NRW-Liga bleibt das sportliche Ziel

Auf seinen ersten aktiven Einsatz in der Saison 2015 brennt Christian Heinrich (oben) nach langer Verletzungspause vermutlich schon jetzt.
Auf seinen ersten aktiven Einsatz in der Saison 2015 brennt Christian Heinrich (oben) nach langer Verletzungspause vermutlich schon jetzt.
Foto: Fischer

Witten..  „Ich bin wunschlos glücklich“, sagt SU Annens Ringer Christian Heinrich. Also übte der jüngste Verbandsliga-Trainer zu Weihnachten Enthaltsamkeit. Einen großen Wunsch - oder besser: guten Vorsatz - für 2015 hat der 23-Jährige dennoch. Abseits der Matte, die eigentlich sein Zuhause ist.

Die ersten sportlichen Gehversuche machte der Annener mit fünf Jahren bei der Sport-Union. Erster Trainer war der jetzt wieder in der Türkei lebende Ali Gencer – nicht zu verwechseln mit jenem Ali Gencer, der noch für die RG Annen/Heros Dortmund ringt. Der „alte“ Gencer brachte dem Youngster das Ringer-Einmaleins bei. Für ihn war das eine sehr lehrreiche Zeit. Vor allem für seine jetzige Aufgabe.

Viele andere Lernorte folgten. Vom Kälberweg aus zog es ihn zum TKSV Bonn-Duisdorf, den ehemaligen Erst- und Zweitligisten und diesjährigen Verbandsliga-Meister. Vom Rhein warb ihn der jetzige Kooperationspartner, der immer noch amtierende Deutsche Rekord-Meister ASV Heros Dortmund (zehn Titel), ab. Nächste Station war der Ex-Bundesliga-Dominator KSV Witten 07.

Mit dem siebenmaligen Deutschen Mannschafts-Meister erlebte Christian Heinrich eine ganz besondere Premiere: Die erste KSV-Saison in der 2. Bundesliga. Vor dem 27. August 2011 hatte der Traditionsverein entweder in der Oberliga oder aber in Liga eins gerungen. Doch Heinrich zahlte dafür einen hohen Preis.

Stetig sechs Kilo abgeschwitzt

Der Leichtgewichtler musste im Fliegengewicht ‘ran und so vor jedem Kampf rund sechs Kilo Gewicht machen. Die Schwitzkur begann stets montags und brachte dann am Samstagabend um 18.45 Uhr den gewünschten Erfolg: Das geforderten 55-Kilo-Limit. Am Sonntag durfte er mal „richtig schlemmen“, um am Montag aufs Neue das Gewicht zu reduzieren.

Das ging nicht lange gut, mergelte den mageren Körper vollends aus. Die Folge: Für den jungen Athleten gab’s nichts zu holen. Dies änderte sich beim ASV Mevlana Westerfilde, für den er in der Verbandsliga viele Erfolge feierte. Wie auch seit zwei Jahren für seinen Stammverein in der RG Annen/Heros Dortmund, deren Trainer der jetzt 23-Jährige seit zwei Jahren ist.

„Zweimal hintereinander gleich Dritter werden, das kann nicht jeder Trainer-Neuling vorweisen“, freut sich der C-Schein-Inhaber. Probleme beim Coachen hat der positiv Ringsport-Verrückte nicht: „Ich muss Autorität nicht durch Hinweise auf meine Position herstellen“, betont er stolz. Das nimmt man dem jungen, sympathischen Auszubildenden zum Werkstoff-Prüfer mit dem Schwerpunkt Wärmebehandlung sofort ab.

Christian Heinrich ist eine ehrliche Haut, der von seinen Mitstreitern das verlangt, was er auch selbst kann. Das ist eine Menge – und erfolgreich obendrein. „Ich bin recht zufrieden“, sagt er mit Blick auf die abgelaufene Saison. „Auch wenn wir mehr mit Verletzungen als mit unseren Gegnern rangen.“ Nicht auszudenken, was drin gewesen wäre, wenn es die Langzeit-Ausfälle von Akin Kandemir, Sebastian Schlicht, Patrick Mohammad, Tamer Akdemir und Heinrich selbst nicht gegeben hätte. Immerhin war die SUA-Heros-Kombination die einzige Staffel, die Meister TKSV Bonn-Duisdorf einmal schulterte.

Das RG-Trauma hat einen anderen Namen: KSV Jahn Marten, der punktgleiche Vize-Meister. „Die liegen uns einfach nicht“, so seine Analyse. „Das war schon letztes Jahr so.“ Ausschlaggebend ist die größere Erfahrung der älteren KSV-Ringer. „Wir haben da eine bessere Altersstruktur, die uns noch zugute kommen wird“, ist sich der junge Coach indes sicher.

Und noch eines spricht aktuell für die RG: Der jüngste Trainer von Verbands- und Oberliga. Rauf in die höchste NRW-Klasse will Christian Heinrich auf jeden Fall noch. Doch erst einmal ist er „wunschlos glücklich“, wobei für 2015 ein Ziel in Stein gemeißelt ist: „Im Herbst will ich eine perfekte Ausbildung abschließen und vernünftig in den Beruf starten.“