Kämpfen wie die Samurai
15.03.2010 | 15:24 Uhr 2010-03-15T15:24:00+0100
Witten. Ein ungewöhnliches Bild zeigte sich am Samstagmorgen in der Husemannsporthalle. Über hundert paar Schuhe in allen Farben und Größen standen im Vorraum, auf dem Spielfeld trafen sich 92 Kämpfer und Kämpferinnen, gekleidet in dunkle Rüstungen und ausgestattet mit langen Bambusschwertern.
Nicht nur ungewöhnlich, sondern auch ein bisschen unheimlich, doch nach ein paar Minuten, nahm die familiäre Atmosphäre bei den Deutschen Meisterschaften im Kendo dem Zuschauer jede Scheu vor dem doch eher unbekannten Kampfsport.
Bereits zum vierten Mal trafen sich die besten Athleten Deutschlands zum Kräftemessen in Witten. Für die Wittenerin Anna Ernst, die für den Ausrichter DJK TuS Ruhrtal antrat, war es die zweite Teilnahme an einer Deutschen Meisterschaft. „Kendo ist viel mehr als nur der bloße Kampf zwischen zwei Personen, man kämpft nicht nur gegen jemanden, sondern mit ihm”, verrät Max Rieger, Pressesprecher des TuS.
Entschlossenheit, Disziplin und vor allem die Einheit von Körper und Geist (Ki-ken-tai-chi), das sind die drei Grundpfeiler des Kendo. Im Kampf werden diese symbolisiert durch den Kampfschrei (Kiai), den Treffer mit dem Schwert (Shinai) und einen sprungartigen Kampfschritt (Fumikomiashi). Ein Punkt wird nur dann erzielt, wenn bei einem Treffer Shinai, Kiai und Fumikomiashi korrekt ausgeführt werden. „Außerdem”, erklärt Max Rieger, „darf bei der Ausführung des Schlages nicht gezögert werden.”
Drei Kampfrichter entscheiden per Mehrheitsentscheid über die Gültigkeit eines Punktes. Wer innerhalb der Kampfzeit, bei den Frauen vier bei den Männern fünf Minuten, zwei Punkte erzielt, gewinnt. Eine weitere Besonderheit des Kendos sind die „Reiho”, die Verhaltensregeln, die wie der Sport selbst ihre Wurzeln in der japanischen Kultur haben. In Japan war Kendo bis Ende des 19. Jahrhunderts für die Samurai, die japanische Kriegerkaste, eine bewährte Kampftechnik. Bis heute ist Kendo Pflichtprogramm für die japanische Polizei. „Der Sport hat nach dem Film 'Last Samurai' mit Tom Cruise einen unglaublichen Boom erlebt”, erzählt der Vorsitzende des deutschen Kendobundes (DKenB) Detlef Viebranz: „Wir bräuchten einen zweiten Teil des Streifens.”
Zurzeit zählt der DKenB 4.000 Aktive im Kendosport, davon trafen sich die 92 Besten am Samstag in Witten. Zu Beginn der Veranstaltung versammelten sich nach der rituellen Einstimmung alle Teilnehmer, aufgestellt nach den jeweiligen Landesverbänden, vor den Kampfrichtern. Nicht nur die ranghohen Vertreter des DKenB waren vor Ort, sondern auch der stellvertretende Bürgermeister, Hans Ulrich Kieselbach, begrüßte die Kämpfenden. Die Frauen starteten zuerst ins Turnier und in der Vorrunde setzte sich Anna Ernst mit zwei Siegen in ihrer Gruppe klar gegenüber ihren Konkurrentinnen durch. Die erste Partie im K.O.-System verlor die Wittenerin allerdings gegen eine Mannschaftskollegin aus NRW. „Ein bisschen Losglück gehört immer dazu. Ich bin einfach nur froh, dabei gewesen zu sein”, zeigte sich Anna Ernst zufrieden. Über den Titel als Deutsche Meisterin freute sich die routinierte Yokoo aus Bayern. Bei den Herren konnte Sascha Schulke, ebenfalls aus Bayern, die Titelkämpfe erstmals für sich entscheiden.
ONLINE www.dkenb.de
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