Heiko Schneider: „Das geht an der Realität vorbei“

Wittens Fußballer, hier mit Annens Remo Ackermann (r.), müssen sich bei der anstehenden Hallenstadtmeisterschaft mit den neuen Regeln anfreunden.
Wittens Fußballer, hier mit Annens Remo Ackermann (r.), müssen sich bei der anstehenden Hallenstadtmeisterschaft mit den neuen Regeln anfreunden.
Foto: WAZ/FotoPool
Was wir bereits wissen
Kreisschiedsrichter-Lehrwart Heiko Schneider spricht im WAZ-Interview über die neuen Regeln im Hallenfußball. Schiedsrichter und Vereine wurden mit hohem Aufwand kurzfristig auf den neuesten Stand gebracht. Erste Erfahrungen sind ganz gut.

Witten..  Bereits am ersten Wochenende des neuen Jahres öffnet die Husemannhalle wieder für die Fußballer ihre Türen: Der Sparkassen-Hallen-Cup für Reservemannschaften bildet den Auftakt der Budenzauber-Saison. In diesem Jahr wird es spannend: Die Regeln wurden vom Verband überarbeitet. Was das für die Beteiligten auf und neben dem Platz bedeutet, das erläutert Kreisschiedsrichter-Lehrwart Heiko Schneider im Gespräch mit WAZ-Mitarbeiter Marcel Kling.

Erachten Sie die Einführung der neuen Hallenfußballregeln für sinnvoll?

Ich bin da etwas zweigeteilt. Ehrlich gesagt, haben wir Schiedsrichter die neuen Regeln nicht mit offenen Armen aufgenommen. Andererseits hat sich in der Praxis gezeigt, dass sich die Vorbereitungen mit den Schiedsrichtern und den Vereinen bewährt haben.

Die ersten Praxiserfahrungen stammen von den Stadtmeisterschaften in Hattingen. Dort lief alles reibungslos?

Ich habe mir in Hattingen sowohl die Jugend- als auch die Seniorenturniere angeschaut. Ich muss sagen: Hut ab vor den Ausrichtern TuS Hattingen und SG Welper. Gerade der TuS Hattingen hat zwischen den Spielen sehr vorbildlich das Publikum mitgenommen. Man hat aber auch gesehen, dass nun ein paar neue Probleme hinzukommen. Die Zeitnahme in der letzten Minute halte ich für nicht gelungen, weil dadurch alle unter Druck gesetzt werden: Zeitnehmer, Schiedsrichter und Spieler.

Gibt es weitere Regeln, die Sie für unglücklich halten?

Die Wirkung des Schusses beim Tor nach der Sirene geht völlig an der Realität vorbei. Muss das sein? Solche Situationen kommen ja zum Glück selten vor. Aber wenn, dann werden sie zu größeren Auseinandersetzungen in der Halle führen. Auch die 4-Sekunden-Regel bereitet Probleme. Die Akteure werden sich wundern, wie schnell die Zeit um ist. Ich verstehe, dass man das Spiel schnell machen will. Aber die Umstellung ist nicht so einfach. Ohnehin frage ich mich: Wurden da vom Verband Experten herangezogen oder hat man einfach selbst versucht, etwas zu ändern?

Gibt es auch Regeln, die Sie überzeugt haben?

Zunächst einmal hat sich der sprungreduzierte Ball bewährt. Hohe Anspiele sind dadurch nahezu ausgeschlossen. Daher wird zumindest versucht, besser Fußball zu spielen. Mit dem Einkicken statt dem Einrollen gab es auch keine Probleme. Ich finde es zudem sehr gut, dass nun das Grätschen verboten ist. Das passt zum Fair-Play, das im Fußball immer gefordert wird.

Wie viel Aufwand bedeuteten die Regeländerungen für Sie?

Die Vorbereitungszeit war für die Schiedsrichter und die Spieler einfach relativ kurz. Wir haben in fünf Schulungen 130 Schiedsrichter, die Fachschaften und die Vereine auf den neuesten Stand gebracht. Da wird den Vereinen und den Funktionären eine ganze Menge abverlangt. Immerhin hat das aber dazu geführt, dass die Seniorenfußballer in Hattingen zwar etwas angespannt waren, die neuen Regeln aber gut umgesetzt haben. Und die Kinder, die haben einfach wie immer drauf los gespielt. Da gab es überhaupt keine Probleme.

Haben Sie erwartet, dass es so rund läuft?

Ich hatte Schlimmeres befürchtet, ich dachte, das gibt Chaos. Die Turniere, die ich gesehen habe, da lief alles besser als erwartet. Aber die heißen Turniere, in denen es nicht nur um die goldene Ananas geht, sondern um höhere Geldbeträge, die kommen ja in den kommenden Wochen erst noch.