Nur noch eine Etappe
29.08.2011 | 18:08 Uhr 2011-08-29T18:08:12+0200
Grimma/Witten.Nein, „so richtig verdaut habe ich das noch nicht“, sagte Richard Gutt, Manager des Stadtwerke Teams Witten, nach dem chaotischen Bundesliga-Wettkampf in Grimma. Dass es für die Seinen sportlich ohnehin katastrophal läuft - „was will man da noch machen?“, fragt Gutt schulterzuckend. Aber was am Rande des Wettkampfes ablief, sorgte für eine „hohe nervliche Anspannung“.
Was ihn und auch einige andere Wittener Verantwortliche zur Weißglut bringt, ist das Malheur eines Ordners in der Wechselzone. Der hatte - das ist das wahrscheinlichste Szenario - zwischen Elite- und Zweitligarennen beim Jedermann-Triathlon sowohl Schuhe als auch Startnummer von Micha Zimmer weggeworfen. „Die wurden auch nicht mehr aufgefunden. Bei einem so bedeutenden Wettkampf muss man doch davon ausgehen, dass man da gestandene, erfahrene Männer hinstellt“, lässt er seiner Empörung freien Lauf. Zimmer musste das Rennen beenden. Gift für die Mannschaftswertung.
Die aktuelle Saison also dürfte ohnehin schon als einigermaßen verkorkst bezeichnet werden. Doch immerhin hat in einem anderen Fall scheinbar endlich die Gerechtigkeit gesiegt. Denn das Deutsche Institut für Sportgerichtsbarkeit (DIS), das höchste deutsche Sportgericht, bestätigte das Urteil des Verbandsgerichts bezüglich des Liga-Wettkampfs 2010 in Gladbeck. Dort hatte Wittens Thomas Springer eine halbe Radfahrt barfuß absolviert - ein Vorteil entstand ihm dadurch aber gewiss nicht.
Gegen das Urteil des Verbandsgerichts, Springers Disqualifikation müsse zurückgenommen werden, war einst der eigene Dachverband - einmalig in der deutschen Sportgeschichte - vorgegangen. „Die Deutsche Triathlon-Union muss das Urteil jetzt werten“, gibt der Zweite Vorsitzende des Gesamtvereins, Jörn Stratmann, Einblick in die weitere Vorgehensweise. Werten heißt hier konkret: Springers Gladbeck-Zeit muss in die Mannschaftswertung einfließen. Konsequenz daraus: Witten wird Deutscher Meister 2010. Die Freude darüber wird sich beim Zweiten EJOT Team TV Buschhütten in argen Grenzen halten. Sie hatten sich schon als Deutscher Meister gefeiert - mit T-Shirts, Ehrung und allem Drum und Dran.
„Wenn bis zum letzten Wettkampf in Hannover am Sonntag“ bezüglich der Umsetzung des Urteils nichts passiere, so Jörn Stratmann, „werden wir unseren Anwalt auffordern, der DTU eine Frist zu setzen.“ Immerhin gehe es um wichtige Titelprämien. Zudem „kaspern wir da jetzt schon lang genug herum“, ist Stratmanns Geduldsfaden bald gerissen.
„Wir versuchen, das so schnell wie möglich zu machen. Faktisch gibt es für uns noch keinen offiziellen Deutschen Meister“, sagt dazu Matthias Zöll, Geschäftsführer der Deutschen Triathlon-Union, der bis vor einem Jahr Teamkapitän der Wittener und somit in Gladbeck hautnah dabei war. Zudem betont er, dass sich die DTU bei ihrem Vorgehen nicht unter Druck setzen lasse. Entscheiden über die Liga-Wertung wird nun aller Voraussicht nach Liga-Leiter Norbert Aulenkamp - es läuft, bei aller Geheimniskrämerei, alles darauf hinaus, dass Witten den Titel sicher hat. Zu den unschönen Szenen in Grimma kann Zöll nicht allzu viel sagen: „Es scheint Pannen in der Organisation gegeben zu haben. Warum auf einmal ein Paar Schuhe und eine Startnummer verschwinden, weiß ich nicht.“
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