein toller Erfolg, Bronze bei der Junioren-WM in Warschau, seinem ersten internationalen Wettkampf, jedoch das bisherige Highlight seiner Karriere. Insgesamt gingen in Warschau 280 Bodybuilder aus 40 Nationen an den Start. In der Juniorenklasse musste sich Gebhardt mit 14 Konkurrenten messen.

Für Kevin Gebhardt hat nun die „Off-Season“ begonnen. Ganz genau bedeutet das: Muskelaufbautraining. Im Herbst 2016 will der Wittener an seinem nächsten Wettkampf teilnehmen. „Bis dahin gibt es noch genug zu verbessern“, sagt Gebhardt. „Schwachstellen gibt es immer irgendwo. Das Wichtigste ist, dass man dran bleibt.“